Solitaire

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2014, Titel: 'Solitaire', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Ein unglückliches Mädchen, das auch nicht glücklich sein will

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Mai 2016

Tori ist 16 Jahre und schon mit der Welt fertig. Sie hat nur eine gute Freundin und zwei Brüder, die ihr näher kommen dürfen. Ansonsten tut sie alles mit Sarkasmus und Galgenhumor ab, was anderen Teenies in ihrem Alter etwas bedeutet. Doch dann taucht Michael Holden auf. Zur gleichen Zeit bringen merkwürdige Ereignisse den Schulalltag fast zum Erliegen. Solitaire - eine geheime Gruppe von Saboteuren - soll dahinter stecken. Michael ist fest entschlossen, das Geheimnis von Solitaire zu lüften. Doch mindestens ebenso groß ist seine Entschlossenheit, Toris trauriges Herz zu erobern.

Rosa Post-its sind nur der Anfang

Am ersten Schultag, an dem alle schwer damit beschäftigt sind, einen guten Eindruck zu machen, ist Tori sofort abgelenkt: kleine Haftzettelchen (die meisten kennen sie in gelber Farbe) führen sie wie bei einer Schnitzeljagd direkt in den verlassenen Computerraum, wo auch gleich eine Nachricht von Solitaire auf sie wartet. Dort trifft sie auch zum ersten Mal auf Michael Holden, einen ziemlich exzentrischen Vogel, bei dem sie normalerweise sofort auf Abstand gehen würde, wäre er nicht doch irgendwie interessant. Im Verlauf der Schulwoche wird der Schulleitung so mancher Streich von Solitaire gespielt. Die Musik auf den Lautsprechern ist nicht mehr auszuschalten, die Computer machen was sie wollen, alles scheint irgendwie fremd gesteuert.

Doch dann kippt nach und nach die Stimmung bei den Schülern, die diese Streiche zunächst für ganz originell halten. Nicht länger haben sie den Eindruck, dass es sich bloß um "Streiche" handelt, die sich ein paar Schüler ausgedacht haben. Die Aktionen werden immer bedrohlicher, machen den anderen Mitschülern Angst. Es wird deutlich, dass die anonyme Gruppe zu allem entschlossen zu sein scheint. Und das bedeutet auch, andere Schüler ernsthaft zu verletzen.

Unerschütterlich bleibt Michael Holden während der ganzen Zeit an Toris Seite. Irgendwie, ganz unerwartet, immer wieder. Tori sträubt sich dagegen, zunächst; sie sträubt sich schließlich gegen alles und jeden, auch wenn es ihr gut tun würde. Doch Michael, mag er auch noch so schräg drauf sein, hellt Toris Tage mit seinem unerschütterlichen Optimismus und mit seinem Humor auf. Egal, in welchem Dilemma er selbst gerade stecken mag. Gleichzeitig hat auch Lucas, ein Freund aus Kindertagen und neu an der Schule, ein Auge auf Tori geworfen; doch er ist mehr und mehr befremdet von Toris inszeniertem Weltschmerz.

"Das ist lustig, weil es wahr ist."

... ist Toris Lieblingsspruch, da sie ihr Gegenüber, wer ihr auch immer ins Gewissen reden möchte, so entwaffnet. Es stimmt, dass sie mit Menschen nichts zu tun haben will. Und es stimmt auch, dass sie sich verkriecht, um in ihrem Weltschmerz zu baden. Das ist eigentlich nicht lustig, weil es wahr ist.
Klar, das Problem mit ihrem Bruder, der unter extremen Essstörungen und psychischen Problemen leidet, ist eine bedrückende Sache. Ständig muss die Familie damit rechnen, dass der Junge sich etwas antut. Ob es mit seiner Homosexualität zu tun hat, wird nicht ganz deutlich. Aber eine Schlägerei an der Schule, bei der er von einem Mitschüler angefeindet wird, und Toris Blick auf die Situation machen klar, dass es da bereits heftige Konflikte gab. Es ist und bleibt ein fragiler Zustand in dem Toris älterer Bruder sich befindet. Der jüngere Bruder dagegen ist ein glückliches, unbekümmertes Kind, ihm zeigt Tori mehr Leichtigkeit als sie es sonst fertig bringt. Die Eltern sind nett, verständnisvoll, nerven nicht mit Vorwürfen, sind einfach da, wenn sie gebraucht werden. Sie können einem fast leidtun, bei so vielen Problemen und so viel jugendlicher Abwehr.

Die Frage bleibt aber dennoch: Warum ist Tori nur so sehr von Gott und der Welt enttäuscht? Dass es in diesem Alter durchaus Phasen gibt, in denen sich alles umkehrt und alles, was davor so leicht und selbstverständlich war, plötzlich nicht mehr gültig ist; dass man mit 16 alles in Frage stellen möchte, um sich ein neues, eigenes Bild von der Welt zusammen zu setzen, dass dies auch mit einer Menge gesundem Weltschmerz verbunden ist, ist für mich durchaus nachvollziehbar. Dabei sind ihre einzigen Freizeitbeschäftigung Bloggen und Schlafen. Das klingt nicht nach einem abwechslungsreichen Leben und bestätigt sie in ihrem "Weltschmerz-Konzept".

Zum Glück ist Tori aber - die auch die Ich-Erzählerin im vorliegenden Roman ist - mit einer spitzen Zunge und einem ziemlich klugen Kopf ausgestattet, sie versteht es die Dinge auf den Punkt zu bringen. Das liest sich teilweise schon sehr witzig. Und sie ist desinteressiert genug an ihren Mitmenschen, um sich über ihre Reaktionen überhaupt Gedanken zu machen. Das wirkt irgendwie cool und abgeklärt. Gar nicht cool sind aber ihre künstlichen Dramen. Ihr Pessimismus in allen Lebenslagen wirkt über lange Strecken etwas gewollt.

Parallelen zu dem berühmten Roman Der Fänger im Roggen von J.D. Salinger sind auffällig und zum Teil vorhanden - auch hier findet sich der Held der Geschichte, Holden Caulfield, in seiner Welt nicht mehr zurecht, kann mit seinen oberflächlichen Schulkameraden nichts anfangen, alles scheint ihm so sinnlos und oberflächlich. Ebenso wie auch Tori verabscheut die Romanfigur in Der Fänger im Roggen alles, was er als Heuchelei und Verlogenheit entlarvt. Solche Erwachsene, die nur hohle Phrasen dreschen, möchten sie nicht werden. Und das ist durchaus eine authentische Haltung, die der aus meiner Sicht eher psychologisch ausgerichtete Roman gut widerspiegelt. Wenn es stimmt, dass das Gehirn eines Teenagers während seiner Entwicklung eine Dauerbaustelle ist, dann zeigt dieser Roman in seinem Kern, wie ich finde, dass man einiges abreißen muss, um für neue Überzeugungen Platz zu schaffen - aber auch für Platz für jene zu lassen, die sich am Ende bewährt haben. Doch ein gravierender Unterschied besteht zu Tori: Holden Caulfield sucht die Nähe zu den Menschen - und auch eine Zukunft.

Das Debüt einer Siebzehnjährigen

Alice Oseman war gerade erst 17, als sie Solitaire schrieb. Ihr Schreibstil ist überraschend klar und wirkt routiniert. Sie wird mit vielem, das sie in ihrem Debüt schildert, den Nerv der Leserinnen treffen. Daher würde ich Solitaire auch eher bei den weiblichen Lesern ab 14 Jahren sehen, die sich in Teilen gut mit Tori identifizieren können. Alice Oseman beschreibt die Entwicklung einer jungen Frau auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, die vor der Entscheidung steht, welche Erwachsene sie einmal werden möchte. Am Ende mündet dieser Findungsprozess ziemlich abrupt und unkompliziert in einen Weg, den Tori plötzlich vor sich sieht. Es ist ein versöhnliches Ende. Die Sache mit Solitaire die sich zu Anfang beinahe wie ein Krimi anbahnte, verliert sich aber im Laufe der Geschichte und ist am Ende kaum noch von Bedeutung, auch wenn das Rätsel noch gelüftet werden soll. Die "Sache" zwischen Tori und Michael spielt letztlich doch eine viel größere Rolle.

FAZIT

Erwachsenwerden ist nicht einfach - und Tori, die Protagonistin, ist fest entschlossen, es auf die harte Tour zu versuchen. Das ist auch für die Leser/innen etwas anstrengend, doch der Roman zeigt, auch dieser Weg führt letztlich zum Ziel. Ein Roman für alljene, die die Welt mit kritischen Augen betrachten - und, ebenso wie die coole Tori, dabei nicht mit Ironie sparen.

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