Don´t tell me lies

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2014, Titel: 'Life by Committee', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7

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Rita Dell'Agnese
Wie weit geht das Spiel?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2015

Tabitha ist 16 – und unsterblich in Joe verliebt. Aber Joe ist nicht frei. Allerdings schreibt er trotz Freundin sehr innige Mails. Tabitha weiß nicht recht, wie sie damit umgehen soll: Sobald sie alleine sind, ist Joe so aufmerksam, als würde er ihre Gefühle erwidern. Es ist aber nicht nur die Sache mit Joe, die Tabitha zusetzt. Da ist auch noch die Schwangerschaft ihrer Mutter. Nach so vielen Jahren werden ihre Eltern nochmals ein Baby haben. Für Tabitha ist das ein schöner und schwieriger Gedanke zugleich. Sie fürchtet, ihre Stellung einzubüßen. Weniger wert zu sein. Sie sieht, dass ihr Vater nach wie vor unreif ist, sich lieber den Tagträumen und dem Kiffen überlässt, als sich dem Leben zu stellen. Nur beim neuen Baby, da soll alles gut laufen – besser als damals, bei Tabitha. Gekränkt zieht sie sich zurück und surft im Internet. Denn Freundinnen hat sie keine mehr, seit sie sich für den falschen Jungen interessiert. Tabitha stößt auf die Website "Live by Committee" und ist elektrisiert. Denn hier wartet eine Herausforderung auf sie. Die Regeln sind eigentlich ganz einfach: sie postet ein Geheimnis – das wird gewahrt, wenn sie bereit ist, eine eigens gestellte Aufgabe dafür zu erledigen. Was zuerst wie ein Spiel wirkt, wird zu einer harten Herausforderung. Denn Tabitha soll ausgerechnet ihr Geheimnis wiederholen: Den Jungen zu küssen, für den sie schwärmt, der aber einer anderen gehört.

Es braucht schon etwas Vorstellungskraft, um sich von Tabithas Familie ein Bild zu machen. Die Autorin Corey Ann Haydu fängt just bei dieser Herausforderung an: Sie schildert das Umfeld von Tabitha und gibt ihrem Publikum damit gleich mal einen Happen zu schlucken. Denn es ist alles andere als gewöhnlich, was die 16-jährige umgibt. Die Eltern führen einen Tee Salon, in dem sich Tabitha ebenfalls nützlich zu machen hat. Wenn sie nicht gerade mithilft, hockt das Mädchen an einem Tisch und surft im Internet. Dabei beobachtet sie, was um sie herum vorgeht. Besonders deutlich wird ihr aber, wie ihr Vater drauf ist. Er kifft und lebt in den Tag hinein, während die Mutter sich bemüht, einen Schritt in Richtung bürgerliches Leben zu tun. Das hat nicht nur damit zu tun, dass die Mutter reifer ist, sie ist auch schwanger. Und dem neuen Baby soll ein passendes Umfeld präsentiert werden. Dass sie damit die ältere Tochter, Tabitha, vor den Kopf stoßen, sind sich weder die Mutter noch der Vater bewusst. Es stellt sich die Frage, wie weit die Autorin hier die Sache mit dem Kiffen verharmlost. Angesichts des Zielpublikums von 14 bis 16 Jahren, also einer Gruppe, die sich aktuell mit der Drogenproblematik befassen sollte, ist hinter den offensiven Drogenkonsum des Vaters zumindest ein Fragezeichen zu setzen. Zwar entwickelt sich der Vater in dieser Frage, doch bleibt unter dem Strich die Aussage stehen: Kiffen? Ist ja weiter kein Problem.

Wesentlich überzeugender stellt Corey Ann Haydu den Konflikt dar, in dem sich Tabitha befindet, wenn es um Joe geht. Sie ist in ihn verliebt, respektiert aber, dass er mit einer anderen zusammen ist. Für ein pubertierendes Mädchen zeigt Tabitha hier ganz schön viel Reife. Das hin und her gerissen sein, kommt ausgezeichnet zum Ausdruck, schmälert auch die Sympathie nicht, die man für die Protagonistin empfinden mag. Anders jene für Joe. Hält man ihn zunächst für einen Jungen, der in einer Situation gefangen ist, muss man sich schnell die Frage stellen, weshalb er die Konsequenzen nicht zieht. Joe bleibt ein schwammiger, unsympathischer Charakter.

Skurril, aber nicht abwegig nimmt sich schließlich die Website aus, die Tabitha ins Auge gefallen ist. Auf allen anderen Ebenen an Grenzen gekommen, öffnet sich die 16-jährige nur zu gern der fremden Community, die so stark in ihr Leben eingreift. Immer stärker zieht die virtuelle Welt Tabitha in ihren Bann. Die Eltern, ganz mit sich und dem neuen Baby beschäftigt, erkennen nicht, dass ihre Tochter Hilfe braucht. In diesem Sinne ist der Roman auch ein Plädoyer dafür, genauer hinzusehen.

FAZIT

Viele Ansätze in diesem Roman sind gut gelungen. Schwierig ist jedoch die Darstellung des Vaters von Tabitha. Ob der Umgang mit seinem Drogenkonsum wirklich dafür angetan ist, jugendlichen Lesern vorgesetzt zu werden, müssten die Eltern entscheiden. Für die Eltern selbst könnte die Lektüre durchaus Anstoß zum Nachdenken sein: Darüber, was ihre Kinder im Netz entdecken und in welche Gruppen sie hinein geraten könnten.

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