Lolito

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Atrium, 2013, Titel: 'Lolito', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7

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Rita Dell'Agnese
Nah und fern der Realität

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2015

Etgars Welt gerät ins Wanken. Seine Beziehung zu Alice zerbricht. Sie hat ihn betrogen. Und Etgar ist alleine. Nur sein Hund ist da. Die Eltern sind weggefahren, zu einer Familienfeier. In seiner Einsamkeit und von Liebeskummer gequält, surft Etgar durchs Internet. Er will sich an Alice rächen, will sich ins Leben stürzen. Da taucht Macy auf. Einfach so, irgendwo in einer Single-Börse. Etgar träumt sich in eine andere Person, flirtet mit Macy und erzählt ihr von einem Leben, das er nicht führt. Macy ahnt nicht, dass sie es mit einem Jugendlichen zu tun hat – Etgar ist gerade mal 15. Sie lässt sich auf den Flirt ein, zeigt Interesse. Etgar sieht seine Chance, sich mit der Frau zu treffen und damit all das, was Alice ihm angetan hat, zu vergessen. Er nimmt seinen ganzen Mut zusammen und vereinbart mit Macy ein Date. Sie entpuppt sich ebenfalls als jemand ganz anderer, als er gedacht hat. Aber sie lässt sich von Etgars Jugend nicht abschrecken. Sie spürt die Einsamkeit des Jungen und findet den Draht zu ihm. Etgar findet durch Macy zurück zu sich selber – auch wenn alles ganz anders läuft, als er es sich gedacht hat.

Der Protagonist des Romans Lolito ist 15. Und doch ist der Roman kein Buch für Jugendliche. Oder zumindest nicht für Jugendliche unter 16 Jahren. Denn Ben Brooks nimmt kein Blatt vor den Mund. Er spricht von Sex, von Prostituierten und vielem mehr. Schließlich hat er den Roman für Erwachsene geschrieben. Dennoch ist die Geschichte auch für junge Leserinnen und Leser interessant: Sie erleben einen Altersgenossen, der zu den Sternen greift – und damit nicht nur Schiffbruch erlebt. Aber Dinge in Gang setzt, die er nicht mehr kontrollieren kann. Damit wird Lolito zu einem wichtigen Buch, das durch seine Handlung eine beredte Sprache spricht. Denn nach und nach wird deutlich, was passieren kann, wenn man sich im Internet eine Scheinwelt zu Recht legt und sich die Grenzen zur Realität verwischen.

Durch seine sehr direkte, sehr kurz gehaltene Sprache kommt Ben Brooks – selber noch ein sehr junger Autor – der Welt des Jugendlichen Etgar sehr nahe. Vieles, was den Jungen umtreibt, ist eine Erscheinung der Pubertät, die er gerade durch macht. Das Fehlen jeder elterlichen Kontrolle, das auf sich selber zurückgeworfen sein, muss also zwangsläufig Folgen haben, nachdem ihn die Trennung von Alice aus der Bahn wirft. Das stellt Ben Brooks sehr schön dar. Schön – aber auf eine Weise, die Reife voraussetzt, um es zu verstehen.

Einerseits bleibt Ben Brooks sehr nahe an der Realität. Etgar ist ein Junge, wie man sich die 15-jährigen vorstellen darf. Die sehr direkte Sprache spiegelt die sich rasch verändernde Gefühlswelt des Jungen wieder. Seine Handlungen wirken auf Erwachsene unreif, doch genau das sollen sie auch sein. Schließlich handelt ein junger Mensch, der sich in diesem Zwischenstadium von Kind und Erwachsenem befindet. So bleibt der Autor, was Etgar betrifft, also sehr nahe an der Realität. Zumindest in einigen Bereichen. Sobald aber Macy ins Spiel kommt, kippt die Geschichte immer stärker ins Absurde. Macy, hinter der sich ebenfalls eine ganz andere verbirgt, als es durch den Mail-Verkehr zunächst den Anschein macht, ist eine reife Persönlichkeit. Dass sie sich aber so verhält, wie es ihr von Ben Brooks auf den Leib geschrieben wird, will nicht so richtig zum Bild passen, das der Autor von ihr sonst zeichnet. Damit tut sich eine Schere auf zwischen Realität und Fiktion, die sich unangenehm auf die Geschichte auswirkt und ihr einen leicht schalen Nebengeschmack gibt. Es mag unter anderem an Ben Brooks jugendlichem Alter liegen – der Autor mit Jahrgang 1992 – dass hier die Reife von Macy nicht richtig zum Ausdruck kommen kann.

FAZIT

Wer sich Lolito als Lektüre gönnt, sollte sich keineswegs vom Klappentext beirren lassen. Denn da ist von schreiend komisch die Rede. Eine Bezeichnung, die dem Roman in keiner Art und Weise gerecht wird. In vielen Bereichen ist der Roman berührend und direkt, in anderen phantastisch und manchmal auch unrealistisch. Komisch, oder außergewöhnlich witzig ist die Geschichte aber nicht. Und vor allem sollte unbedingt vor Augen geführt werden, dass es sich hier um ein Buch handelt, das für ein junges, aber erwachsenes Publikum geschrieben wurde und auch einige Stellen hat, die nicht so ganz jugendfrei sind.

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