Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Sauerländer, 2014, Titel: 'Jeg blir heldigvis ikke lagt merke til', Originalausgabe

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Melanie Reichert
Die Protagonistin: überspitzt, distanziert und ein großes Fragezeichen

Buch-Rezension von Melanie Reichert Mär 2015

Das große Abenteuer geht für Anne Lise gerade los: Fertig mit der Schule, zieht sie nach Oslo in ihre erste eigene Wohnung. Allerdings ist das Leben alleine gar nicht so einfach, wenn man schüchtern ist. So schüchtern, dass sie am ersten Tag an der Uni direkt wieder umdreht und prompt in einen Jungen hineinläuft. Ach du Schreck! Er spricht tatsächlich mit ihr! Was soll sie nur tun? Wie soll sie sich verhalten? Mit der Schüchternheit ist es kaum auszuhalten und so denkt auch Tore und verlässt sie nach kürzester Zeit wieder. Auch ihre Eltern stellen ihre Unterstützung ein und so muss sich Anne Lise fragen, was sie vom Leben erwartet und vor allem, wie sie dieses bestreiten möchte. Denn die Tage nur in ihren vier Wänden zu verbringen, scheint zwar verlockend zu sein, aber unmöglich.

Aufgrund des blumigen Covers inklusive rosa Windrad habe ich eher an einen locker-leichten und vor allem lustig-mädchenhaften Roman gedacht. Auch die Altersempfehlung vom Verlag (ab10 Jahren) hat mir einen anderen Eindruck vermittelt, als der, der sich dann am Ende bewahrheitet hat. Ich möchte gleich vorwegnehmen, dass ich für dieses Buch keine Leseempfehlung aussprechen kann, die Gründe werde ich im Folgenden näher erläutern.
Was auf den ersten Blick auffällt, ist die Gestaltung der Kapitel. Die Überschrift muss fast immer als erster Satz des Kapitels gelesen werden und schließt direkt an das Ende des vorherigen an. Meiner Meinung nach hätte man eine geeignetere Schriftart für die Überschrift wählen können, denn sie ist oft nur schwer lesbar. Die Kapitel selbst sind kurz und erstrecken sich nie weiter als über 3-4 Seiten. So ist das Buch recht schnell durchgelesen, wobei hier auch die Seitenzahl von 224 dazu beiträgt. Generell sind die Kapitel so knapp und kurz verfasst, dass sich der Leser eher wie beim Speed-Dating vorkommt. Kaum hat man das Kapitel angefangen, ist es auch schon wieder vorbei. Gerade wenn man gedacht hat, dass man mal ein bisschen was von der Protagonistin erfährt, ist man schon wieder zeitlich und räumlich ganz woanders. Ich persönlich finde das sehr verwirrend.

Durch eben genannte Knappheit kommt es auch, dass man als Leser so gar keinen Draht zu den Charakteren findet. Auch nach 224 Seiten ist mir die Protagonistin noch gänzlich fremd. Ihre Handlungen sind oft widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. So wird sie beispielsweise als sehr schüchtern beschrieben, verbringt mehrere Monate in ihrer Wohnung und steht dann plötzlich auf, um rauszugehen und Obdachlose auf der Straße anzusprechen. Jeder, der einen schüchternen Menschen in seinem Umfeld hat, weiß, dass es bei Fremden besonders schwer fällt, auf sie zuzugehen. Auch das Aussehen von Anne Lise wird praktisch überhaupt nicht beschrieben. Das ist wohl Geschmacks- und Interpretationssache, denn so könnte man natürlich auch davon ausgehen, dass die Autorin damit bezwecken wollte, dass sich jeder mit Anne Lise identifizieren kann.

Die Nebencharaktere werden noch weniger beleuchtet und sind eher wie ein kleines Flackern auf einer dunkeln Leinwand. Man liest mal was von ihnen, dann sind sie auch schon wieder verschwunden. Durch die Ich-Perspektive bekommen wir sie auch nur aus Anne Lises Sicht beschrieben, die teilweise etwas abstrus ist. Generell fragt man sich oft, wie ihre Eltern es zulassen konnten, dass sie in eine eigene Wohnung zieht. Immerhin hatten sie neunzehn Jahre Zeit gehabt, ihre Tochter kennenzulernen. Da müsste ihnen meiner Meinung nach klar sein, dass ihr Kind auf keinen Fall alleine (über)lebensfähig ist (mal ganz davon abgesehen, dass sie nur Nudeln, Milch und Haferflocken kauft).

Natürlich ist mir klar, dass die Autorin alles sehr überspitzt darstellt und provozieren möchte. Aber ich denke, dass sie hier zu viel des Guten getan hat. So ist zum Beispiel ein ganzes Kapitel enthalten, das mit dem ersten Satz des Nächsten als Scherz dargestellt wird. Ich fühle mich als Leser veräppelt und kann den Humor der Autorin leider nicht teilen, vielleicht hätte das vieles einfacher gemacht.

Vom Verlag wird das Buch ab 10 Jahren empfohlen, was ich auf keinen Fall unterstützen kann. Zwar wird keine Gewalt dargestellt und die Geschlechtsteile werden mit harmlosen Bezeichnungen tituliert, allerdings flucht die Protagonistin ganz gerne mal und auch sonst sollte man schon ein gewisses Weltenverständnis haben, um die ironischen Spitzen überhaupt als solche zu erkennen. Meine Empfehlung daher ab 12 Jahren, wenn nicht sogar noch älter.

Fazit

Leider war das nichts – in meinen Augen. Zum Glück habe ich nur ein paar Stunden für diese Lektüre aufgewendet, denn der Schluss (der eigentlich keiner ist, sondern alles offen hält) lässt mich total unbefriedigt zurück, mit der Protagonistin konnte ich so gar nichts anfangen und generell habe ich mich eher gefragt, warum man an das Thema nicht ernsthafter herangegangen ist, denn Potential war durchaus vorhanden – schade.

Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich

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