Der Wald der träumenden Geschichten

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2013, Titel: 'The Beginning Woods', Originalausgabe

Couch-Wertung:

6

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Ein sanftmütiges und gleichzeitig dunkles Märchen

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Mär 2015

Ein nacktes Baby liegt im Bücherregal. Niemand weiß, woher es kommt oder wer es dort zurück gelassen hat. Max wird es genannt und in einem Waisenhaus abgegeben. Doch Max ist nicht wie andere Babys. Er hat etwas an sich, etwas koboldartiges, das nicht zu einem unschuldigen Kind passen will. Schnell begreift er, dass ihn niemand abholen wird und er spinnt sich selbst eine glückliche Geschichte von seinen Eltern zusammen. Das Bild eines Heißluftballons stets im Blick, träumt er von seinen "Immerwährenden Eltern", die eines Tages zu ihm geflogen kommen.

Eines Tages nimmt doch ein Ehepaar den kleinen Max mit nach Hause. Sie schenken ihm alle Aufmerksamkeit und Liebe. Doch je älter Max wird, desto mehr weist er sie zurück. Er will seine wahren Eltern finden, weiß, dass es sie irgendwo da draußen gibt. Dann erfährt er, dass eine kleine Bibliothek ganz in seiner Nähe eröffnen wird. Wie von einem Magneten wird er von ihr angezogen und schon bald ist er in diesem merkwürdigen Haus, das scheinbar von einem polternden Unsichtbaren im ersten Stock bewohnt wird, Stammgast. Er findet wundervolle Bücher mit Märchen und Geschichten, die ihm allesamt so wahrhaftig vorkommen, dass er sich sicher ist, dass sie die Antworten auf seine drängenden Fragen beinhalten. Doch dem ist nicht so.
Die Menschen verschwinden. Sie sind einfach fort, hinterlassen nur ein Bündel Kleider, sonst nichts.

Während Max mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist, greift das Phänomen des "Verschwindens" um sich. Überall, in der ganzen Welt verschwinden plötzlich Menschen, einfach so, niemand kennt den Grund. Und auch kein noch so kluger Gelehrter kennt die Ursache, geschweige denn die Lösung für dieses Phänomen. Bis man sich eines Tages darauf einigt, dass alle Geschichten, alles, was mit der Kraft der Fantasie durchsetzt ist, verschwinden muss. Auch Max geliebte Bücher verschwinden.
Als Max von seinen unglücklichen Eltern fortläuft und eine mehr als merkwürdige Begegnung mit einer alten Dame hat, die von dem "alten Licht" spricht, nehmen die Ereignisse auf einmal einen ungeahnten Verlauf. Max findet einen Weg in eine Welt, die parallel zu unserer existiert und ganz und gar anders ist: Der Ursprung aller Geschichten, "Der Wald des Anfangs". In ihm gibt es Drachenfeuer, magische Wesen, uralte Zauber, bösartige Hexen. Max soll Drachenjäger werden – so seine Bestimmung. Der dunkle Mann namens Boris, der ihn begleitet, seit er zurückdenken kann, und Mrs. Jeffers, die alte Dame, die das elektrische Licht meidet, scheinen seine Aufgabe gut zu kennen. Nur Max ist sich da nicht sicher und wünscht sich doch nur eins, seine "immerwährenden" Eltern zu finden. Und während er sich mehr schlecht als recht durch sein größtes Abenteuer kämpft, verliebt er sich in ein totes Mädchen, das sich unter seinem Fingernagel verbirgt und mit ihm Zwiesprache hält – und das in ziemlichem Klartext. Das alles ist möglich im "Wald der träumenden Geschichten"...

Ein dunkles, geheimnisvolles Märchen mit einem komplexen Unterbau

Der weitgereiste Englischlehrer und Autor Malcom McNeill serviert mit seinem internationalen Debüt nicht nur weiteres Märchen mit Zauberern, Hexen und Drachen – weit gefehlt. Etwas Dunkles, beinahe Melancholisches schwingt in jeder Zeile mit, wird aber von seinen herzerfrischend-schrulligen Darstellern und seiner feinsinnigen Art, sie in groteske Situationen zu bringen, auf originelle Weise belebt. Seine Ideen sind frisch, sein Ton ist humorvoll-doppelbödig und in seiner Geschichte steckt ebenso viel Fantasie wie Poesie. So beginnt seine Geschichte schon mit einer Ungeheuerlichkeit, dem nackten Säugling im Bücherregal. Und ebenso geheimnisvoll geht es weiter, immer etwas locker und etwas neben der Realität und doch nicht ganz daneben. Die Reaktionen der Gesellschaft auf das "Verschwinden" sind so drastisch, wie man es kennt, wenn ein Phänomen nicht von der wissenschaftlichen Elite aufgeklärt werden kann und die Menschheit bedroht.

Max´ Kindheit scheint fast normal, doch McNeill lässt von Anfang keinen Zweifel, dass Max am falschen Ort ist. Mit den Schilderungen, wie Max bei seinen Eltern heranwächst, schwingt immer etwas Bedrückendes mit. Man fragt sich – bei aller Zuwendung – wie kann der Junge seine Eltern nur so ablehnen? Als sich dem vermeintlichen Waisenjungen die andere Welt, "Der Wald des Anfangs", offenbart, vermutet man sogleich, dass er seine Wurzeln dort finden wird. Ab diesem Punkt ändert sich die Geschichte und wird zunehmend komplexer. Es geht um Geschichten, die Max bereits gelesen hat, und die im Wald plötzlich zur Realität werden. Eine gar nicht schöne Realität noch dazu, findet Max schnell heraus. Es geht aber auch um jene Geschichten, die für einen bestimmten Menschen durch das Feuer der Drachen gebracht werden, das nur die Drachentöter in ihrem Feuer aufnehmen und schließlich niederschreiben können. Es geht um Zauberei, die die Welt erschaffen hat und zusammenhält, um uralte Wesen und jene Umstände, die die Zauberer nicht ganz "fehlerfrei" hinbekommen haben.

Malcolm McNeill scheint sich dabei ein wenig in den Nebengeschichten seiner fantastischen Welt zu verlieren, es passiert viel, so mancher Charakter tritt auf die Bühne, aber irgendwie fehlen die Melodie und der leichte Erzählstil des Anfangs. Bei den vielen Nebenschauplätzen, die die Welt um Max natürlich besser erklären sollen, verliert sich auch der/die Leser/in ein wenig. Was ist noch wirklich wichtig? Was steht im Zusammenhang? Was gehört zu Max Geschichte?

Es ist so viel hinter der Geschichte verborgen, die Trennung zwischen realer Welt und dem "Wald", die nur wenige überschreiten, die Macht der Geschichten, das vollkommen andere Konstrukt der fantastischen Welt, die durch Zauberei und nicht durch physikalische Gesetze zusammen gehalten werden, ihre Wesen und ihre Doppelmoral.... Vor allem der ambitionierte Erzählstil von Malcom McNeill hat mich an Die unendliche Geschichte von Michael Ende erinnert. Vieles, das so märchenhaft daher kommt, hat einen sehr komplexen Unterbau und bis zum Schluss kann man noch nicht ahnen, wie die Dinge tatsächlich zusammen hängen. Und wer Die unendliche Geschichte kennt, weiß, dass sie nicht gerade einfach geschrieben ist und durchaus anspruchsvoll ist. So auch das Debüt von Malcom McNeill.

Daher würde ich das vorliegende Buch eher als Jugendbuch einstufen – der Verlag empfiehlt Der Wald der träumenden Geschichten bereits ab 10 Jahren, aber ich denke, dass er junge Leser/innen ab 12 die vielen Details eher zu schätzen wissen werden und auch mehr Durchhaltevermögen haben werden. Hinzu kommt, dass das große Ganze, das die Zusammenhänge, Motive, Ereignisse ganz eindeutig erklärt, nicht ganz eindeutig aufgelöst wird. Das Ende scheint mir, im Gegensatz zu den vorangehenden sehr detailreichen Stationen der Geschichte, dann doch sehr knapp – und hält dabei so manche Frage offen, weshalb ich mir gut vorstellen kann, dass vielleicht noch ein weiterer Band erscheinen könnte.

Fazit

Ein sanftmütiges und gleichzeitig dunkles Märchen über den Zauber der Geschichten, das zwar außergewöhnlich aber auch anspruchsvoll ist.

Der Wald der träumenden Geschichten

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