Butter

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2012, Titel: 'Butter', Originalausgabe

Couch-Wertung:

8

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Felix Oepping
Packender Bericht aus dem echten Leben

Buch-Rezension von Felix Oepping Mär 2015

Butter ist dick. Sehr dick. Und dass er zudem noch unbeliebt, unsportlich, ein Außenseiter und nur von wenigen überhaupt wahrgenommen, geschweige denn gemocht ist; all das sind nur Folgen seines enormen Übergewichts. Online kann er wenigstens ein bisschen so tun, als würde sein Gewicht nicht sein ganzes Leben dominieren und diktieren. Eines Tages entschließt er sich, sein letztes Fressen live zu streamen und alle an seinem Selbstmord durch Fressen teilhaben zu lassen.

Butter hat alle Voraussetzungen, ein normales und behütetes Leben im Südwesten der USA zu führen: Er geht auf eine Highschool, fährt einen eigenen BMW, muss sich um Geld keine Sorgen machen und um seine Eltern auch nicht wirklich. Es gibt jedoch ein riesengroßes Problem, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Er ist selbst ein Riese. Und zwar in der Breite. Butter wiegt mit 16 Jahren über 400 Pfund, das sind über 180kg. Mit diesem Maß an Übergewicht kann er zwar noch einigermaßen am Leben teilhaben, aber auch nur in sehr geringem Maße und sein Übergewicht diktiert nicht nur sein soziales Leben. Es macht ihn zum Außenseiter. Bis auf die Freunde aus dem "Dicken-Camp", wie er es nennt, hat er keine Freunde. Beim Mittagessen sitzt er alleine. Allein, weil nur eine Bank bequem ist, und die steht nun einmal am Tisch hinten in der Ecke.

Flucht in Musik und ins Internet

In der Schule konzentriert er sich darauf, nicht mehr aufzufallen als ohnehin schon und danach möglichst schnell nach Hause zu kommen. Denn zuhause gibt es die Dinge, die ihm am meisten Freude bereiten: Essen, sein Saxofon und sein Computer mit der Möglichkeit, im Internet zu chatten. Essen ist offensichtlich eines seiner liebsten Hobbies, denn die Hoffnung auf einen nicht übergewichtigen Körper hat er schon längst aufgegeben – irgendwann, so zwischen 350 und 400 Pfund. Also frisst er, wonach ihm der Sinn steht und worauf er gerade Lust hat, und am besten vor allem viel davon. Sein Saxofon ist seine eigentliche Leidenschaft, aber selbst hier spielt sein Gewicht eine unangenehme Rolle: Butter kann nicht ewig stehen, muss sich beim Spielen häufig ausruhen und spielt am liebsten alleine und ohne Publikum. Nicht, dass er nicht gehört werden wollte, denn er spielt wirklich gut und hat enorm Spaß daran, aber Auftritte sind immer damit verbunden, auch gesehen zu werden. Und wenn Butter eins nicht mag, dann ist es, gesehen zu werden.

Neben der Musik hat Butter einen anderen Ausweg gefunden, wie er der ganzen Misere und dem Gefängnis, den sein Körper darstellt, entfliehen kann: Das Internet und die dort verfügbaren Chat-Räume. Ohne ein Bild von sich preisgeben zu müssen kann er sein, wer er sein möchte und mit seinem Charme und Witz beeindrucken.

Öffentlicher Selbstmord!?

In einem Einfall, der aus Wut, Hunger, Selbsthass und einer insgesamt aufgewühlten Situation entsteht, macht Butter einen Blog auf: ButtersLastMeal.com. In der Silvesternacht möchte er sich zu Tode fressen und die Welt soll live dabei sein. Mit der Art der Reaktion auf diese Ankündigung, von der er selbst nicht genau weiß, wie ernst sie gemeint ist, hat er jedoch nicht gerechnet...

Packender Bericht aus dem echten Leben

Butter ist ein wahrlich packender Bericht, der wie direkt aus dem Leben gegriffen wirkt. Die persönliche Perspektive von Butter inklusive seiner ganzen Verbitterung, seines Zynismus und Sarkasmus - und seines phasenweisen Selbstmitleids - kommen sehr gut rüber. Und so hat der Roman es geschafft, mich von der ersten Seite zu fesseln und bis zum Ende nicht mehr loszulassen. Erin Jade Lange gelingt es, die Sprache und den Stil eines 16 Jährigen perfekt einzufangen und schafft es, trotz der sehr schweren Themen (Übergewicht, geplanter Selbstmord) den erhobenen Zeigefinger nie auch nur aufblitzen zu lassen. Dadurch fühlte ich mich als Leser nie ermahnt, nie hatte ich das Gefühl, einen Ratgeber in Händen zu halten. Stattdessen wird deutlich, wie grausam Jugendliche sein können, obwohl sie es nicht so meinen, wie stark die Macht der eigenen Einstellung und Sicht auf die Dinge ist und wie scheinbar unwichtige Faktoren ein Leben komplett aus der Bahn werfen können. Ich bin der Ansicht, dass sich die Probleme, die sich bei Butter aus Übergewicht ergeben auch gut und gerne aus anderen Faktoren ergeben könnten und deshalb sollte sich ein potentieller Leser nicht von der unmittelbaren Thematik abschrecken lassen. Auch wenn für mich als Leser Übergewicht kein Thema ist, konnte ich mich in Butter sehr gut hineinversetzen. Dies gelingt der Autorin vor allem durch den ungeschönten und teilweise wirklich schonungslosen Blick und die gnadenlose Ehrlichkeit, die Butter sich selbst gegenüber manchmal walten lässt.

Nach dem enorm packenden Anfang flacht der Roman zwischendurch etwas ab und dreht sich etwas im Kreis. Wenn man die zugegeben nur kurzen Längen jedoch überwunden hat, kann man sich festhalten für ein Ende, das es in sich hat und auf der Grenze zum Kitsch balanciert, jedoch für meinen Begriff nicht fällt. Das Leseerlebnis war jedoch zu keinem Zeitpunkt ernsthaft getrübt, ich musste mich nie zum Weiterlesen zwingen, sondern eher zum Nicht-Weiterlesen. Der Roman ist mit knapp über 300 Seiten nicht zu kurz und nicht zu lang und kann von ambitionierten Lesern auch gut und gerne in wenigen Tagen verschlungen werden. Bei mir hat er keine zwei Tage überdauert, die sich jedoch absolut gelohnt haben.

Fazit

Butter ist ein enorm spannendes, sehr authentischer Roman und eine Empfehlung für alle Jugendlichen, egal ob sie selbst mit Ausgrenzung zu kämpfen haben oder nicht.

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