Heldentage

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Heyne, 2015, Originalausgabe

Couch-Wertung:

8

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Rita Dell'Agnese
Die ganze Last auf ihren Schultern

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2015

Mit 15 träumen die Mädchen von tollen Jungs und einem unbeschwerten Leben. Auch Lea träumt. Davon, genug Luft zum Atmen zu haben, schöne Schuhe zu besitzen – und sich mit gesundem Essen satt zu essen. Davon, dass ihre Mutter mit ihr hinaus an die Sonne geht und Lea einfach jung sein darf. Aber die Realität sieht anders aus. Die Mutter lebt in der abgedunkelten Wohnung, trinkt und surft im Internet. Lea muss für sie Nachschub besorgen. Sie hasst es, nach dem Ausweis gefragt zu werden und dann versuchen zu müssen, doch etwas zu bekommen. Und auch das Wissen, dass das ganze Geld, das sie bekommen, für Alkohol und Zigaretten drauf geht. Wäre da nicht Pola, Leas beste Freundin, würde Lea keine Kraft zum Leben mehr bleiben. Denn das Asthma, das sie fest umklammert hält, macht ihr zusätzlich zu schaffen. Und auch noch Lenny, der Lea auf eine demütigende Art sitzen ließ. Als Lea am Tiefpunkt ankommt, und sich nachts wünscht, einzuschlafen, ohne nochmals aufzuwachen, lädt Polas Mutter sie ein, mit ans Meer zu kommen, auf eine Finca. Aber Lea weiß, dass sie ihre Mutter nicht alleine lassen darf. Dass die ganze Last für die kranke Frau auf ihren Schultern liegt. Das droht sie zu erdrücken.

Welch düsteres Szenario hat sich Autorin Sabine Raml doch für ihren Roman „Heldentage" ausgesucht. Die Situation, in der Lea steckt, würde auch einer erwachsenen Person die Luft zum Leben wegnehmen. Leas Mutter schiebt, seit Ihr Mann sie verlassen hat und sich nach Ibiza absetzte, die ganze Verantwortung auf die Tochter ab, lässt sich gehen und hält sich einzig am Strohhalm fest, über das Internet ihre aus den Augen verlorene Freundin der Jugendtage wieder zu finden. Für die Sorgen der Tochter hat die Mutter nur in ganz wenigen wachen Momenten ein Ohr, doch Lea ist längst über den Punkt hinaus, an dem sie sich ihrer Mutter anvertrauen könnte. Der Teufelskreis, in dem sich die Beiden bewegen, ist heftig – und doch sehr realitätsnah. Sabine Raml zeigt eindrücklich auf, wie zerstörerisch Alkohol ist, wie er alle Beteiligten im Würgegriff hält. Dass Sabine Raml mit Pola einen absoluten Gegenpart setzt, ist an sich ein guter Schachzug. Doch greift hier die Autorin etwas zu tief in die Kiste mit dem Guten. Pola hat alles, was man sich nur wünschen kann – obwohl auch ihr Vater lieber auf einer warmen Mittelmeerinsel lebt, als bei der Familie. Polas Mutter hat sich aber, anders als Leas Mutter, arrangiert und ist für die Tochter da. Zudem ist genügend Geld vorhanden, um das Leben der kleinen Familie in jeder Beziehung angenehm zu machen. Dieser Gegensatz ist nicht stimmig, wirkt er doch etwas gar gestellt und vor allem den Träumen eines jungen Mädchens entsprungen.

Sehr gut gelungen ist Sabine Raml die Schilderung der Gefühle, die Lenny bei Lea verursacht. Er, der alles andere als sympathisch ist, überdeckt für einen Moment alles, was Lea sonst bewegt. Hier ist die Autorin sehr dicht an das Mädchen heran gegangen und zeigt Schritt für Schritt die Entwicklung auf, die ein verliebter Teenager durchmacht, wenn der andere sich abwendet. Die Bewältigung der Trennung ist eine so große Herausforderung für Lea, dass sie beinahe daran zerbricht. Dass Sabine Raml ihre Protagonistin trotz der vielen Probleme, mit denen sie konfrontiert ist, handeln lässt, wie ein Teenager, zeugt von schreiberischer Qualität. Leider nutzt die Autorin jedoch einige Stilmittel, die zwar gut gemeint sind, aber den Lesefluss etwas hemmen. So etwa die Auflistung all der Gedanken, die Lea umtreiben. Oder auch das konsequente Ausblenden der realen Begriffe. Von Alkohol ist nicht direkt die Rede, es sind Flaschenfreunde, die die Mutter braucht. Solche Begriffe hinterlassen einen etwas schalen Geschmack.

FAZIT

Sabine Raml greift ein wichtiges Thema auf und sie macht es gut. Sie dürfte allerdings, auch wenn sich der Jugendroman an Jugendliche bereits ab 14 wendet, deutlicher werden und die Schiene des allzu märchenhaften Guten – das zum Beispiel Polas Leben ausmacht – verlassen. Mit dieser Überzeichnung stört Sabine Raml das, was sie auf der anderen Seite als absolut starke Erzählung präsentiert.

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