Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Hanser, 2012, Titel: 'The fault in our stars', Originalausgabe

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7

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Rita Dell'Agnese
Das Bild stimmt nicht ganz

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2015

Hazel hat Krebs. Sie weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, bis die Krankheit über sie siegt. Trotzdem lässt sich Hazel nicht unterkriegen. Nach einer Zeit, in der sie sich von allen zurück zieht, braucht sie wieder Nähe zu anderen Menschen. Sie holt sich Kraft aus einer Selbsthilfegruppe, in der sie auch dem jungen Gus begegnet. Auch Gus kämpft mit der Krankheit. Er geht aber anders damit um, als Hazel. Die beiden jungen Menschen fühlen sich gegenseitig angezogen. Sie wissen, dass der andere sie versteht und dass sie über alles reden können, weil es keine Tabuthemen gibt. Gemeinsam träumen sie von einem anderen Leben und versuchen, ein möglichst „normales" Teenagerleben zu führen. Da erzählt Hazel Gus, dass sie davon träumt, den Autor ihres Lieblingsbuches zu treffen. Im Wissen darum, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt, dass sie aber auch nichts zu verlieren haben, reisen Hazel und Gus nach Amsterdam, um den Autor zu besuchen. Es ist eine Reise, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Gefühle für einander ganz anders auszuleben.

Es ist ein berührendes, ein schwieriges Thema, das der Autor John Green hier anspricht. Zwei junge Menschen, die dem Tod ins Auge blicken, entdecken ihren Lebenshunger. Ihre Begegnung ist für beide eine Offenbarung, denn sie finden im jeweils anderen eine Möglichkeit, über sich selber zu sprechen, ohne das Gegenüber in ein Gefühl von Mitleid oder Hilflosigkeit zu stürzen. Damit erleben sie auch ein Stück Normalität – das zeigt John Green ganz subtil auf. Sein Bestreben ist klar: Er erzählt eine Liebesgeschichte von Menschen, denen viele keine solchen Gefühle mehr zugestehen wollen. Denn was lohnt es sich, sich kurz vor dem Tod in emotionale Gedanken zu verlieren. Mit seinem Buch hält John Green ein Plädoyer für ein Ausleben von Gefühlen.

Also an sich ein wunderbarer Roman – wenn denn John Green nicht über einige durchaus entscheidende Details stolpern würde. Hazel und Gus sind wunderbare, junge Menschen. Aber sie benehmen sich leider nicht, wie diese jungen Menschen. Ihre Dialoge zeugen von wohlüberlegter Reife und sind für Jugendliche in ihrem Alter – selbst bei Jugendlichen, die durch das Schicksal zu einer frühen Reifung gezwungen sind – viel zu erwachsen. Weder Gus noch Hazel passen in das Bild, das man sich von einem Jugendlichen machen würde, der gegen Krebs kämpft. Der philosophische Ansatz, der immer wieder durchscheint und zuweilen schon ganz schön dominante Formen annimmt, will nicht so richtig passen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass John Green seine eigenen philosophischen Gedanken unterbringen wollte und deshalb die eigentliche Entwicklung von jungen Menschen im Alter von Hazel und Gus außer Acht lässt.

An sich ist die Zielgruppe des Buches für die Thematik schon verhältnismäßig tief angesetzt. Die starke philosophische Komponente, die eher dem Autor als den handelnden Figuren zugeschrieben werden kann, dürfte vor allem die jüngeren Leserinnen und Lesern nur beschränkt erreichen oder gar überzeugen. Dazu kommt, dass die beide Protagonisten sich in einer Altersgruppe bewegen, die dem Zielpublikum voraus ist. Durch die Verfilmung des Romans dürfte aber der Wunsch auch von jüngeren Leserinnen und Lesern, das Buch in Händen zu halten, grösser geworden sein – und durch die Altersempfehlung gibt es kaum Grund, das nicht gutzuheißen. Hier sollte sich der Verlag überlegen, ob er die Empfehlung nicht mindestens zwei Jahre hinauf setzen will.

FAZIT

John Green spricht ein wichtiges Thema an, mit dem sich auch jüngere Leserinnen und Leser auseinander setzen sollten. Er verpackt Krankheit und Tod in eine berührende Geschichte und es wird sich wohl kaum jemand der emotionellen Regung entziehen können, die der Roman spätestens gegen Ende hervor ruft. Doch ich finde, dem wohlverdienten Erfolg dieses Romans zum Trotz, John Greens Beststeller hat einige Schwächen, die nicht einfach so vom Tisch zu wischen sind.

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