Die Insel

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

Kaia verliert mit dem Tod ihres Bruders den Halt. Sie kann nicht verstehen, was passiert ist. Und auch nicht, dass sich ihre Mutter sich vom Leben abwendet, zu trinken beginnt und ihren Job verliert. Auf sich alleine gestellt versucht Kaia, mit der Situation fertig zu werden. Ihr Bruder, der immer mal wieder als Engel auftaucht, gibt ihr ein ganz kleines Bisschen Halt dabei. Es reicht aber nicht, um Kaia in den Alltag vor dem tragischen Tod zurückkehren zu lassen. In der Schule wird das Mädchen inzwischen als Freak verspottet, die Kinder wenden sich von ihr ab und hänseln sie. Selbst ihre beste Freundin will nichts mehr von Kaia wissen. Da kommt dieser neue Junge in die Schule. Es ist ein wilder, ein ungezähmter Junge. Niemand weiß, woher er kommt und was mit ihm war. Kaia freundet sich mit ihm an, obwohl der Junge niemals ein Wort spricht. Durch ihn lernt sie, ihren Weg zu gehen und bekommt wieder Boden unter den Füssen. Da passiert etwas Tragisches und alle müssen sich Gedanken darüber machen, wie sie in Zukunft mit dem Leben umgehen wollen.

Ein tragisches Thema, das Autor Tom Avery hier anspricht. Denn er zeigt die grenzenlose Einsamkeit auf, in der Kaia nach dem Tod ihres Bruders gefangen ist. Anstatt sich in der Not ihrer Tochter zuzuwenden, verliert sich die Mutter in ihrem eigenen Kummer und entgleitet nicht nur der Realität, sondern auch dem verstörten Mädchen. Kaia versucht auf ihre eigene Weise, mit dem Freitod ihres Bruders fertig zu werden, wobei sie auch die Schuldgefühle, die in einer solchen Situation oft entstehen, nicht ausblenden kann. Die Frage, weshalb ihr Bruder gegangen ist, steht im Raum. Die Flucht Kaias in ihre Phantasiewelt, in der ihr Bruder als Engel erscheint, ist eine logische Folge des Nichtverstehens. Ebenso die Hingabe an den unbekannten Jungen, der wie ein Schemen durch die Geschichte huscht. Denn spätestens nach ein paar kurzen Kapiteln ist klar, dass der Junge nicht zwingend physisch sein muss. Bis zum Schluss werden die jungen Leserinnen und Leser nicht ganz sicher sein können, ob es den Jungen tatsächlich gibt oder ob sich Kaia in ihrer seelischen Not in eine imaginäre Welt verzogen hat.

Jugendliche mit den Themenkreisen Freitod, Alkoholismus und Ausgrenzung zu konfrontieren, ist ein guter Gedanke. Es sind Themen, die unvermittelt auf einen jungen Menschen zukommen können und die er alleine kaum bewältigen kann. Kaia als Identifikationsfigur ist verhältnismäßig gut gewählt, wobei sie für die angestrebte Zielgruppe von 12 bis 15-jährigen doch sehr kindlich scheint. Hier wäre eine leichte Korrektur nötig gewesen, um die Aufarbeitung der Thematik und die Protagonistin optimaler aufeinander abzustimmen. Denn die Art, in der die Themenkreise behandelt werden, ist klar auf die beabsichtigte Zielgruppe zugeschnitten. Die Diskrepanz zwischen der Persönlichkeit von Kaia und der Handlung ist denn auch das Störende am Roman, das die ansonsten feinfühlige Geschichte negativ belastet.

Obwohl der fremde Junge zunächst wie ein Rettungsanker für Kaia scheint, stellt sich schnell heraus, dass die Freundschaft zu ihm das Mädchen noch stärker ausgrenzt. Erst nach und nach kommt der junge Leser zum Schluss, dass die Figur des Jungens zu schwammig ist, um real sein zu können. Doch just in dem Moment, in dem man glaubt, definitiv eine Fiktion vor sich zu haben, handelt der Junge auf eine Weise, die wieder Zweifel aufkommen lassen. Es wäre ein Gewinn für das Buch, würde der Autor Tom Avery zumindest zum Schluss deutlicher machen, wie er die Figur des fremden Jungens gemeint hat.

FAZIT

Ein berührender Themenkreis, eine suboptimale Aufarbeitung: Tom Avery geht einen gefährlichen Weg und tut dies nicht in allen Belangen überzeugend. Wohl hat er eine gute Hand, welche Gefühlsregungen er bei welchen Personen einsetzen muss, um das Zusammenspiel aller Komponenten nach einem so tragischen Ereignis aufzuzeigen. Trotzdem schwankt er in seiner Geschichte etwas zu stark hin und her. So bleibt das Buch zwar berührend und bewegend, doch so ganz stimmig ist die Geschichte nicht.

Couch-Wertung:

8

Leser-Wertung

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Felix Oepping
Backpackerinnentraum?

Buch-Rezension von Felix Oepping Feb 2015

Hannah und Nikki bekommen das perfekte Angebot: Aus Australien, wo sie versucht haben, sich mit Minijobs über Wasser zu halten, sollen sie auf einer Insel im Pazifik auf einer Perlen-Farm arbeiten. Natürlich nehmen sie das unschlagbare Angebot an, doch als sie die harte Arbeit in traumhafter Kulisse kennen lernen, müssen sie feststellen, dass doch nicht alles so perfekt ist wie es scheint. Und schon müssen sie sich fragen, was wirklich ist und was für ein Spiel überhaupt gespielt wird.

Die Insel fängt an wie ein typischer Roman für Mädchen: Hannah hat gerade ihr Abitur hinter sich und ist auf Weltreise. In Australien hat sie Nikki kennen gelernt, die vor allem shoppen, Kerle und Party im Kopf hat, Themen denen Hannah auch nicht abgeneigt ist, auch wenn sie nicht den unbändigen Enthusiasmus wie Nikki aufbringen kann. Als sie gerade finanziell kritisch dastehen und sich fragen, wie sie die nächsten Wochen ohne Job überstehen sollen (Dass Nikkis Kreditkarte gesperrt wurde hebt die Stimmung nicht unbedingt) macht ihnen Luke ein Angebot. Luke, der gutaussehende Surfer, der ihnen eine gut bezahlte Arbeit anbietet, in einer Umgebung, in der andere Menschen Urlaub machen: Auf einer Perlenfarm auf einer kleinen Insel im Pazifik. Hannah, die an Horrorgeschichten über Entführungen von Backpackerinnen in Australien denken muss, ist skeptisch, aber Lukes Charme, die Aussicht auf gute Bezahlung und das Prospekt mit Bildern von schneeweißen Sandstränden überzeugt erst Nikki und dann auch Hannah.

Als die beiden aufbrechen, müssen sie enttäuscht feststellen, dass Luke sie nur rekrutiert hat und sie nicht begleitet, aber als sie auf dem kristallklar blauen Wasser landen und mit dem Motorboot zur Insel fahren sind ihre Zweifel wie ausgelöscht. Es ist wie in den Prospekten, wenn nicht sogar noch schöner: Die Sonne scheint, das Wasser ist klar, der Strand weiß und die Hütten, in denen sie wohnen sollen zwar spartanisch aber ausreichend. Mit einer Gruppe von anderen Jugendlichen werden Hannah und Nikki eingewiesen. Ihre Arbeit ist nicht so schön wie das Umfeld, aber das Muscheln putzen, spülen und pflegen auf hoher See ist der Preis, den man für die freie Verpflegung, die regelmäßigen Mondschein-Partys am Strand und das ganze wohl zahlen muss.

Ist die Idylle nur Fassade?

Eine der wichtigsten Regeln für die Leute im Camp ist: Der Dschungel ist tabu! Warum genau fragt niemand, es ist eigentlich auch egal, denn der Strand ist schön genug und nach der härter als gedachten Arbeit fallen die meisten ohnehin müde ins Bett; natürlich erst nachdem sie am Strand den ein oder anderen Drink und mit den anderen Spaß hatten. Als Hannah sich eines Abends von der Gruppe entfernt, denkt sie über ihre Mutter nach, und den Spruch, den sie in ihrem Tagebuch gefunden hat: Mete bab ou alantrap. Sie weiß weder, was das bedeuten soll, noch welche Sprache das überhaupt ist, aber in ihrem Hostel stand es an der Wand der jungen Frau, die kurz vor ihrer Abreise überfahren wurde. Wie sie so in Gedanken dasitzt, lernt sie Aiden kennen, der sie direkt in seinen Bann zieht. Im Mondlicht und der Umgebung wirkt er wie von einem anderen Stern und Hannah verguckt sich innerhalb der ersten paar Minuten in ihn. Dann ist er plötzlich wieder weg und von den anderen hat ihn auch niemand gesehen. Mysteriös.

Als sich Hannah doch über das Verbot hinweg setzt und in den Dschungel geht, macht sie eine schockierende Entdeckung: Schwer bewaffnete Wachen und ein Bunker mit merkwürdig aussehenden, wahrscheinlich für Experimente benutzten Apparaturen. Und auf einmal scheint es nicht mehr nur eine Perlenfarm auf einer Insel im Pazifik zu sein, sondern ganz viel mehr. Ist es Schicksal? Ist dies die Insel, auf der schon ihre Mutter war und vor der sie Hannah gewarnt hat? Aber der Sand am Strand ist hier weiß und nicht schwarz. Die Fassade fängt an zu bröckeln und es stellt sich peu a peu heraus, dass die Insel noch sehr viel mehr birgt und das Unternehmen mehr als nur ein wenig Dreck am Stecken hat. Denn von der Insel weg zu kommen ist gar nicht so einfach, wie plötzlich allen klar wird.

Thriller mit Anlaufschwierigkeiten

Die Insel mutet in den ersten Kapiteln an wie ein Reise-Ferien-Mädchen-Roman und ist alles andere als von der ersten Seite an mitreißend. Die Spannung entwickelt sich langsam, steigert sich im Laufe des Buches aber immer wieder und immer mehr und insgesamt handelt es sich um einen sehr spannenden Thriller. Die Handlung ist wenig voraussehbar, die Verwirrung der Charaktere überträgt sich durch den geschickten Umgang mit Sprache und Layout-Raffinessen auf den Leser. Und so wird „Die Insel" zu einer Achterbahn der Gefühle und der Leser muss sich ebenso wie Hannah ständig fragen, was eigentlich noch wirklich, was Traum ist oder ob man nicht doch schon in der Hölle oder im Himmel ist. Die Vermutung von Hannah, sie sei gestorben und befände sich in der Hölle, ist vielleicht etwas dick aufgetragen von der Autorin, aber im Kontext absolut plausibel und nicht so absurd, wie sich das jetzt anhören mag.

Fazit

Mir hat der Thriller anfänglich nicht so gut gefallen, jedoch mit jeder weiteren Seite konnte ich mich dem Sog der Spannung weniger entziehen. Die letzten Kapitel haben mich dann bis spät in die Nacht wach gehalten. Die Insel ist eine Empfehlung für alle ab 14!

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