Die Seiten der Welt

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

Lily in Arkansas ist kein Ort, an dem man als Teenager leben möchte. Und Cullen Witters hält es auch nur aus, weil er seinen Bruder Gabriel und seinen besten Freund Lucas hat, mit dem er Burger essen und ins Kino gehen kann. Und dieser Gabriel ist auf einmal verschwunden und Lily gerät in den Fokus der Öffentlichkeit, wegen eines vielleicht wieder aufgetauchten seltenen Vogels. Kurz: Alles wird auf den Kopf gestellt und was gestern noch gut und normal war, ist heute schon falsch und unnormal. Und das merken irgendwie alle.

Cullen Witters ist 17, durchschnittlich in jeder Hinsicht, und hat einen ziemlich zynischen Blick auf die Welt. Diese Welt beschränkt sich im groben auf Lily, das kleine Kaff im Nirgendwo, wo er wohnt, und seine engsten Freunde. Da ist zu allererst Gabriel, sein zwei Jahre jüngerer, aber in allem komplett gleichwertiger Bruder. Und sein bester Freund Lucas, bei dem sich Cullen immer wieder fragt, warum der überhaupt sein Freund ist, wo Lucas ihn doch immer nur rumfährt, ihm hilft und alles für ihn tut, selbst aber nie Hilfe (von Cullen oder irgendwem) braucht. Und da wäre Lucas Freundin Mena, die Cullen eigentlich zu laut und aufgedreht ist, die er jedoch immer mehr zu schätzen lernt. Und wenn aus diesem Gerüst nun eine, wenn nicht gar die wichtigste Stütze wegbricht, ja dann fällt man irgendwie ins Nichts...

Cullen Witters ist als personaler Erzähler sehr beeindruckend, er vermag es, den Leser direkt in die Geschichte hinein zu saugen. Vor allem seine Tagträume sind in ihrer Eindrücklichkeit mindestens ebenso wichtig, was das was "wirklich" passiert. Denn wenn er so dasitzt im Hier könnte es auch das Ende der Welt sein und er vergisst alles um sich herum: Cullens Freund fallen plötzlich die Augen aus und er bewegt sich mit wankenden Zombieschritten auf ihn zu, dann stellt man sich das als Leser mindestens so bildlich vor, wie vorher das Gespräch mit den Eltern, das man selbst sicher schon mal so ähnlich geführt hat. Und man fragt sich, wo der Tagtraum eigentlich angefangen hat und ob das überhaupt wichtig ist, denn ist es nicht alles ein absurder Traum, was wir erleben und wir versuchen nur, ihm Sinn zuzuschreiben, der gar nicht da ist?

Sprachlich eine echte Perle

Wer beim obigen Absatz noch mitkam, der sollte sich unbedingt von Cullen Witters auf eine ganz ähnlich formulierte, aber viel spannendere und sprachlich besondere Reise mitnehmen lassen und Hier könnte das Ende der Welt sein lesen! Mal sehr traurig, mal absolut langweilig, mal absurd komisch und doch immer faszinierend, hatte mich dieser Roman direkt auf den ersten Seiten gefesselt und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Und selbst nach den 216 verschlungenen Seiten bin ich ebenso ratlos wie vor und während dem Lesen. Finde das aber super!

Fazit

Ich bin sehr froh, Cullen Witters und die anderen Charaktere kennengelernt zu haben! Das ideale Buch für verregnete Spätsommertage/Herbsttage, die nachdenklich stimmen, und an denen man eh zum Träumen neigt. Eine Empfehlung!

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
Ode an die Welt der Bücher

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Sep 2014

Bücher sind für manch Einen das Leben. Der Geruch eines neuen Buches ist etwas Einzigartiges, das Geräusch, mit dem sich geschnittenen Seiten das erste Mal voneinander trennen hat einen sinnlichen Charakter, das haptische Empfinden eines Buches ist mit nichts anderem zu vergleichen.

Doch auf den Inhalt kommt es an, wenn man tief in eine Handlung eintaucht, wird man verzaubert, vergisst alle Sorgen und Nöte erhält Trost und neue Kraft.

Was aber, wenn dies nicht alles wäre, wenn es Menschen geben würde, die aus Büchern noch weit mehr, andere, magisch anmutende Kräfte ziehen, ja, wenn es ganze Städte geben würde, in denen sich nur Antiquariate und Buchhandlungen aneinanderreihen, in denen gar jedes Buch vorrätig gehalten würde?

Das alles gibt es wirklich, nämlich in Kai Meyers neuestem Roman. Extra für das Werk haben sich Verlag und Verfasser zusammengesetzt, überlegt, wie das perfekte Buch aussehen könnte, wie das Vorsatzpapier, das Lesezeichen und der Umschlag gestaltet werden sollten – und sie haben ein Aufsehen erregendes Werk geschaffen!

Da wurde mit viel Liebe zum Detail und Herzblut gearbeitet, wurden Entwürfe gewälzt und verworfen, bis man das vermeintlich beste Ergebnis hatte. Dann geht es hinein, in den Roman.

Wir begegnen der knapp 16-jährigen Furia Salamandra Faerfax. Eigentlich heißt sie, ihr Bruder und Vater ja Rosenkreutz, aber auf der Flucht vor der Adamitischen Akademie die ihre Familie seit dem 19. Jahrhundert verfolgt und beinahe ausgerottet hat, haben sie sich und ihre Bibliothek in England versteckt.

Ihr Vater und sie gehören zu den Bibliomanten, Menschen, die aus Büchern Kraft schöpfen können, wobei Schöpfen durchaus wörtlich zu nehmen ist. Einst, in grauer Vorzeit, so weiß es die Überlieferung zu verkünden, gab es eine erste Bibliomathin die die Welt der Bibliomanten schuf. Später entwarf und stelle der legendäre Severin, dessen Kräfte die all seiner Kollegen weit übertraf, die Leeren Bücher her, die die Schöpfung der Bibliomanten entschaffen sollten – so dies denn eines Tages nötig sein würde.

Nachdem sich die fünf herrschenden Familien entzweiten und zwei der Stämme, unter ihnen die Rosenkreutz´ Sippe einem Genozid zum Opfer fielen, verstecken sich die letzten der Rosenkreutz Familie zusammen mit ihren Büchern in England.

Immer im Verborgenen agierend, versucht Furias Vater mit ihrer Hilfe die auf der ganzen Welt versteckten Leeren Bücher seines Vorfahren zu finden und ihrer Macht zu berauben. Bei einem der Streifzüge kommt es zur Katastrophe. Furias Vater wird erschossen, kurz danach wird ihr Heim von einer Attentäterin und ihren Kavalieren eingenommen, ihr Bruder als Geisel festgesetzt.

Warum sowohl die Akademie als auch die Attentäterin Furia hetzt, ahnt das Mädchen da noch nicht. Ihre Flucht führt sie nach Libropolis, dem neben London gelegenen bibliomatischen Refugium.

Hier lernt sie nicht nur die Rebellen der aus den Büchern gefallenen Exlibri kennen, sondern findet auch ihr eigenes Seelenbuch, das ihre Kräfte erst weckt. Und sie entdeckt, dass der Junge mit dem sie über ein Buch und die zeitliche Distanz von 200 Jahren in Verbindung ist, und der ein wenig in sie verliebt zu sein scheint niemand anderer ist, als Severin.

Dann eskalieren die Ereignisse – die Akademie schickt Militär nach Libropolis, die Rebellen greifen zu den Waffen und Furia macht sich, unterstützt von einer ehemaligen Agentin der Akademie auf, ihren Bruder zu befreien ...

Anspruch verbindet sich mit einem Schmöker bester Sorte

Ein neuer Kai Meyer ist immer ein Ereignis, das Leser wie Buchhändler begeistert. Seine Bücher verkaufen sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, überzeugen durch eine Mischung, wie man sie sonst vergebens sucht. Nicht nur eine ganz eigene Phantasie offenbart sich in seinen Romanen, der Autor weiß darüber hinaus nicht nur überaus fesselnd zu faszinieren, sondern gibt seinen Büchern immer auch nachdenkenswerte Anstöße mit auf den Weg.

Vorliegend präsentiert er uns eine Ode an das Medium Buch. Man spürt förmlich in und zwischen den Zeilen, dass hier ein Liebhaber bibliophiler Schätze seine Obsession als Inspiration genutzt hat.

Geschickt baut er die Handlung rund um seine Protagonistin auf. Die junge Furia erweist sich dabei als ideales Medium uns die Welt der Bücher nahezubringen. Durch ihre neugierigen, so manches Mal ängstlichen, dann wieder mutig blitzenden Augen tauchen wir in die Handlung ein, die sich nicht nur sehr überraschend und packend anlässt, sondern auch einige Gewaltschilderungen für den Rezipienten bereit hält. Da wird das Genick gebrochen, Menschen bei lebendigem Leib verbrannt, und in die Luft gesprengt. Das ist gerade für ein Jugendbuch ungewöhnlich, angesichts der in Games oder DVDs herrschenden Zustände aber eher gemäßigt und wohl-dosiert eingesetzt.

Verbunden hat Meyer seine rasante Handlung einmal mehr mit tiefschürfenden Überlegungen. Es geht um die Zulässigkeit von gewaltsamen Rebellionen gegen ein totalitäres System, um die Suche nach den eigenen Wurzeln, um Freundschaft, Vertrauen und Liebe. Dabei wirken diese gehaltvollen Überlegungen nie aufgesetzt, sondern sind unauffälliger, integraler Bestandteil der Handlung. Gerade weil sich die jugendlichen Protagonisten mit Gewalt und Unterdrückung auseinandersetzen müssen, werden sie gezwungen, sich über die moralischen Aspekte ihres Tuns, aber auch dem ihrer Unterdrücker auseinanderzusetzen. Hinzu kommt, dass sie, verfolgt und bedroht, natürlich im Zusammenhalt und ihrer Freundschaft Halt und Stärke suchen und finden. Gerade dieser Aspekt, die Bedrohung von außen, die dazu führt, dass sie näher zueinander finden, hat der Autor sehr zurückhaltend aber gleichzeitig glaubwürdig in seinen Text eingearbeitet.

Daneben beschäftigt er sich mit der Frage, ob es legitim ist, um gegen ein totalitäres Unrechts-Regime aufzubegehren zur Gewalt zu greifen. Gerade bei nach wie vor überall um sich greifendem Extremismus und Terroranschlägen ist dies ein heißes Eisen, das Meyer hier anpackt. Er gibt seinen Leser hier eher einen Denkanstoß, ohne ihnen im Text eine fertige Lösung zu präsentieren.

Der Plot selbst wird von der Liebe zum Medium Buch geprägt. Hier, in der Beschreibung der alt-ehrwürdigen Bibliotheken, der Buchhandlungen, Antiquariate und Buchbinder dokumentiert sich das Faible Mayers zum Buch, mit dem und durch das er seinen Lebensunterhalt verdient.

Fazit

So ist dieses Buch eine spannende, kurzweilige und packende Liebeserklärung an die Welt des bedruckten Papiers, stilistisch wie inhaltlich auf hohem Niveau und ein echter Schmöker im besten Sinne.

Die Seiten der Welt

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