Hier könnte das Ende der Welt sein

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Hanser, 2011, Titel: 'Where Things Come Back', Originalausgabe

Couch-Wertung:

9
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Felix Oepping
Traumreisen am helllichten Tag als Ausweg aus der Verzweiflung

Buch-Rezension von Felix Oepping Sep 2014

Lily in Arkansas ist kein Ort, an dem man als Teenager leben möchte. Und Cullen Witters hält es auch nur aus, weil er seinen Bruder Gabriel und seinen besten Freund Lucas hat, mit dem er Burger essen und ins Kino gehen kann. Und dieser Gabriel ist auf einmal verschwunden und Lily gerät in den Fokus der Öffentlichkeit, wegen eines vielleicht wieder aufgetauchten seltenen Vogels. Kurz: Alles wird auf den Kopf gestellt und was gestern noch gut und normal war, ist heute schon falsch und unnormal. Und das merken irgendwie alle.

Cullen Witters ist 17, durchschnittlich in jeder Hinsicht, und hat einen ziemlich zynischen Blick auf die Welt. Diese Welt beschränkt sich im groben auf Lily, das kleine Kaff im Nirgendwo, wo er wohnt, und seine engsten Freunde. Da ist zu allererst Gabriel, sein zwei Jahre jüngerer, aber in allem komplett gleichwertiger Bruder. Und sein bester Freund Lucas, bei dem sich Cullen immer wieder fragt, warum der überhaupt sein Freund ist, wo Lucas ihn doch immer nur rumfährt, ihm hilft und alles für ihn tut, selbst aber nie Hilfe (von Cullen oder irgendwem) braucht. Und da wäre Lucas Freundin Mena, die Cullen eigentlich zu laut und aufgedreht ist, die er jedoch immer mehr zu schätzen lernt. Und wenn aus diesem Gerüst nun eine, wenn nicht gar die wichtigste Stütze wegbricht, ja dann fällt man irgendwie ins Nichts...

Cullen Witters ist als personaler Erzähler sehr beeindruckend, er vermag es, den Leser direkt in die Geschichte hinein zu saugen. Vor allem seine Tagträume sind in ihrer Eindrücklichkeit mindestens ebenso wichtig, was das was "wirklich" passiert. Denn wenn er so dasitzt im Hier könnte es auch das Ende der Welt sein und er vergisst alles um sich herum: Cullens Freund fallen plötzlich die Augen aus und er bewegt sich mit wankenden Zombieschritten auf ihn zu, dann stellt man sich das als Leser mindestens so bildlich vor, wie vorher das Gespräch mit den Eltern, das man selbst sicher schon mal so ähnlich geführt hat. Und man fragt sich, wo der Tagtraum eigentlich angefangen hat und ob das überhaupt wichtig ist, denn ist es nicht alles ein absurder Traum, was wir erleben und wir versuchen nur, ihm Sinn zuzuschreiben, der gar nicht da ist?

Sprachlich eine echte Perle

Wer beim obigen Absatz noch mitkam, der sollte sich unbedingt von Cullen Witters auf eine ganz ähnlich formulierte, aber viel spannendere und sprachlich besondere Reise mitnehmen lassen und Hier könnte das Ende der Welt sein lesen! Mal sehr traurig, mal absolut langweilig, mal absurd komisch und doch immer faszinierend, hatte mich dieser Roman direkt auf den ersten Seiten gefesselt und bis zum Ende nicht mehr los gelassen. Und selbst nach den 216 verschlungenen Seiten bin ich ebenso ratlos wie vor und während dem Lesen. Finde das aber super!

Fazit

Ich bin sehr froh, Cullen Witters und die anderen Charaktere kennengelernt zu haben! Das ideale Buch für verregnete Spätsommertage/Herbsttage, die nachdenklich stimmen, und an denen man eh zum Träumen neigt. Eine Empfehlung!

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