Dark Heroine - Dinner mit einem Vampir

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • IVI, 2012, Titel: 'The Dark Heroine. Dinner With a Vampire', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7
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Carsten Kuhr
Die Tochter aus guten Haus und die Vampire – eine tragischen Love-Story?

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Jun 2014

Mit siebzehn Jahren hat man noch Träume, so der Titel eines alten Schlagers von Peggy March. Violet Lee ist süße 17 Lenze alt und will endlich einmal aus dem behüteten Heim ausbrechen, einen auf Party machen, das Elend, das über ihre Familie hereingebrochen ist vergessen. Dass ihr Bruder gestorben ist, dass ihre jüngere Schwester an Krebs erkrankt ist, ihr Vater, der Verteidigungsminister von Großbritannien, nie Zeit für sie hat, das alles soll wenigstens für eine Nacht einmal in den Hintergrund treten.

Als sie sich dann, den Bodyguards entronnen mitten in der Nacht auf dem Trafalgar Square wiederfindet, ist ihr dann doch ein wenig mulmig. War da nicht eine Bewegung, zu schnell um sie wirklich zu sehen, die sie aus dem Augenwinkel wahrgenommen haben will? Oder meldet sich ihr schlechtes Gewissen, die Angst vor der Nacht und dem Alleinsein?

Als sich rund 30 in lange Mäntel gekleidete Männer um die Säule sammeln, bekommt sie so richtig Angst – sie versteckt sich im Gebüsch und muss mitansehen, wie die fast 3 Dutzend Männer von einigen Jünglingen grausam gemeuchelt werden. Violet traut ihren Augen kaum, reißen die Angreifer ihren Opfern doch mit den Zähnen die Gurgel heraus, trinken ihr Blut. Als Zeugin der Tat können die Vampire – und um solche handelt es sich – sie natürlich unmöglich weiter leben lassen. Statt sie aber auch umzubringen, und sich an ihrem roten Lebenssaft zu laben, nehmen sie die Tochter ihres größten Widersachers gefangen und entführen sie auf den hoch-herrschaftlichen Landsitz der Varns.

Hier lernt sie nicht nur den König der Vampire sowie den ältesten, auf Erden wandelnden Bluttrinker kennen, sondern auch Prinz Kaspar, Thronerbe und ein ebenso unverschämter wie charismatischer Beau.

Nach und nach offenbart sich Violet die Geschichte der Vampire, ihre Bündnisse, Überlieferungen und Tragödien. Und sie muss erkennen, dass ihr eigener Vater nicht nur von der Existenz der Bluttrinker weiß, sondern sie in der Vergangenheit aktiv bekämpft und schwer getroffen hat.

Sie selbst wird angefallen, fast vergewaltigt und, um ihr Leben zu retten, zum Dhampir gemacht. Dass sie eine besondere Beziehung zu den Varns hat, dass sie gar in einer Prophezeiung eine Rolle spielt, will sie nicht wahrhaben – müsste sie dann doch akzeptieren, zu einer der Vampire gewandelt zu werden – und damit alles zu verlieren, was ihr bislang wichtig war ....

Gewohnter Plot der durch eine sehr intensive Sichtweise besticht

Abigail Gibbs hat ihren ersten Roman zunächst im Internet veröffentlicht. Mehr als 17 Millionen Mal wurde das Manuskript aufgerufen, begeisterte Zuschriften ihrer Leser häuften sich, so dass einer der Großverlage zugriff und das Buch im Print publizierte.

Inhaltlich präsentiert sie uns eine inzwischen leidlich bekannte Situation.
Verborgen vor den meisten Menschen existieren die Vampire seit Jahrtausenden neben der Menschheit, ernähren sich vom Blut ihrer Opfer und wandeln ab und an besondere Menschen zu ihresgleichen. Dabei können sie in der Sonne wandeln, Weihwasser und das Kruzifix schaden ihnen ebenso wenig wie fließendes Wasser oder die Bibel. Ein junges Mädchen aus begüterten Verhältnissen an der Grenze zur Frau lernt diese Welt kennen, verliebt sich in einen der Anführer und muss sich entscheiden, welcher Welt sie zukünftig angehören will.

Soweit, sehr vereinfacht, das Grundthema des Buches.

Was das Werk nun aus der Vielzahl der monatlich veröffentlichten Vampir-Romancies hervorhebt, das ist die Art und Weise, wie Gibbs ihre Geschichte erzählt.

Zunächst schafft sie über ihre Ich-Erzählerin viel Nähe zur Protagonistin. Wir als Leser können uns mühelos mit der Hauptperson identifizieren, verfolgen aus der Innenschau mit, wie sie an ihren Überzeugungen zu zweifeln beginnt, wie sie ihre Einstellung hinterfragt, von einem Gefühlssturm heimgesucht wird. Immer wieder einmal wechselt die Perspektive hin zu Kaspar, der seine liebe Mühe hat, den Wildspund, der da plötzlich und unerwartet in sein untotes Leben gestolpert ist, einzuordnen – von seinen chaotischen, lange negierten Gefühlen gar nicht zu sprechen. Dass die beiden aneinander gebunden sind, dass das Schicksal ihnen kaum eine eigene Wahl lässt, fügt dem Plot eine Dimension der dramatischen Vorherbestimmung hinzu – Fortsetzung folgt im Oktober 2014.

Fazit

Das ist ideales Lesefutter für eine weibliche Zielgruppe ab 14 Jahren, verbindet Romantik mit einer spannenden Handlung und einer faszinierend anderen Vampirgesellschaft.

Dark Heroine - Dinner mit einem Vampir

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