Lauf, Junge, lauf

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

Filippa ist 18, hat gerade in Schweden das Abitur gemacht und zieht nach London, um hoffentlich an der Royal Drama School Schauspiel zu studieren. Dafür muss sie aber diesen sehr begehrten Platz erst noch bekommen und bis auf die erste Woche hat sie auch noch keine Unterkunft. Diese Unterkunft stellt sich nicht als das dar, was sie sich vorgestellt hat und auch sonst muss Filippa feststellen, dass London voller Überraschungen steckt und nicht immer das bereithält, was sie sich ausgemalt hat.

Filippa reist aus Schweden als 18-jährige drei Tage nach dem Abitur nach London. Sie hat sich ein Zimmer gemietet, oder vielmehr ein Bett in dem Zimmer, das sie zusammen mit Louise bewohnt. Und eigentlich ist es auch nur eine Luftmatratze. Sie zieht um in einer 3er-WG und arbeitet als Bureau Angel (nach unzähligen Rückschlägen und Absagen) unter der schlimmsten vorstellbaren Chefin. Dieses Schema zieht sich durch ihre gesamte Zeit in London: Den einen Tag läuft alles bestens und sie ist überglücklich, in dieser aufregenden Stadt zu leben und am nächsten Tag ist sie zu Tode betrübt, stellt alles in Frage und möchte am liebsten wieder zurück nach Hause.

Dass ihre Wohnung den merkwürdigsten Vermieter hat, den man sich vorstellen kann und dass sie zwar denkt, einen coolen Boyfriend zu haben, der aber nichts davon weiß, macht die ganze Sache nicht einfacher. Aber zum Glück gibt es doch noch gute Zufälle und ihre Mitbewohnerinnen stehen ihr zur Seite.

Der Traum des Studiums an der Royal Drama School lebt natürlich immer weiter. Kurzweilig wird in Mind the Gap das alltägliche Leben mit all seinen Problemen und Höhen und Tiefen eines Mädchens erzählt, das auszieht aus der schwedischen Provinz um das große London zu erobern. Dass London davon weder weiß, noch diesem Vorhaben entgegen kommt sorgt für einige schwierige und auch spannende Situationen.

Die Erzählperspektive ist zwar auf Filippa konzentriert, jedoch in der dritten Person. Viel Dialog und einige Einsichten in Filippas Innenleben machen es dem Leser ab 16 Jahren leicht, sich in sie hinein zu versetzen. Die Probleme, denen sie begegnet, wird jeder Teenager kennen und ihnen so oder so ähnlich schon gegenüber gestanden haben.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, er ist sehr kurzweilig und das Setting gefällt mir als London-Fan gleich doppelt: Die Stadt in all seinen Zufällen wird toll dargestellt und obwohl aus der Sicht eines Mädchens erzählt, konnte ich mich gut in die Geschichte hinein versetzen und hatte ein tolles Leseerlebnis.

Fazit

Ein sehr kurzweiliger Roman für jede(n), die schon immer mal von dem Leben in einer Großstadt geträumt hat und die plant, auf eigene Faust auszuziehen und die Welt zu erobern. Dieses Buch macht Lust darauf und ist dabei auch noch voller spannender und skurriler Geschichten, die mal zum lauten Lachen und dann wieder zum betrübt sein anregen. Insgesamt eine super Lektüre für den Weg in den Urlaub und für alle daheim Gebliebenen!

Couch-Wertung:

9

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Rita Dell'Agnese
Ergreifender Überlebenskampf eines jüdischen Jungen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jun 2014

Bücher über die Gräuel des zweiten Weltkriegs gibt es viele. Auch Bücher, welche die Judenverfolgung thematisieren. So ist es schwierig, einen weiteren Roman zu diesem Thema vorzulegen, der nicht den Eindruck erweckt, man kenne die Geschichte längst. Autor Uri Orlev hat das geschafft. Lauf, Junge, lauf ist ein ergreifendes und berührendes Buch. Es geht darin um den neunjährigen Srulik, der mit seiner Familie im Warschauer Ghetto lebt. Als die Deportation der Juden beginnt, will die Familie fliehen. In den Wirren verliert Srulik den Kontakt und ist plötzlich auf sich alleine gestellt. Die Worte seines Vaters im Ohr, schlägt sich der Junge in die Wälder. Um sich nicht als Jude zu erkennen zu geben, nennt sich Srulik nun Jurek. Er trifft auf eine Gruppe von Jungen, die sich ebenfalls im Wald verstecken, um den Nazis zu entgehen. Sie zeigen Jurek, wie er sich durchschlagen kann. Nach und nach gewinnt er an Sicherheit. Als er auch bei einer weiteren Flucht auch den Kontakt zu den Jungen verliert, versucht er, sich in den Dörfern als Hütejunge durchzuschlagen. Immer wieder aber wird er verraten und muss weiter ziehen. Sein Überlebenswille wird auf eine harte Probe gestellt.

Uri Orlev ist ein erstaunlich vielschichtiger Roman gelungen. Er erzählt sehr konsequent die Geschichte von Srulik, ohne sich in Nebengeschichten zu verlieren. Damit hat er großen Spielraum, Sruliks Schicksal zu beleuchten. Er erzählt nicht nur von Verfolgung und Verrat, er erzählt auch von Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Freundschaft. Dabei macht Orlev etwas, das nur wenige Autoren tun: Er bezieht in die Geschichte auch die polnische Bevölkerung ein und zeigt auf, dass es auch da viele Schattierungen gab. Waren die Einen bereit, dem Flüchtling bedingungslos zu helfen, zögerten andere, weil sie sich vor den Konsequenzen fürchteten. Eine weitere Gruppe von Leuten arbeitete den Nazis gar in die Hand und denunzierte sowohl den Flüchtling, als auch die Familie, die ihm Obdach gab. Diese unterschiedliche Haltung kommt sehr eindrücklich zum Zuge und macht den Roman dadurch besonders authentisch.

Mit seinem Buch richtet sich der Autor an ein Zielpublikum von 12 bis 15 Jahren. Leider passt die sprachliche Ausarbeitung der Romans nicht ganz zur Zielgruppe. Orlev bedient sich einer sehr einfachen Erzählweise, die an sich besser zu einem jüngeren Publikum passen würde. Der Inhalt wiederum ist gut auf die Zielgruppe zugeschnitten. Der Autor beschönigt nicht, gefällt sich aber auch nicht darin, besonders blutrünstig zu erzählen. Vielmehr setzt er auf Bilder, die gut verkraftet werden können, aber genau deshalb auch sehr eindrücklich sind. Ob es nun um die Gefahrensituationen geht oder um den Wunsch des flüchtenden Jungen, sich irgendwo zugehörig zu fühlen – es sind bekannte Gefühle, die hier beschrieben werden.

Srulik ist eine Figur, die schon nach kurzer Zeit die Herzen der Leser für sich gewinnt. Der Junge ist das, was er ist, ein kleiner Junge, der plötzlich aus seiner Welt gerissen ist und versuchen muss, in einer feindlichen Gesellschaft zu bestehen. Seine Wurzeln kommen ihm dabei zugute: Die Liebe seiner Eltern und das Familienleben, mit dem er die ersten Jahre aufgewachsen ist, erweisen sich als tragfähige Basis im Überlebenskampf.

Das Buch zum Film – Lauf, Junge, lauf ist verfilmt worden – bietet nicht nur den Roman, sondern auch noch einige Bilder aus dem Film. Einzig störendes Detail ist, dass der Junge im Buch ganz anders beschrieben wird, als er auf den Fotos zu sehen ist. Hier hätte eine Angleichung stattfinden sollen, zumal es sich ja ausschließlich auf Äußerlichkeiten bezieht. Doch dem aufmerksamen Leser dürfte dies ein kleiner Wermutstropfen sein.

Fazit

Auch viele Jahre nach den Geschehnissen ist die Geschichte von Srulik ein eindrückliches und bedrückendes Zeitdokument, das den heutigen Generationen ein schreckliches Kapitel der jüngeren Geschichte Europas offenbart und sie dafür sensibilisiert.

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