Phantasmen

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

A ist ein ganz besonderer Mensch. Ohne eigenen Körper wacht A jeden Morgen im Körper eines anderen auf und erlebt den Tag dieser Person. Dabei kann A auf Erinnerungen des Körpers zugreifen und schafft es seit mittlerweile 16 Jahren, Tag für Tag unauffällig das Leben des Körpers weiter zu leben. Das ist auch As oberste Devise: Nicht auffallen und sich nicht in das Leben der Person einmischen. Das klappt auch ganz gut bis er sich eines Tages verliebt und diese Liebe all seine Prinzipien auf den Kopf zu stellen droht.

David Levithan präsentiert in seinem Roman ein unheimliches Szenario: Ohne eigenen Körper jeden Tag aufs neue das Leben eines fremden Menschen zu kapern und am nächsten Tag schon wieder weg und im Körper eines anderen zu sein. Doch A hat sich damit abgefunden und in seinem ganz besonderen Leben eingerichtet. Der Wechsel der Körper passiert immer nur unter gleich Altrigen und auch ungefähr in der gleichen Gegend. A kann sich also sicher sein, am nächsten Morgen im Körper eines 16jährigen Jungen oder Mädchen aufzuwachen.
Eines Tages wacht er in Justins Körper auf und lernt dessen Freundin Rihannon kennen. A spielt nicht nur seine Rolle als Justin, sondern gibt sich ernsthaft Mühe, einen schönen Tag mit ihr zu verbringen. Dabei verhält A sich für Justin untypisch, was A aber in dem Moment egal ist und so verliebt sich A in Rihannon.

Der Wunsch, Rihannon wiederzusehen ist so stark, dass A als Amy drei Tage später zu Rihannons Schule fährt und sich als neue Schülerin ausgibt um den Tag mit ihr verbringen zu können. Dabei erkennt A, wie liebevoll Rihannon selbst zu Fremden ist und verliebt sich endgültig in sie.

Doch es ist nicht einfach und ein starker Eingriff in das Leben der Körper, den A vornimmt. Durch die Zufälligkeit des Körperwechsels passiert es auch, dass A im Körper von Junkies oder sklavenartigen Zwangsarbeiterinnen aufwacht. Und so sehr A sich eine Beziehung mit Rihannon wünscht und ausmalt, scheint sie doch fern von jeder realistischen Möglichkeit. Als zu allem Überfluss eines Tages ein von A besetzter Körper die Jagd auf A eröffnet, verkompliziert sich die Lage umso mehr.

Der Roman hat eine sehr spannende Grundannahme, die den Leser zum Nachdenken anregt und ihn erkennen lässt, wie wichtig Kontinuität in unserem Leben ist und wie fragil so manche Konstruktionen sind. Der Titel spielt darauf an, dass der Einzelne mit seinen Wünschen und Bedürfnissen keinen Anspruch darauf hat, dass sie erfüllt werden. Das Universum ist niemandem etwas schuldig und ist selten gerecht.

Diese philosophischen Gedanken, die A sich auch im Laufe des Romans häufig macht, über die Beziehung von Seele und Körper und der Macht des Körpers über die Gedanken, werden sehr schön verpackt in eine der romantischsten und gleichzeitig traurigsten Liebesgeschichten, die ich seit langem gelesen habe.

Fazit

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist ein spannendes, zum Nachdenken anregendes und sehr tolles Jugendbuch, das jeder ab 15 Jahren gelesen haben sollte! Ich war beeindruckt und wollte es nicht mehr aus der Hand legen!

Couch-Wertung:

9

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Melanie Reichert
Die Geister, die ich nicht rief

Buch-Rezension von Melanie Reichert Jun 2014

Die Welt ist im Wandel, denn die Geister der Toten ruhen nicht. Seit Tag x tauchen immer wieder die weiß leuchtenden Gestalten der Verstorbenen auf. Sie stehen einfach nur da, drehen sich mit der auf- und untergehenden Sonne und kennzeichnen so den Ort, wo sie gestorben sind. Doch dann geschieht etwas Neues: Sie lächeln – und dabei handelt es sich um kein freundliches Lächeln.

Rain und ihre jüngere Schwester Emma sind extra von Wales nach Spanien gereist, um dabei zu sein, wenn ihre Eltern aus dem Nichts auftauchen. Diese sind vor vielen Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Damit beide mit diesem Vorfall abschließen können, wollen sie das tun, was sie bisher nicht konnten: sich verabschieden. Doch als sie endlich ankommen, steht bereits ein Fremder dort, der offensichtlich das gleiche im Sinn hat. Als die Situation dann aus dem Ruder gerät, taucht auch noch der junge Norweger Tyler auf, der den Geist seiner großen Liebe Flavie sehen möchte. Was hat es mit dem Lächeln auf sich? Warum ist Tyler auf der Flucht? Und wird die Welt jemals wieder die alte sein?

Da Kai Meyer für gewohnt gute Fantasy-Jugend-Literatur spricht, musste ich auch dieses Buch lesen und wurde absolut nicht enttäuscht. Die Geschichte ist in vier große Abschnitte unterteilt und wird uns ansonsten kapitelweise aus Sicht der Protagonistin Rain erzählt. Damit der Leser versteht, was sich bisher in der Welt zugetragen hat, ist diese Perspektive unerlässlich. Wir werden mitten in das Geschehen hineingeworfen und bekommen vieles nur aus den Überlegungen von Rain dargestellt. So geht es direkt spannend los, es fehlt aber auch nichts an Hintergrundinformationen.

Rain und Emma schlagen sich seit Jahren alleine durch. Beide haben eine bewegte Vergangenheit und die eine hat nicht weniger durchgemacht als die andere. Deshalb haben wir es auch mit zwei starken und doch prägnanten Charakteren zu tun, die man einfach ins Herz schließen muss. Rain ist dabei ganz die große Schwester, die sich um Emma sorgt und am liebsten alles von ihr fernhalten möchte. Emma ist dagegen eine kleine Besonderheit, weil sie autistische Züge vorweist, die sie jeglicher Emotion entbinden. So sieht sie die Welt aus einer sehr direkten und nüchternen Perspektive, die neuen Schwung in die Dialoge bringt. Der dritte Protagonist ist Tyler, der den männlichen Ausgleich zum Schwesternduo bringt. Er ist zu Beginn der typische Held, der zur Rettung herbeieilt – allerdings hat er das Pferd gegen ein Motorrad getauscht. Die drei haben eine unglaublich gute Dynamik in ihren Dialogen, sodass es zu keiner Zeit langweilig wird. Sie machen alle eine Entwicklung durch, die auf jeden Fall positiv zu vermerken ist. Charaktere, die einfach Spaß machen.

Die Grundidee der Story konnte mich schon vor dem Lesen überzeugen: Geister, die an der Stelle erscheinen, an der ihr Körper damals gestorben ist. Ich war von der ersten Seite an gefesselt und wurde auch bis zum Ende nicht mehr losgelassen, weil der Autor einfach einen unglaublich spannenden Erzählstil pflegt. So hat man kaum gemerkt, dass man schon die Hälfte des Buches verschlungen hat oder sich leider schon auf der Zielgeraden befindet. Die Spannungskurve baut sich am Anfang langsam auf, erreicht aber schon nach 50 Seiten ihren ersten Höhepunkt und verlässt diesen auch nicht mehr.

Der phantastische Anteil ist relativ hoch, weil es eigentlich darum geht, herauszufinden, warum die Geister so plötzlich erscheinen. Zwischendurch gibt es einige Wendungen, die ich als Leser nicht vorhersehen konnte und die mich wirklich überrascht haben. Ich dachte eigentlich, dass ich von Anfang an wusste, auf was das ganze hinauslaufen sollte, aber da hatte ich mich wohl (positiv) geirrt. Vom Verlag wird das Buch ab 14 Jahren empfohlen, was ich soweit auch unterstreichen kann. Der Leser bekommt eine spannende Suche inklusive Verfolgungsjagd geboten. Dabei hält sich die Gewalt in Grenzen bzw. ist durchaus zu verkraften. Das Buch ist also auch für die Zartbesaiteten geeignet. Generell wird viel auf der zwischenmenschlichen Ebene ausgetragen, die Charaktere stehen auf jeden Fall im Vordergrund.

Fazit

Wer mal wieder zu lange Fingernägel hat und diese gerne wegen einer spannenden Geschichte abknabbern möchte, sollte sich auf jeden Fall dieses Buch holen. Starke Protagonisten treffen auf eine Welt, die am Ende ist und die in der bisherigen Art und Weise nicht mehr funktionieren kann. Auch die Widersacher werden zwischendurch sympathischer und tragen zu einem rundweg tollen Leseereignis bei.

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