Sommernachtszauber

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Zwei Jahre nach dem Schiffsunglück der Titanic: Die junge Grace hat gerade den wohlhabenden Henry Winter geheiratet und möchte mit ihrem Ehemann an Bord der Zarin Alexandra von Europa nach Amerika fahren. Grace schwebt nicht nur auf Wolke Sieben, sondern ist durch die Heirat auch ihrem Schicksal als Gouvernante entgangen. Alles könnte so schön sein, wenn nicht eine mysteriöse Explosion das Schiff zum Sinken bringen würde. Gerade noch rechtzeitig ergattert Grace einen der wenigen Sitzplätze in einem Rettungsboot. Von Henry fehlt jede Spur. Doch das vermeidliche Glück, durch das Boot gerettet zu werden, erweist sich als Trugschluss: Nicht nur den Launen der Natur müssen die Insassen trotzen, nein, auch die Überlebenden selbst erweisen sich nach kurzer Zeit als Gefahr – gefährlicher noch, als das tosende Meer …

Wir bekommen diesen Bericht in einer Rückblende aus Sicht der Protagonistin Grace erzählt. Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass sie aufgrund der Ereignisse im Boot vor Gericht steht und wegen Mordes angeklagt wird. Von ihren Anwälten hat sie den Auftrag erhalten, die Geschehnisse auf See in einer Art Tagebuch zu verfassen, was der Leser letztendlich zu lesen bekommt. Eine bessere Perspektive hätte die Autorin wohl nicht wählen können, da wir so direkt im Rettungsboot einen Platz erhalten und die Handlungen aus nächster Nähe mitverfolgen können. Was ich persönlich schade finde, ist, dass wir quasi das Ende schon ein Stück weit vorweg genommen bekommen. Nach dem Prolog war mir schon ein wenig der Wind aus den Segeln genommen worden, weil man genau weiß, auf was die Geschichte eigentlich hinaus möchte.

Ansonsten werden wir direkt in das Geschehnis hineingeworfen und müssen uns als Leser erst einmal orientieren. Ich wusste eine lange Zeit überhaupt nicht, in welchem Jahr wir uns gerade befinden. Erst sehr spät wird erwähnt, dass die Titanic gerade untergegangen ist und der erste Weltkrieg bevorsteht. Ich habe das eher als negativ empfunden, weil ich mir so die Umgebung und die Charaktere gar nicht richtig vorstellen konnte (Was haben sie an? Wie ist der Stand der Technik? Wie muss ich mir die Häuser vorstellen? usw.).

Grace ist eine junge und überaus starke Persönlichkeit – auf der einen Seite. Denn immerhin hat sie das Schiffsunglück überlebt und es bis ans Festland geschafft. Allerdings kann man bei ihr auch davon reden, dass sie ihr Fähnchen in den Wind hängt und sich dem Stärkeren unterordnet, um zu überleben. Das kann man ihr nun sowohl als Schwäche, als auch als Stärke auslegen. Das muss wohl jeder Leser für sich selber entscheiden. In vielen Situationen ist Grace einfach nur berechnend, teilweise sogar kühl. Gerade was ihre Gefühle zu Henry angeht, kann man wohl eher von Nutzen als von Liebe sprechen.

Da in dem Rettungsboot 39 Überlebende Platz finden, haben wir es mit ebenso vielen Nebencharakteren zu tun. Mir war von Anfang an klar, dass die Autorin keinesfalls auf alle Personen eingehen kann, aber dass so viele Gesichter und Persönlichkeiten einfach schwarze Löcher bleiben, fand ich mehr als schade. In meiner Vorstellung saßen dadurch viele graue Schatten im Rettungsboot, die nicht zum Leben erwacht sind. Auch die, die ein wenig Beachtung finden, weil sie für die Geschichte wichtig sind, sind eher farblos und werden nicht näher beschrieben. So weiß man als Leser eigentlich gar nicht, mit wem man es hier zu tun hat.

Der wohl größte Minuspunkt geht aber leider an die Spannungskurve. Von Anfang an war ich eher gelangweilt, als gefesselt. Vielleicht auch, weil ich (wie oben schon erwähnt) das Ende erahnen konnte. Ich musste das Buch definitiv zu oft aus der Hand legen, als dass ich es als spannend hätte einstufen können. Die Ereignisse plätschern dahin und lassen keine Spannung aufkommen. Die besten Beschreibungen sind noch die, die das Meer und das Klima näher betrachten. Die Umgebung auf See konnte ich mir nämlich tatsächlich lebhaft vorstellen, teilweise hatte man sogar das Gefühl, das Salz auf den Lippen schmecken zu können. Es werden viele Andeutungen im Laufe der Geschichte gemacht, die aber nicht aufgelöst werden – so etwas treibt mich zur Weißglut!

Das Buch kann ich ab 14 Jahren empfehlen, weil es eigentlich recht harmlos ist. Da es mehr auf die Psyche abzielt (Wie würde ich mich in einer solchen Situation verhalten?), sind darin so gut wie keine blutigen Szenen enthalten. Die Empfehlung ab diesem Alter, weil die Sprache der Zeit angepasst ist und man vielleicht ab und zu komplexer denken muss.

Fazit

Ein Buch, was ich nicht empfehlen kann. Blasse Charaktere treffen auf eine langweilige Story, die auch aus psychologischer Sicht keinen Blumentopf gewinnen kann. Die Idee an sich fand ich gut, weswegen ich das Buch auch unbedingt lesen wollte. Leider eine Enttäuschung für mich, die ich anderen gerne ersparen würde.

Couch-Wertung:

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Ein Roman über eine unmögliche Liebe, ein Portrait des Theaterlebens mit seinen Licht- & Schattenseiten, ein Liebesbrief aus London nach Berlin

Buch-Rezension von A Ev Mär 2014

"Ich will unterhalten und zwar schamlos gut" schreibt die in London lebende freie Autorin und Journalistin Ellen Alpsten auf ihrer Homepage. Wer ihre Romane und Kinderbücher kennt, weiß, dass ihr dies immer wieder gelingt. Worin liegt ihr Erfolgsrezept? In der erbarmungslosen Konfrontation von Gegensätzen und in der konzeptionellen Tiefe der Geschichten. >>"U" oder "E" ? Das ist Ungemein Egal und UEberflüssig."

Der Sommernachtszauber zieht den Leser nicht nur durch die kribbelige Sehnsucht nach Liebe in den Bann, sondern ebenso durch skurril-realistische Blicke auf die Theaterwelt und Bezüge zu Shakespeares bekanntesten Meisterwerken. Die Verwirrungen des Sommernachtstraums werden mit der Tragik von Romeo und Julia verbunden. Das Motiv der unmöglichen und im Tod endenden Liebe kehrt dabei immer wieder – ob im Verona des 16. Jahrhunderts, im Berlin der NS-Zeit oder in der rationalistisch-kapitalistisch geprägten Gegenwart...

Ein Obdachloser hütet den Eingang zu der sanierungsbedürftigen Bühne "Bimah" – früher Fasanentheater – das der rigiden Kulturpolitik der Stadt zum Opfer zu fallen droht. Der vielversprechende Regie-Newcomer Carlos will mit einer Romeo und Julia Aufführung Aufmerksamkeit erregen und das Theater dauerhaft wiederbeleben. Die Chancen stehen gar nicht schlecht, denn er konnte den attraktiven Star-Schauspieler Ben van Behrens für ein Engagement verpflichten. Zum Vorsprechen für die Rolle der Julia lädt Carlos junge Schauspielerinnen ein, die ihm als Regieassistent an der Volksbühne aufgefallen sind. Caroline interessiert ihn besonders durch ihre selbstbewusste Reaktion auf die Erniedrigungen eines Hornbrillen-tragenden Klischee-Regisseurs. Auf seine eigentümlichen Schauspiel-Vorstellungen und seine abfälligen Sexismen reagiert sie so: "Ich bin jetzt mal jemand, der nach Hause geht. Können Sie das verinnerlichen?"

Wer ein bisschen Theaterluft schnuppern will, für den ist der Sommernachtszauber genau das richtige. Glamour, Stars und Empfänge gehören ebenso dazu wie die kleinen Spelunken und Bühnen in Hinterhäusern, die fortwährend ums Überleben kämpfen müssen. Der Erfolgsdruck ist unheimlich hoch und Freundschaften können dabei auf der Strecke bleiben. So wichtig persönliche Kontakte sind, garantieren selbst diese oder auch die berüchtigte Besetzungscouch keinesfalls den Durchbruch. Eine Hauptrolle fliegt den wenigsten zu. Für die allermeisten – so auch für Carolines "beste Freundin" Mia – ist der Weg nach oben steinig. Nur weil sie aus einer bekannten Künstlerfamilie kommt, darf sie beim Stück mitarbeiten. Allerdings nicht als Schauspielerin, sondern als Masken- und Kostümbildnerin.

Carlos entscheidet sich nämlich für die wesentlich unerfahrenere Caroline als Besetzung für die Julia. Caroline ist außer sich vor Freude, aber auch überfordert von ihrer Aufgabe. Besonders, weil Carlos gleich zu Beginn einen emotionalen Strip von den Darstellern fordert und dabei bei Caroline tiefe Wunden aufreißt. Als sie an der Herausforderung zu scheitern droht, bekommt sie den Schlüssel zum Theater um nachts alleine proben zu können. Da lernt sie Johannes kennen. Johannes wurde in der NS-Zeit von seiner jüdischen Verlobten während einer Romeo & Julia Aufführung ermordet. Seitdem geistert er durchs Gebäude und trägt ein dunkles Geheimnis und seine Schuld mit sich herum. Johannes, der sein Handwerk einst bei Max Reinhardt erlernte, hilft Caroline zu sich und in die Rolle der Julia zu finden. Nicht unwesentlich trägt dazu bei, dass die beiden ihre eigene "unmögliche" Liebe erleben.

Vom Dachboden aus beobachten sie den Himmel über Berlin, die Lichter der nächtlichen Stadt. Wie in Wim Wenders weltbekanntem Film über die Liebe eines Engels zu einer Trapezkünstlerin, geht es im Sommernachtszauber nicht nur um Liebe, sondern auch um die Fähigkeit loslassen und den Tod akzeptieren zu können. Die romantischen Momente zwischen Johannes und Caroline lassen sich nicht festhalten, sondern entweichen ihnen mit jedem Schritt, den sie sich nähern. Der Grund dafür ist weder die wenig überzeugend bis albern wirkende Eifersucht von Johannes auf Ben, noch die hinterhältigen Intrigen von Mia. Vielmehr ist es so, dass sich Caroline und Johannes gegenseitig befreien, dass sie lernen ihre je eigene schmerzhaft-traumatische Vergangenheit zu akzeptieren und mit ihr zu leben.

Die goldenen Schnörkel und Ranken auf dem wunderschön gestalteten türkis-grünem Umschlag umschlingen die Büsten von Romeo und Julia. Die Theatermaske und das Geisterlicht weisen bildlich auf die Theatermythen hin, die der Geschichte ihre magische Dimension verleihen. Der Sommernachtszauber überzeugt als mitreißender Liebesroman und als Portrait des Theaterlebens – welches durchaus faszinieren, dem einen oder anderen aber auch eine fixe Berufsidee austreiben könnte. Das Zusammenspiel der Handlungsstränge funktioniert insgesamt sehr gut, mit Ausnahme jedoch des zu früh gelüfteten Geheimnisses aus Johannes Vergangenheit. Insgesamt hätten die Bezüge zur NS-Zeit weiter ausgebaut und vertieft werden können. Aber vielleicht hätte dies auch der erwartungsvollen Sehnsucht und erotischen Spannung zwischen dem Geist und der Schauspielerin im Wege gestanden. Genau deshalb werden in die Liebe verliebte LeserInnen das Buch nämlich gar nicht wieder aus der Hand legen können. Ganz jugendfrei ist der Band jedoch nicht, erotische Spannung durchzieht das Buch und Mia geht mit ihrem Manager zum äußersten. Trotz der sehr lebhaften Sprache und den märchenhaften Zügen, ist der Sommernachtszauber deshalb entschieden erst ab 16 Jahren zu empfehlen.

Fazit

Der Sommernachtszauber erlaubt es, sich ungehemmt dem kribbeligen Gefühl des Verliebtseins hinzugeben. Eine verzaubernde Hommage an die Liebe, ein Denkmal für Shakespeare und ein Reiseführer in die Welt des Theaters.

Sommernachtszauber

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