Am Ende der Treppe, hinter der Tür

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2013, Originalausgabe

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6

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Rita Dell'Agnese
Eher Jugend-Roman als Krimi oder Thriller

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2014

Ausgerechnet bei ihrer seltsamen Nachbarin, die im Stockwerk über ihr lebt, landet das Paket mit dem Kleid von Martha, das sie so dringend zur Theateraufführung braucht. Und dann ist diese Nachbarin noch nicht mal zuhause, über Tage hinweg. Es ist zum aus der Haut fahren. Doch Jill, Marthas beste Freundin, weiß Rat. Und richtig, wie Jill vermutet hat, hat auch die Nachbarin einen Ersatzschlüssel für ihre Wohnung unter einem Blumentopf versteckt. Martha zögert. Aber sie will ja nichts Unrechtes tun, sie will einzig kurz in die fremde Wohnung huschen, um ihr Paket zu holen. Doch just in diesem Moment kommt jemand. Martha versteckt sich im Schrank und wird Zeugin, wie ihre Nachbarin von einem Besucher ermordet wird. Nach dem ersten Schrecken will Martha dieses Wissen für sich nutzen. Sie erpresst den Mörder – denn wenn sie genügend Geld zusammen bringt, kann sie mit ihrer Mutter endlich wieder ein eine eigene Wohnung ziehen. Seit Mutter sich mit der Glatze zusammengetan hat, hat Martha keine Ruhe. Sie mag den neuen Freund ihrer Mutter nicht und noch weniger kann sie die kleine Poppy leiden, Glatzes Tochter, und das, obwohl Poppy ihr bedingungslose Liebe schenkt und überall stolz ihre neue große Schwester präsentiert. Zu allem Überfluss muss Martha immer mal wieder den Babysitter für Poppy spielen. Da ist es doch besser, wieder mit Mama alleine zu wohnen. Doch die Erpressung ist kein Spiel und die 16-jährige Martha muss erkennen, dass sie sich da auf eine höchst gefährliche Sache eingelassen hat.

Bei diesem Plot geht man zunächst davon aus, einen Thriller, zumindest aber einen Krimi in Händen zu halten. Doch weit gefehlt. Zwar gibt es mit dem Mord an der Nachbarin Elemente, die an einen Krimi erinnern, aufgebaut ist die Story aber ganz anders. Denn im Zentrum der Geschichte steht die Lebenssituation von Martha. Sie kommt mit der neuen Patchwork-Situation nicht klar. Autorin Sabine Ludwig zeichnet Martha als pubertierendes Mädchen, das – verliebt in ihren Englischlehrer – sämtliche Realität ausblendet und in einer Art kindlicher Manier versucht, sich etwas Vergangenes wieder zu holen. Ihre konsequente Weigerung, die kleine Stiefschwester zu akzeptieren, stößt dem Leser bald mal unangenehm auf. Denn es ist schwierig, sich mit einem Charakter zu identifizieren, der einem kleinen Kind gegenüber eine solch abfällige Haltung einnimmt. Dabei ist es nicht primär der Umstand, dass Martha sich klar von Poppy distanziert, der sie in einem unguten Licht erscheinen lässt. Vielmehr begegnet sie dem Kind mit einer Haltung, die selbst einem pubertierenden Teenager unangemessen scheint. Nicht wesentlich besser geht Martha mit ihren Freunden um. Ihre Verliebtheit in Mr. Miller lässt sie blind werden für die Zuneigung der Gleichaltrigen. Obwohl Sabine Ludwig hier die typische Haltung eines verliebten jungen Mädchens einfängt, schießt sie mit der ständigen Wiederholung der schmachtenden Gedanken etwas übers Ziel hinaus.

Nicht ganz schlüssig ist auch die Erpresser-Geschichte, die erst in der zweiten Hälfte des Romans zum Tragen kommt. Hier müssen die Leser beide Augen zudrücken, denn einige Fakten sind doch recht fadenscheinig geraten. Da sich die Autorin an ein Publikum von 14 bis 17jährigen richtet, bewegt sie sich damit stark an einer Grenze. Die jungen Leser sind als kritisches Publikum sehr wohl in der Lage, die verschiedenen Ungereimtheiten zu erfassen und damit die Story als solches in Frage zu stellen.

Sabine Ludwig hat in ihren Roman verschiedene Problemkreise eingearbeitet, die eine moderne Gesellschaft kennt. Von der Eifersucht auf den neuen Partner der Mutter bis hin zur Verliebtheit in den Lehrer und damit den Verlust jedes Realitätssinnes sind es Themen, die überall vorkommen. Auch die Situation, eine fatale Entscheidung zu fällen und danach lügen zu müssen, um sich vor Entdeckung zu schützen, ist realistisch dargestellt, wenn auch die Begründung, weshalb Martha den Mörder identifizieren kann, auf tönernen Füssen steht.

FAZIT

Leider sind verschiedene Szenen stark überzeichnet, weshalb die ganze Geschichte um Martha und ihren Erpressungsversuch Schlagseite bekommt. Denn grundsätzlich würde sich Am Ende der Treppe, hinter der Tür gut lesen lassen und könnte auch zu verschiedenen Diskussionen Anlass geben.

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