Fillory - Der König der Zauberer (2)

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Jugendbuch-Couch - Dein Online-Magazin für Jugendbücher, 2013, Titel: 'The Magician King', Originalausgabe

Couch-Wertung:

8

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Carsten Kuhr
Harry Potter meets Narnia

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Dez 2013

AbsatzIm ersten Band der Trilogie stellte uns Lev Grossman Brakebills, ein ganz besonderes Internat vor, in dem junge angehende Zauberer unterrichtet werden – Hogwarts ließ grüßen. Unsere Helden, zu denen sich mit Julia später auch eine abgelehnte Bewerberin gesellte, machten sich dann auf nach Fillory, ein Reich, das von seiner Ausprägung her an Narnia erinnerte, und mussten dort gefährliche und verlustreiche Abenteuer bestehen.

Mittlerweile sind die Überlebenden Könige und Königinnen von Fillory, der Alltag in Glanz und Gloria beginnt insbesondere Quentin zu langweilen. Als sich ein Abenteuer am Horizont abzeichnet, nimmt er die Chance wahr einmal mehr auszubrechen und seinem Leben neuen Reiz zu verschaffen.

Fillory wird von den Göttern bedroht

Eigentlich sollte die Seereise nur zum entferntesten Außenposten Fillorys, einer einsamen Südseeinsel gehen, um zu überprüfen, warum der jährliche Tribut nicht abgeführt wurde. Begleitet von Königin Julia aber kommt er dort einer drohenden Gefahr auf die Spur. Während Quentin und Julia auf der Erde stranden und versuchen, wieder nach Fillory zu gelangen, erfahren sie, dass die Götter aufgewacht, und damit beschäftigt sind, den Menschen den Zugang zur Magie zu verwehren. Fillory, wie alle Phantasie-Reiche zwischen den Welten, würden schlicht aufhören zu existieren, Magier wie Hexen all ihre besonderen Kräfte verlieren.

Um dies zu verhindern gilt es, einmal auf Fillory zurückgekehrt, sieben magische Schlüssel zu finden und die Tore zur Magie wieder aufzuschließen. Doch hierzu müssen unsere beiden gestrandeten Herrscher Fillorys zunächst einmal einen Weg zurück in ihre neue Heimat finden ...

Eine unerwartete Richtung

Was im ersten Band als gelungene Mischung aus Harry Potter und Narnia seinen Anfang nahm, das geht vorliegend in eine andere, unerwartete Richtung.

Zum einen war und ist Quentin nicht unbedingt wirkliches Heldenmaterial a la Harry. Er ist ein NERD aus dem Bilderbuch, hoch intelligent, aber innerlich unsicher, eifersüchtig und im höchsten Masse selbstsüchtig – sprich, nicht eben eine Person, in die man sich wirklich gerne hineinversetzt, ist sie doch vielleicht zu nah am eigenen Ich angesiedelt.

Dass er die ewige Feierei, das tagtägliche Besäufnis und das Herrschen – mitsamt des Bedientwerdens – satt hat, kann man dagegen gut nachvollziehen. Sein Leben ist einfach leer, zumal er seine große Liebe verloren hat. So ergreift er mit beiden Händen die Gelegenheit auf neue Abenteuer, auf Etwas, das ihn aus der Routine des Alltags reißt, das ihm vielleicht auch die Chance eröffnet, etwas Bedeutsames zu tun.

Begleitet wird er nicht nur bei seiner Queste, sondern auch in eingeschobenen Kapiteln von Julia, der vielleicht verstörendsten Anti-Heldin des ersten Teils.

Als Mathematik-Genie wurde sie von Brakebills abgelehnt, hat sich autodidaktisch unter skrupellosem Einsatz ihres Körpers das Hexen selbst beigebracht. In Safe-Houses auf der ganzen Welt hat sie nach Zauberformeln und Anleitung gesucht, hat dabei sexuelle Gefälligkeiten gegen Wissen eingetauscht, Drogen zur Bewusstseinserweiterung benutzt und letztlich eine wichtigen Teil ihres Selbst auf dem Weg zur Erkenntnis verloren.

Ihre Geschichte, die uns der Autor in Flash-Backs erzählt, gehört zu den Highlights des Romans. Und dies gerade, weil es hier so real, so ungeschminkt und auch so tragisch zugeht. Diese Teile riechen nach wahrem Leben, hinter- und unterfüttern den Plot mit schmerzhafter Realität und glaubwürdigem Charakter.

Die Queste an sich muss hinter diesem ergreifenden Bericht zurückstehen, verwöhnt aber mit interessanten Einfällen, einem Wiedersehen mit einem alten Freund aus dem ersten Teil und glaubhaften Figuren.

Fazit

Die durchaus gelungenen Mischung Harry Potters und Narnia entwickelt im Mittelband der Trilogie deutlich realistischere Züge, entfernt sich von den Vorbildern und steht letztlich, sprachlich ansprechend, ganz auf eigenen Beinen.

Fillory - Der König der Zauberer (2)

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