Lauren, vermisst

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Sloane hat Angst. Wie alle anderen Jugendlichen auch. Das Programm hat langsam immer mehr Macht bekommen und schwebt jetzt als unsichtbare Macht über allen Jugendlichen.

Die Selbstmordrate unter Jugendlichen ist in der Vergangenheit immer höher geworden; die Ärzte sind ratlos. Inzwischen vermuten sie, dass sich unter den Jugendlichen eine Epidemie ausbreitet: eine, die sie erst in Depressionen und dann in den Tod führt. Heilungsmethoden: Fast keine. Außer das vollständige Löschen aller Erinnerungen, so dass die Jugendlichen noch einmal von vorne anfangen können. Von vorne und ohne Vergangenheit, ohne Persönlichkeit.  Das Programm hat diese Aufgabe übernommen, und weitet seine Kontrolle über Elternhaus und Schule immer weiter aus. Schon der kleinste Gefühlsausbruch kann dazu führen, dass ein Jugendlicher verschwindet und als eine andere Person zurückkommt.

Deshalb stehen Sloane und ihre Freunde so unter Druck: Jede Gefühlregung kann sie verraten. Hätte Sloane nicht ihren Freund James, wäre sie schon längst zusammengebrochen. Und dann zeigt James erste Anzeichen von Depression. Sloane versucht alles, um ihn zu schützen, doch das Programm ist mächtiger. Ihr Freund wird eingewiesen, und sie bleibt allein zurück. Doch Gefühle kann sie sich nicht leisten, sonst ist sie die Nächste.

Du. Wirst. Vergessen. von Suzanne Young eröffnet eine ganz neue Version des Überwachungsstaates. Eine, die wie jeder Überwachungsstaat wohl argumentieren würde, im Auftrag des Guten handelt: Schließlich werden durch die Gehirnwäsche die Leben der Jugendlichen gerettet. Doch so einfach ist es dann nicht: Wer gibt schon freiwillig seine Person auf? Sind es nicht die Erinnerungen, die einen prägen und formen?

Solche Fragen stellt die Autorin vor dem Hintergrund einer fruchtbaren, nahen Zukunft. Das Programm als der rationale Vernichter – und ihm gegenübergestellt nur Sloanes unendliche Liebe für ihren Freund James. Es wirkt wie ein aussichtsloser Kampf, aber einen, den Sloane führen muss. Sloane selbst ist eine sehr starke Hauptfigur, die lange unabhängig kämpft, bevor das Programm sie überwältigt und in seine Gewalt bringt.

Gewalt kann in diesem Sinne auch ganz wörtlich genommen werden. Einer der allmächtigen Betreuer bietet ihr einen Deal an: Sex gegen eine Erinnerung. Sie stimmt zu. Schade, dass ein Jugendbuch auf solche Mittel zurückgreifen muss, die Hilflosigkeit der Protagonistin zu zeigen. Das ist zwar nur eine kleine Szene, aber doch ein Schlüsselmoment in der Erzählung. Man fragt sich doch: Ist es wirklich nötig, eine solche Szene zu beschreiben?

Abgesehen davon ist das Programm ein äußerst ausgeklügelter Gegner, der die Protagonisten an ihr Äußerstes treibt. Ihre Hilflosigkeit ist ebenso ergreifend wie ihre verzweifelten Versuche, sich zu wehren. Das macht die Erzählung durchgehend spannend und interessant.

Die Liebesgeschichte zwischen Sloane und ihrem Freund James ist feinfühlig erzählt. Im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Jugendbüchern ist ihre Beziehung schon lange etabliert, bevor die Geschichte einsetzt. Nur nach und nach wird ihre Geschichte enthüllt. Ihre Beiziehung ist viel erwachsener als die vieler anderer Jugend-Liebesgeschichten. Doch ihre Beiziehung wird in dem Buch auch kritisch hinterfragt: Ist die Anhänglichkeit der beiden wirklich Liebe, oder halten sie nur zusammen, weil sie alle anderen Freunde schon an die Krankheit verloren haben?

Fazit

Der Roman stellt spannende Fragen zur Entwicklung der Persönlichkeit. Die Spannung, die die Übermacht des Programms erzeugt, macht diese Fragestellung geradezu überlebenswichtig. Eingebettet in diese Elemente des Psychothrillers erzählt das Buch eine ergreifende, lebensnahe Liebesgeschichte. Leider wird in diesem Buch noch nicht allzu viel über die Hintergründe der Krankheit und des Programms gesprochen. Dennoch ist die Lektüre eine gute, die die Waage zwischen wichtigen Fragen und spannendem Plot hält.

Couch-Wertung:

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Rita Dell'Agnese
Wer bin ich?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2013

Es ist ein öder Aufsatz in der Schule, der die 14-jährige Lauren dazu bringt, darüber nachzudenken, wer sie wirklich ist. Denn sie weiß, dass sie von ihren Eltern adoptiert wurde. Allerdings verweigern diese ihr jede Auskunft darüber, wer ihre leibliche Mutter ist. Also versucht sich die in England lebende Lauren zunächst mit Recherchen über das Internet zu behelfen. Dabei stößt sie auf eine Seite mit vermissten Kindern. Besonders ins Auge fällt ihr dabei ein Mädchen aus den USA. Es wurde ungefähr zu jener Zeit vermisst gemeldet, als Lauren zu ihren Adoptiveltern kam. Und auch das Alter stimmt. Misstrauisch geworden bittet Lauren ihren besten Freund Jam, ihr bei ihren Recherchen zu helfen. Auch er sieht die Ähnlichkeit Laurens mit dem vermissten Mädchen. Mit viel Raffinesse machen sich die beiden auf den Weg in die USA, um nach Laurens Herkunft zu forschen und eine Verbindung zum vermissten Mädchen aufzuspüren. Sie ahnen beide nicht, dass sie sich dabei in Lebensgefahr begeben. Denn nicht alle sind daran interessiert, dass der Fall aufgedeckt wird.

Das Thema mag durchaus bestehen und faszinieren. Was aber Sophie McKenzie daraus gemacht hat, lässt zu wünschen übrig. Die Autorin greift zu tief in die Schatulle der Zufälle, um eine stimmige Geschichte zu präsentieren. Das beginnt schon damit, dass Lauren bei ihren Recherchen auf just diese eine Internetseite stößt und dabei auch gleich auf das Foto eines Mädchens, das ihr gleicht und vor über zehn Jahren verschwunden ist. Dann schafft Lauren es auch noch, ihre Mutter trotz extrem engem Familienbudget zum Urlaub in einem Vergnügungspark in den USA zu überreden und erst noch, Jam mitzunehmen. Auch der weitere Verlauf strotzt nur so vor glücklichen Zufällen und naiven bis blinden Erwachsenen, die sich keine Gedanken über die unvermittelt auftauchenden Teenager machen.  Das Konstrukt wirkt dadurch ärgerlich oberflächlich.

Dass sich Lauren mit der Frage beschäftigt, wer ihre leibliche Mutter ist, ist wohl das wirklich stimmige Detail dieses Romans. Hier kann Sophie McKenzie punkten und dem Roman wenigstens etwas Boden geben. Sie beschreibt sehr schön, wie sich das Mädchen aus einer Momentanen Situation heraus in die Frage verrennt und plötzlich nur noch von dieser einen Sache beherrscht wird. Lauren ist bereit, alle Grenzen zu überschreiten, um zum Ziel zu kommen. In dieser Phase entspricht ihr Verhalten durchaus jenem eines 14-jährigen Teenagers. Auch die Streitereien mit ihrem jüngeren Bruder, der Lauren mit seinem Wissen um ihre Grenzüberschreitungen erpresst, sind stimmig und gut skizziert. Lauren gerät in eine schwierige Lage, sie muss sich entscheiden, ob sie ihre Suche fortsetzt oder sich den Eltern weiterhin anpasst und darauf wartet, bis diese bereit sind, offen über die Hintergründe der Adoption und über Laurens leibliche Mutter zu sprechen.

Auch wenn es Sophie McKenzie durchaus immer wieder gelingt, Spannung zu erzeugen, kann sie spätestens ab der Abreise in Richtung USA nicht mehr überzeugen. Je länger die Geschichte dauert, desto absurder wird die Geschichte. Selbst mit der Bereitschaft, beide Augen zuzudrücken und eine große Portion Phantasie zuzugestehen, wird man mit dem weiteren Verlauf der Geschichte nicht glücklich sein. Gänzlich an den Haaren herbei gezogen scheint dann letztlich das Ende von Laurens Odyssee.

Die Zielgruppe des Romans sind die Leserinnen und Leser im Alter von 12 bis 15 Jahren. Dies scheint aber aufgrund der verhältnismäßig einfachen Strickweise der Geschichte zu hoch angesetzt. Die Alterskategorie 10 bis 13 Jahre wäre wohl eher passend. Vor allem ältere Teenager dürften sich zu sehr an der glorifizierenden Geschichte stoßen, um sie als unterhaltsame Lektüre würdigen zu können.

FAZIT

Wer Jugendliche mit dem Thema "Adoption" und der Frage nach den biologischen Eltern konfrontieren möchte, sollte damit etwa sorgfältiger umgehen. Sophie McKenzie hat so viele Faktoren zurecht gebogen, dass Leser, die vor ähnlichen Fragen stehen könnten, entweder verständnislos den Kopf schütteln oder sich in Phantasien verlieren könnten, die sich höchst negativ auf die Situation auswirken könnten.

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