Deine Augen, Dein Tod

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Waverly ist 15 und wurde auf dem Sternenschiff Empyrean geboren. Die Erde wie wir sie kennen, ist durch den Klimawandel, Umweltkatastrophen und die menschliche Hand quasi zerstört worden. Deshalb ist das Raumschiff auf dem Weg durch die Galaxis, um einen Neustart auf dem Planeten New Earth zu beginnen. Kieran ist ebenfalls 15, Anwärter auf die Pilotennachfolge und Waverly versprochen, mit der er eine neue Generation Menschen zeugen soll. Die beiden lieben sich sehr, aber dennoch muss sich Waverly immer wieder fragen: Ist sie der großen Aufgabe gewachsen?

Dann greift plötzlich das lange verschollene Schwesternschiff New Horizont an. Die Erwachsenen werden getötet, die Mädchen entführt und die Jungen bleiben auf dem stark beschädigten Schiff zurück. Der Kampf ums Überleben hat begonnen, der Ausgang ist allerdings ungewiss. Werden sich Kieran und Waverly wiederfinden?

Obwohl uns die Geschichte in der Er-Perspektive erzählt wird, schwenkt die Kamera immer wieder zwischen Kieran und Waverly hin und her. Zum einen kann der Leser so mitverfolgen wie es den beiden nach dem Angriff geht und zum anderen werden die Handlungsmotive und Gefühle klarer. Der Schreibstil ist sehr flüssig und ich kann getrost sagen, dass es sich um einen Pageturner handelt. Man will nur noch ein paar Seiten lesen, aber dann tritt plötzlich wieder eine unvorhergesehene Wendung ein und man muss auch noch schnell das nächste Kapitel lesen. Obwohl wir uns im Sci-Fi Bereich bewegen, werden die "Fremdwörter" gut erklärt bzw. beschrieben, sodass man auch als Neuling in dieses Thema einsteigen kann. Dabei ist die Technologie der Raumschiffe noch nicht so abgehoben, dass man sie sich nicht mehr vorstellen kann, was ich definitiv positiv vermerken muss.

Neben den Hauptcharakteren Waverly und Kieran haben wir es noch mit einigen Nebencharakteren zu tun. Sowohl in der Gruppe der Mädchen, als auch in der Gruppe der Jungs sind einige prägnante und individuelle Typen dabei. Diese Persönlichkeit macht die Figuren lebendig und authentisch. Mir hat es Waverly angetan, weil sie stark ist und nicht aufgibt. Sie muss einiges erdulden und geht trotzdem immer wieder mit erhobenem Kopf aus einem Gefecht hervor. Waverly ist sowohl typischer Teenager, was ihre Gefühle zu Kieran angeht, als  auch eine Anführerin, die das Kommando übernimmt, wenn es nötig ist. Kieran ist eigentlich ihr perfektes Gegenstück, denn auch er beißt die Zähne zusammen und wächst in den Situationen über sich hinaus.

Wie schon erwähnt, ist dieses Buch sehr spannungsgeladen. Schon zu Beginn werden wir mitten ins Geschehen geworfen und dann überschlagen sich die Ereignisse auch sofort. Die Autorin hält sich nicht mit langen Einführungen auf und schafft es trotzdem, genügend Informationen zu geben, damit der Leser sich zurecht finden kann. Mehr als eine überraschende Wendung hält dieses Buch parat und dann ist da immer noch dieses Hoffen und Bangen, ob Kinder ihre Eltern wiedersehen, Brüder und Schwestern wiedervereint werden und ob ein Überleben überhaupt noch möglich ist. Das Ende ist ein absoluter Cliffhanger, aber zum Glück ist der zweite Band der Reihe bereits erschienen.

Ich würde das Buch ab 15 Jahren empfehlen, weil wir es hier doch mit darstellender Gewalt und Tod zu tun haben und zudem das Thema "Fortpflanzung" zentral ist. Manche Vorgänge sind hier komplexer beschrieben, weswegen ich diese Altersempfehlung ausspreche. Zudem sollte man ein Sci-Fi-Fan sein, weil die komplette Handlung auf Raumschiffen im Weltall spielt. Wer eine Liebesgeschichte sucht, bekommt diese nur teilweise geboten, weil eben doch das Überleben der Menschheit im Mittelpunkt steht und romantische Gefühle hier nicht immer ihren Platz finden.

Fazit

Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Band, weil ich mit Gefährliche Lügen ein paar spannende Stunden mit zwei absolut authentischen Protagonisten verbringen durfte. Eine gut ausgearbeitete Storyline besticht genauso,  wie die spannenden, teilweise unvorhergesehnen, Wendungen, die dieses Buch ausmachen. Ein tolles Sci-Fi-Abenteuer mit Endzeit-Charakter, das nach mehr verlangt.

Couch-Wertung:

8

Leser-Wertung

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Melanie Reichert
Knallharter Jugendthriller

Buch-Rezension von Melanie Reichert Okt 2013

Für Wally ist klar: Sie würde alles tun, um ihre leibliche Mutter ausfindig zu machen. Vor über elf Jahren wurde das Mädchen aus einem russischen Waisenhaus von amerikanischen Eltern adoptiert und in die USA gebracht. Doch aus dem einst verstörten Kind ist längst ein selbstbewusster Teenager geworden, der seinem Elternhaus den Rücken gekehrt hat und auf der Straße lebt. Da wird ein totes Mädchen aufgefunden, das Wallys Ausweis bei sich trägt. Für Wally ist der Verlust ihrer Papiere ein Debakel und sie versucht, sich auf illegalem Weg Ersatz zu beschaffen. Doch statt der Papiere findet sie einen Umschlag mit Hinweisen auf ihre leibliche Mutter. Wally erfährt, dass Yalena ebenfalls in New York leben soll. So macht sie sich auf die Suche nach ihr, um von ihr die Antworten auf die Fragen zu erhalten, die sie seit ihrer frühesten Kindheit umtreiben. Begleitet wird Wally dabei von den anderen Jugendlichen, mit denen sie sich in einer Art Gang zusammen gefunden hat und die in Wally ihre Anführerin sehen. Obwohl sich sowohl Wally als auch ihr engster Freund Tevin als findige und furchtlose Protagonisten erweisen, schrammen sie immer mal wieder an einer lebensbedrohenden Situation vorbei. Denn nicht nur Wally sucht nach Yalena. Da ist auch dieser geheimnisvolle und furchteinflößende Russe, der dieselben, ungewöhnlichen Augen hat wie Wally.

Der Begriff Thriller trifft auf diesen Jugendroman vollumfänglich zu. Autor William Richter erweist sich als geschickter Erzähler und vermag es, durch einige berufliche Kniffe – immerhin ist er ansonsten Drehbuchautor – Kopfkino in Gang zu bringen und lebendige Bilder zu schaffen. Der Aufbau des Thrillers hinkt zwar manchmal etwas – besonders die verschiedenen Zufälle, die dazu führen, dass Wally mehr über ihre Mutter Yalena erfährt, sind gewöhnungsbedürftig – doch ergibt das Ganze ein rundes und durchaus überzeugendes Bild. Dabei setzt William Richter hauptsächlich auf Spannungselemente, die dem Thriller den nötigen Boden verleihen. Hier wird sichtbar, dass der Autor ein junges erwachsenes Publikum im Auge hat. Denn er schont die Leserinnen und Leser nicht, geht schnell und brutal zur Sache, lässt Blut fließen, Ängste aufkommen und düstere Ecken sichtbar werden.

Obwohl sich die Leser wohl vereinzelt fragen mögen, wie es dazu kommen kann, dass eine Jugend-Gang sich auf diese Weise durchs Leben schlängelt, und weshalb Wallys Adoptiveltern die Lebensweise ihres Schützlings einfach so akzeptieren, vermögen die Leser dem Verlauf der Geschichte genügend Logik zu entnehmen, um einige Ungereimtheiten hinzunehmen. Das Tempo des Thrillers ist auch nicht dazu angetan, bei einzelnen Szenen zu lange zu verweilen und sich darüber vertieft Gedanken zu machen. Hier spielt die Spannung dem Autor schön in die Hände. Er holt die Leser ab, lässt sie hauptsächlich durch Wallys Augen an den Ereignissen teilhaben und füttert sie mit Zusatzinformationen, die ihnen einen kleinen Wissensvorsprung verleihen und sie zu Mitstreitern machen, die der Auflösung des Geheimnisses ebenso entgegen fiebern, wie die jungen Protagonisten selber.

So überzeugend der Autor die jugendlichen Protagonisten skizziert, so schwer tut er sich allerdings mit den Erwachsenen. Beim russischen Bösewicht greift er etwas gar tief in die Schublade des abgrundtiefen Verwerflichen und knüpft damit leider an ein uraltes Gut-Böse-Muster an, das die Russen als absolutes Feindbild geradezu zelebriert. Das hinterlässt einen etwas schalen Geschmack, der dem ansonsten außergewöhnlichen Thriller leider etwas von seiner Substanz nimmt.

FAZIT

William Richter bietet einen knallharten Jugenthriller an, der auch ein erwachsenes Publikum zu fesseln vermag. Die ungewöhnliche Story bietet viel Tempo, spannende Charaktere und letztlich eine überraschende Auflösung. Hätte der Autor auf die klischeehafte Zuteilung von Gut und Böse verzichtet, wäre hier weit über dem Durchschnitt liegender Thriller vorgelegen.

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