Lilith Parker und das Blutstein-Amulett

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Gibt es so etwas wie Engel überhaupt? Karou, die in Prag studiert, ist der festen Überzeugung, dass die himmlischen Heerscharen eine Erfindung sind und dass die Bibel hier keine Tatsachen sondern mehr einen Gedanken in Figuren gepackt hat. Bis sie über der Karlsbrücke in einen höchst realen, immerwährenden Kampf der Engel gegen die Chimären verwickelt wird.

Inzwischen hat Karou ihre Erinnerung an ihr früheres Leben wieder gefunden: Einst gehörte sie zu den Chimären, Seelen, die in künstlich erschaffenen Körpern aus Mensch und Tier wiedererschaffen werden. Damals hat sie etwas Undenkbares getan: Sie hatte sich in einen Engel verliebt und wurde vom weißen Wolf, dem Kriegsführer der Chimären geköpft.

Brimstone, ihr Mentor, erweckte sie im Körper eines jungen Mädchens wieder zum Leben und ließ sie ohne Erinnerung an ihr früheres Leben aufwachsen. Nun, nach der Ermordung Brimstones und der Vernichtung des Chimärischen Heeres ist es an ihr allein, ihre Rasse nicht untergehen zu lassen. Während die Engel gnadenlos Jagd auf alle überlebenden Chimären machen, erschafft Karou in ihrem Versteck im Atlasgebirge neue Chimären-Krieger. Dass sie dabei vom weißen Wolf gegängelt, ja gefangen gesetzt wird, ist dabei noch ihr geringstes Problem – sie kann den Engel Akiva, in den sie sich schon zweimal verliebt hat, nicht vergessen ...

Stand der Auftaktband der Trilogie ganz im Zeichen der Liebe zwischen einem Menschen / Chimären und einem Engel, so kann man vorliegenden Mittelband unter dem Überschrift "Krieg" zusammenfassen. Akiva geht davon aus, dass seine große Liebe tot ist, dass er für die Vernichtung aller Chimären verantwortlich ist. Tief in Depressionen versunken sucht er, zusammen mit seinen beiden Geschwistern, den Krieg zu beenden.

Währenddessen trauert Karou nicht nur um ihren Pflegevater und dessen Freunde, sondern auch um ihre Liebe. Ausgerechnet der Engel, in den sie sich nun bereits zum zweiten Mal verliebt hat, ist dafür verantwortlich, dass ihre Rasse fast ganz ausgelöscht wurde. Sie empfindet den Verrat um so schmerzlicher, als sie nun gezwungen ist, mit und für den weißen Wolf zu arbeiten.
Dabei beschäftigt sie im Hintergrund immer die Frage, wem sie nur trauen kann, wer wirklich auf ihrer Seite steht.

Gerade diese Darstellung des Verlusts jeglichen Halts und Vertrauens hat die Autorin mustergültig festgehalten und in den Plot integriert. Hier wartet nicht das Hochgefühl einer neuen großen Liebe auf die Leser/innen, sondern es wird auch thematisiert, dass jeder, der sich einem Anderen öffnet zunächst Vertrauen investieren muss, und dabei naturgemäß verletzlich wird. Das wirkt von der Aufstellung her wesentlich dunkler, problembehafteter als der erste Band, in dem es "nur" darum ging, dass sich die Beiden Liebenden finden. Hier werden Probleme, die sowohl von außen kommen als auch im Verhältnis zueinander die Protagonisten beschäftigen, thematisiert.

Geschickt baut die Autorin dabei ihre Bühne weiter aus, schildert uns, neben den zwischenmenschlichen Verwerfungen, vom verzweifelten Versuch Akivas den Krieg zu beenden und stellt die Grausamkeiten des Genozids deutlich und nicht beschönigend dar.

Trotz all der traumatischen Geschehnisse aber verliert Karou nie den Mut, sondern bleibt aktiv, lehnt sich gegen ihr Schicksal auf und versucht ihr Leben in Eigenregie zu führen. Akiva dagegen versinkt in Depressionen und Selbstmitleid. Erst als er neue Ziele ausspäht und verinnerlicht, nimmt er bildlich gesprochen sein Leben wieder in die Hand und schreitet voran. Der häufige Wechsel der Erzählperspektive trägt zum einen dazu bei, dass der Leser den Krieg zwischen den Rassen aus der Nähe beobachten kann, stört aber auch ein wenig den Erzählfluss.

Fazit

In gewohnt detailreicher Ausführung thematisiert die Autorin vorliegend den Vertrauensverlust einer Liebe und die Grausamkeit des Krieges, behält aber die Hoffnung auf die Liebe ihrer beiden Hauptpersonen nach wie vor im Visier.

Couch-Wertung:

8

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Carsten Kuhr
Lilith Parker ist erwachsen geworden

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Okt 2013

Vor gar nicht einmal allzu langer Zeit hätte Lilith Parker jeden, der ihr von der Existenz von Vampiren, Hexen und Magiern oder Werwölfen erzählt hätte, lauthals ausgelacht. So etwas gibt es doch nur in verrückten Büchern und noch verrückteren Filmen.

Doch dann zog sie, da ihr Vater mal wieder als Archäologe in der Weltgeschichte unterwegs war, zu ihrer Tante auf die abgelegene Nebelinsel Bonesdale. Hier lernte sie nicht nur Untote und übernatürliche Wesen kennen, sie entpuppte sich selbst auch noch als Banshee und Trägerin des Bernstein-Amuletts, das sie zur Führerin der Nocturi machte. Im Kampf gegen Erzdämonen musste sie sich ebenso beweisen, wie gegen ihre neidische Cousine. Gut, dass sie dabei wirklich gute Freunde gefunden hat, die ihr mit Rat und wichtiger noch Tat zu Seite stehen.

Dieses Mal erreicht sie ein Hilferuf. Die tief im Gebirge verborgen gelegene Stadt der Vampire in Rumänien wird von gnadenlosen Vampirjägern angegriffen. Nur mit Hilfe der vereinten Kräfte des Bernstein-Amuletts und des in den Karpaten befindlichen Blutstein-Amuletts kann der magische Schutz verstärkt und der tödlich erkrankte Herrscher der Vampire vielleicht gerettet werden. Zusammen mit ihrer Cousine Rebekka, ihrem Dämon Strychnin und ihrem Menschenfreund Matt macht sie sich auf nach Rumänien – wo sie schon von einem Verräter und einem alten Gegner erwartet wird ...

Lilith Parker ist erwachsen geworden. Mit ihren fast 14 Jahren hat sie schon einiges erlebt, musste sich ihrer Verantwortung stellen und schwierige Entscheidungen treffen. Dies spiegelt sich auch in der Zeichnung ihres Charakters wider. Sie wird vielschichtiger und differenzierter als bislang porträtiert, und auch der zwischenmenschliche Bereich rückt weiter in den Vordergrund. Wird sie mit Matt zusammenkommen und was wird ihre beste Freundin, die in Matt verliebt ist, dazu sagen? Und wie wird sie auf die ständigen Sticheleien Rebekkas reagieren?

Mehr noch, die Autorin fasst dieses Mal, gut verpackt in eine sehr spannende Handlung, heiße Eisen an. Indirekt geht es um Diskriminierung und Fremdenhass, um Egoismus und Moral und das alles sehr unterhaltsam und kurzweilig aufbereitet.

Dass Sympathieträger sterben, fügt dem Roman, der erstmals in einem veritablen Cliffhanger endet, eine weitere ernste Ebene hinzu der den Ernst des Lebens beleuchtet.

Fazit

Der dritte Band der Reihe Lilith Parker und das Blutsein-Amulett liest sich angenehm und ohne die Leser/innen zu überfordern. Dabei baut die Autorin Janine Wilk auf den bekannten Figuren auf, entwickelt diese wie auch die Handlung weiter und fügt geschickt ernste Themen ein.

Lilith Parker und das Blutstein-Amulett

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