Lockwood & Co. - Bd. 1: Die seufzende Wendeltreppe

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Zweimal schon waren Modo, das missgebildete Findelkind das sein Äußeres nach Belieben verändern kann, und Octavia als Agenten der Ewigen Allianz im Einsatz. Im Dienst des Britischen Empires setzten sie ihr Leben ein, um die Agenten der Clockwork Guild in ihrem Treiben, die Weltherrschaft an sich zu reißen zu stören.

Mister Socrates, ihr Agentenführer entsendet Moro dieses Mal in ein Irrenhaus. Bedlam ist berühmt-berüchtigt dafür, dass in seinen dicken Mauern, durch die kein Laut, kein Schreien nach Außen dringt, die berüchtigtsten Subjekte des Königreichs sicher verwahrt werden. Und hier trifft Modo, in Verkleidung eines arrivierten Arztes auf einen Forscher, der in der australischen Kolonie ins Auge Gottes geschaut hat.

Vor Jahrtausenden siedelten sich, von Westen kommend, Ägypter mitten im australischen Urwald an. Und sie brachten etwas mit, das als ultimative Waffe dienen könnte, das Gottesgesicht, das alle, die es anschauen in den Wahnsinn treibt.

Als Mr. Socrates erfährt, dass Agenten der Clockwork Guild nach Down Under reisen, um dort den Tempel und seinen Schatz zu suchen, schifft er sich , begleitet von seinen Agenten ebenfalls ein. Hoch über dem australischen Dschungel kommt es, in dampfbetriebenen Luftschiffen zum ersten Aufeinandertreffen der Expeditionen, bevor es im Tempel selbst zur entscheidenden Schlacht kommt ...

Der dritte Band des auf vier Teile ausgerichteten Steampunk Serie las sich ein wenig – nun nennen wir es einmal zwiespältig.

Steampunk, das ist eine Spielart der Fantasy, die im viktorianischen Zeitalter angesiedelt, phantastische, dampfbetriebene Erfindungen in den Mittelpunkt einer abenteuerlichen Handlung stellt.

Dies war in den ersten beiden, inhaltlich, wie von ihrer Ausführung her überzeugenden Romanen der Reihe der Fall. Und auch vorliegend fliegen künstliche Falken auf Erkundungsmission, setzt eine Agentin der Clockwork Guild ihren künstlichen Armersatz zu finsteren Zwecken ein und fliegen lenkbare, dampfbetriebene Luftschiffe über den strahlend blauen Himmel Australiens. In Verbindung zu einer verlassenen, im ewigen Grün des australischen Dschungels verschwundenen alt-ägyptischen Stadt hätte ich mir eine wirklich begeisternde Geschichte erhofft – allein, dazu kam es nicht.

Lange, viel zu lange für meinen Geschmack brauchen unsere Abenteurer, bis sie endlich die ehemalige Strafkolonie erreicht haben, dafür geht es dann vor Ort "holter di polter" im Schweins-Galopp voran.

Statt uns von der beeindruckenden Natur Australiens zu berichten erfahren wir lediglich, dass der Dschungel überwuchernd und grün sei, der ägyptische Tempel beeindruckend. Hier macht Slade zu wenig aus seiner Ausgangslage, nutzt die Steilvorlage einer faszinierenden Naturkulisse nicht aus. Lediglich die Emanzipation Modos, der sich von seinem Gewissen getrieben mit seinem Förderer Mr. Socrates anlegt, und diesem erstmals widerspricht und dessen Anweisungen in Frage stellt, vermochte mich ein wenig zu versöhnen.

Fazit

Nach zwei herausragenden Teilen nutzt der Autor die Möglichkeiten, die sich ihm vorliegend mit dem australischen Handlungsort bieten zu wenig, um wirklich überzeugen zu können.

Couch-Wertung:

9

Leser-Wertung

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Carsten Kuhr
ein wenig britischem Humor, Selbstironie und jede Menge abenteuerliche Action

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Okt 2013

Seit sich die Geister der Toten aus ihren Gräbern erheben, ist die Welt nicht mehr dieselbe wie vorher. Überall brennen Geisterlichter, wer es sich leisten kann, verbrennt nachts Lavendel vor der Tür oder leitet gar fließendes Wasser über die Grenzen seines Grundstücks.
Um die wandelnden Geister zu bannen braucht es Spezialisten – Menschen, die eine besondere Begabung haben, die Geister sehen, ja mit ihnen kommunizieren können. Gerade Heranwachsende haben sich als besonders empfindlich für diese Gaben erwiesen, einmal jenseits der Zwanzig verkümmert ihr Talent. So ist es an den Teenagern mit Silberdegen, Eisenspänen und Salz des Nachts dafür zu sorgen, dass die unruhigen Geister zur endgültigen Ruhe gebettet werden. Und dies erweist sich als großes, noch dazu lukratives Geschäft.

Neben den ganz Großen der Branche hat sich Anthony Lockwood selbständig gemacht. Zusammen mit dem schrulligen George, der für die Recherchen zuständig ist, und Lucy, die Geister nicht nur sehen sondern auch hören kann, will er sich seinen Platz am reich gedeckten Tisch der Geister-Agenturen sichern.

Dass bei einem Einsatz dann das Haus ihres Klienten abbrennt erweist sich als fatal. Nicht nur die BEBÜP (Behörde zur Erforschung und Bekämpfung übersinnlicher Phänomene) ist hinter ihnen her, sechzig-tausend Pfund Schadensersatz fordern die Eigentümer des abgebrannten Anwesens. Dass Lucy ein Medaillon des ermordeten, im Haus umgehenden Opfers mitgenommen hat, darf die BEBÜP nicht erfahren, sonst sind Lockwood & Co ihre Lizenz gleich los. Doch wer hat die einstige glamouröse Schauspielerin ermordet, und wer will nach über 50 Jahren das Verbrechen weiterhin vertuschen?

Als Retter in der Not taucht ein reicher Industrieller auf, der ihnen als Lohn für einen gefährlichen Auftrag die Übernahme der Kosten des Schadenersatzes in Aussicht stellt. Doch vorher müssen sie das Rätsel um die seufzende Treppe und das Rote Zimmer lösen – Rätsel, an deren Lösung schon viele Agenten gescheitert sind - für immer gescheitert, fand man ihre Leichen doch morgens im Roten Zimmer. Und dann stellt sich heraus, dass beide Fälle miteinander in Verbindung stehen ....

Jonathan Stroud hat die Herzen der Leser mit seiner Bartimäus Trilogie im Sturm erobert. Seitdem aber hat er, abgesehen von einem weiteren Bartimäus Roman, nicht mehr wirklich punkten können.

Nun hat man als Autor zumeist nur einmal einen solch genialen Einfall wie die Geschichte des vorlauten Dschinns und seines Meisters. Vorliegend aber setzt Stroud wieder Segel zu einer neuen Serie mit Bestseller-Attributen.

Die Welt, von der er uns erzählt, ist, gerade weil sie im Hier und Jetzt fußt und lediglich um die Geistererscheinungen bereichert wurde, in sich überzeugend. Mehr aber als diese selbst, faszinieren die jugendlichen Protagonisten den Leser. Aus Sicht von Lucy, die es in ihrer Kindheit wahrlich nicht leicht gehabt hat, erzählt, schlüpft der Leser mühelos in die Rolle der Geisterjägerin. Durch deren neugierige Augen erhält man einen intimen Einblick in die Arbeit der Agenturen, macht sich auf die detektivische Suche nach dem Mörder, erduldet die Anfeindungen der etablierten Agenturen und ihrer Agenten, schlägt sich mit dem Bürokratiemonster der BEBÜP herum und stürzt sich heldenhaft in den Kampf gegen Geister der II. und III. Art. Das liest sich herrlich spannend und kurzweilig, bietet Abenteuer und eine Kriminalhandlung, dazu jede Menge übersinnlicher Erscheinungen und Geheimnisse, so dass für Aufregung und Faszination gesorgt ist.

Fazit:

Mit Lockwood & Co knüpft Jonathan Stroud an alte Stärken an, verwöhnt den Leser mit markanten Figuren, einer phantasievollen, durchdachten Handlung, ein wenig britischem Humor, Selbstironie und jeder Menge abenteuerlicher Action.

Lockwood & Co. - Bd. 1:  Die seufzende Wendeltreppe

Lockwood & Co. - Bd. 1: Die seufzende Wendeltreppe

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