Das Frankenstein-Projekt

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Die letzten Jahre waren für Stephanie nicht eben einfach. Seitdem sie ihren Großvater, einen sehr erfolgreichen Horror-Autor beerbt hat, hat sich ihr Leben rapide gewandelt. Anlässlich der Beisetzung ihres Opas hat sie Skulduggery Pleasant kennen gelernt, einen Detektiv. Nun sich Detektive als solche schon interessant, besonders natürlich für einen Teenager, doch Skulduggery ist ein besonderer Detektiv. Im Auftrag des Sanktuariums sorgt er dafür, dass die Menschen nicht bemerken, dass Magier unter ihnen wohnen. Habe ich schon erwähnt, dass Skulduggery nicht nur einen Bentley fährt, sondern auch ein wandelndes Skelett ist?

Nun, das ist beileibe nicht das Ungewöhnlichste was Stephanie, deren wahrer magischer Name Walküre Unruh lautet, in den nächsten Jahren begegnet. Während ihr Spiegel-Ich ihr normales Schul- und Familienleben für sie übernimmt, tritt sie gegen finstere Mächte, intrigante Magier und Möchtegern-Diktatoren an und  verhindert die Wiederkehr der alten Götter.

Dieses Mal aber geht so ziemlich alles schief, was nur schief gehen kann. Alles beginnt damit, dass plötzlich ganz normale Menschen magische Fähigkeiten entwickeln. Vier Jugendliche offenbaren dabei nicht nur außergewöhnlich mächtige Gaben, sie nutzen sie auch skrupellos um Unschuldige zu verfolgen und zu ermorden.

Als Walküre und Skulduggery sich auf ihre Fährte setzen, erwartet sie eine handfeste Überraschung. Selbst ihnen gelingt es mit all ihrer Routine nicht, die Kids aufzuhalten. Doch was steckt hinter der magischen Infektion der Menschen?

Die Spur führt zu einem Mann, der vor Jahrzehnten verschwand. Ein Pazifist war er, ein Zauberer, der seinen wahren Namen kennt und damit über Kräfte wie ein Gott verfügt. Um diesen aufzuhalten, muss er zunächst einmal gefunden werden. Doch da wird Walküre in eine Parallelwelt versetzt, der Orden der Magier entsendet ungewollte Hilfe für die bedrohten irischen Zauberer, Zombies bekommen neue Körper und ein Krieg der Sanktuarien droht ...

Das ungewöhnlichste Detektivpaar der Welt ist zurück – und, wie wir dies von Walküre Unruh und Skulduggery Pleasant gewohnt sind, geht es wieder ab, dass einem bei der Lektüre kaum Zeit bleibt, Luft zu holen.

Im Verlauf der mittlerweile sechs Bände hat sich Walküre von einem schüchternen Mädchen zu einer anpackenden Heldin entwickelt – was blieb ihr angesichts solcher Gegner wie toten Göttern oder wirklich fiesen Massenmördern auch anders übrig.

Im bislang umfangreichsten Roman der Reihe fährt Landy auf, was gut und teuer ist. Alte Bekannte spielen wieder mit, längst besiegt geglaubte Gegner recken in der Parallelwelt ihr Haupt zu neuen Untaten, es gibt jede Menge unerwarteter Wendungen. Wie bereits in den letzten beiden Romanen der Reihe nimmt nicht nur das Tempo und die Action rasant zu, auch die Gewaltdarstellungen erreichen ein für ein Jugendbuch ungewöhnlich hohes Maß. Da werden Menschen in der Luft zerrissen, Gliedmaßen liegen abgerissen am Boden, Opfer geköpft. Das ist von der Darstellung her grenzwertig, zumal hier eine moralische Eingruppierung der Taten doch recht oberflächlich bleibt.

Auch die Entwicklung der Charaktere unseres Helden-Duos kommt kaum voran. Zunächst ordnet sich alles der Handlung unter, die den Leser dafür dann aber auch förmlich mitreißt. Erst sehr spät, dann dafür aus einer ganz unerwarteten Richtung, ändert sich die Fixierung auf den Kampf. Plötzlich, gegen Ende des Buches, geht es verklausuliert um Selbstbestimmung, um Freiheit und die Suche nach Selbstverwirklichung. Die Loslösung vom Elternhaus ist ebenso abgeschlossen wie die Suche nach ihrem Platz in der Welt. Hier hält das Buch nichts Weiteres für den Leser bereit.

Fazit

Erneut wartet ein Action-Blockbuster auf die Skulduggery-begeisterten Leser, in dem die rasant und gewaltbetont aufgezogene Handlung dominiert.

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
relativ oberflächlich, aber sehr spannend

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Okt 2013

Es ist schon erstaunlich, was manche Menschen bei eBay nicht alles versteigern. Alte, kaputte Sachen finden da so manches Mal einen Käufer, warum der neue Besitzer für Abfall bietet, bleibt meist ein Mysterium. Auch Adrian ist ein solch etwas merkwürdiger "eBayer". Statt sich um seine nicht eben berauschenden Mathenoten zu kümmern, bietet er mit Hilfe der Kreditkarte seiner Tante, bei der er als Waise aufwächst, für einen alten Koffer mit ein paar unbeschriebenen Pergamentblättern. Dass er dabei Konkurrenten hat ahnt er zunächst nicht. Dass es sich bei seinen Mitbietern um den britischen Geheimdienst und skrupellose Gangster handelt noch viel weniger. Was sollen diese auch von einem Koffer mit leeren Blättern wollen?

Die Tatsache, dass Adrian den Zuschlag erhält verdankt er nicht zuletzt einem PC-Crash des Geheimdienstes. Dann aber beginnen die Ereignisse erst so richtig merkwürdig und gefährlich zu werden:
Seine Tante wird ermordet, er flieht, unterstützt von einem Ex-Agenten in die Schweiz, ein Unsichtbarer heftet sich ebenso auf seine Fährte, wie der britische Geheimdienst und so nebenbei macht er die Bekanntschaft einer faszinierenden Taschendiebin.

Was nur kann so wertvoll sein, dass Menschen dafür morden? Als Adrian die Blätter mit Zitronensäure behandelt, kommt er einem Geheimnis auf die Spur, das die Welt aus den Angeln heben könnte – Professor Victor Frankenstein und seine von den Toten zu neuem Leben erweckte Kreatur sind beileibe keine Erfindung gewesen – und die Blätter enthalten einen Hinweis auf den Ort an dem die Apparaturen und das Rezept zu Erweckung der Toten versteckt sind ...

Phantastisch angehauchte Thriller sind gegenwärtig in Mode in den Jugendbuchverlagen. Robert C. Marley klinkt sich in die Phalanx ein und macht dies vordergründig betrachtet sogar recht gut. Geschickt baut er seine Protagonisten auf. Insbesondere die beiden Jugendlichen – der eine ein Waisenknabe, die Andere eine Taschendiebin deren Eltern verhaftet wurden – decken den Mitleidsfaktor ab; ihr Begleiter, eine ehemaliger Geheimagent mit einem dunklen Geheimnis, sorgt für gefährliche Exotik, die Gegner werden als skrupellos und brutal porträtiert.

Vermengt hat dies der Autor mit der Frankenstein-Saga, ein wenig James Bond Flair und jeder Menge Action. Sogar ein wenig Humor findet seinen Platz im Text, der flüssig und spannend, wenn auch nicht ganz ohne Brüche abläuft. Was mir, insbesondere bei einem Jugendbuch vorliegend gefehlt hat, das war die lebensechte Zeichnung der Charaktere. Wenn ich als Heranwachsender meine einzigen Bezugspersonen aufgrund eines brutalen Mordes verliere, dann bin ich geschockt bis hin dazu, dass ich vor Furcht und Ausweglosigkeit gelähmt bin. Anders unser Adrian, der sich ganz ins Abenteuer stürzt, nicht reflektiert, geschweige denn zusammenbricht. Das ist unglaubwürdig und verhindert, dass das Buch wirklich Tiefgang bekommt. Demgegenüber erweisen sich die Gimmicks der Agenten als liebevolle Persiflage auf entsprechende Kinofilme und unterhalten gerade in Verbindung zu dem Frankenstein-Mythos bestens.

Fazit

Marley legt einen relativ oberflächlichen, aber sehr spannend zu lesenden Thriller vor, der Frankenstein mit 007 verbindet.

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