Das Gesetz des Chronos - Chroniken der Weltensucher (5)

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Sie waren alle bereits tot, ihr Ableben nur noch Sekunden entfernt, dann wurden die Jugendlichen von Unbekannten vor eine Wahl gestellt, die eigentlich keine war. Entweder ihr Schicksal würde sich erfüllen, sie also sterben, oder sie verpflichten sich einer unbekannten Organisation, den Time Riders, die Eingriffe in die Zeitlinie rückgängig machen. Zeitreisen sind, wenn auch möglich, streng verboten und immer wieder greifen skrupellose Menschen ein, um eine ihnen genehme Gegenwart und Zukunft zu erzeugen.

In den bisherigen Abenteuern der Gruppe mussten diese sich bereits mit Dinosauriern, der Weltherrschaft der Nazis und den Rittern des Mittelalters auseinandersetzen. Was kaum einer der Agenten weiß ist, dass jeder von ihnen, der durch die Zeit reist, dabei zellular so geschädigt wird, dass er rapide altert. Mit jeder Zeitreise verlieren die Agenten fünf Jahre ihres Lebens. Dies ist auch der Grund, warum sie in solch jungen Jahren dienstverpflichtet wurden.

Dieses Mal hat ein Unbekannter Abraham Lincoln getötet. Als sie den Routineauftrag erledigen wollen und den Führer der Nordstaaten - den Mann der die Sklaverei in Amerika abgeschafft hat - vor dem Fuhrwerk, das ihn überfahren soll, retten, passiert etwas Unerhörtes! Abraham Lincoln schmuggelt sich unter die Reisegruppe und reist, von ihm aus gesehen, in die Zukunft. Dies führt dazu, dass sich ihr Quartier in New York plötzlich mitten im Zielfeuer eines seit Jahrhunderten andauernden Krieges befindet.

Der Krieg der Union und der Konföderierten hat nie geendet, Europa trägt seinen Zwist mittlerweile als Stellvertreterkrieg am Hudson aus, ihr Hauptquartier, sie selbst sind unmittelbar bedroht, ihre Mission scheint gescheitert zu sein.

Während Liam und Sal mit Hilfe von Bob versuchen Abraham von Virginia nach New York zu bringen, ist im Hauptquartier Panik angesagt. Die Zeitreisemaschine ist zerstört. Hilfe könnte nur aus der ihnen fremden Welt kommen – und dazu müssten die Gegner beschießen zusammen zu arbeiten – eigentlich undenkbar …

Alex Scarrows Zeitreise-Serie um die Time Riders erfreut sich nach wie vor großen Zuspruchs. Die Mischung aus packenden Abenteuer und geschichtlichem Hintergrund stimmt. Der Autor recherchiert seine Ausflüge in die Historie sehr genau, so dass er immer viel Wissenswertes über die Ära in seinen Text einfließen lassen kann. Sei es die Ermordung John F. Kennedys oder, wie vorliegend, die Jugend Abraham Lincolns. Geschickt greift er Wendepunkte auf, die dafür sorgten, dass unsere Welt sich zu dem entwickelte, als die wir sie kennen.

In dem vierten Band der Time Riders wendet er sich einem sehr amerikanischen Thema zu. Der Sezessionskrieg, die Union der Nordstaaten gegen den Süden wird bei uns eigentlich immer nur als eine Auseinandersetzung der Sklavenhalter gegen die wahrgenommen, die das Sklaventum abschaffen wollten. Hier differenziert der Autor, zeigt auf, dass Lincoln die Sklaverei nur abgeschafft hat, um dem Süden die Unterstützung durch England zu entziehen.

Des weiteren nimmt der Autor, zwar verklausuliert, aber deutlich zu Rassismus Stellung. Er zeigt sehr beeindruckend auf, wie die Menschen damals gedacht haben, dass sie sich eben gerade nicht bewusst waren, wie sie die dunkelhäutigen Sklaven als rechtlose Menschen zweiter Klasse ansahen, sondern dass die Realität, das Denken und Handeln einfach so war, ohne dass man dies jemals hinterfragt hätte.

Natürlich ist von Beginn an klar, dass unsere Helden ihre Zeitlinie einmal mehr würden retten können, allein der Weg dahin war so nie vorhersehbar. Auch das Problem, dass die Zeitreisen dazu führen, dass die Agenten rasant altern bleibt immer im Hintergrund präsent und bereichert die Serie mit einem dunklen, bedrohlichen Aspekt.

Fazit:

Sprachlich unauffällig behandelt der Roman eine ur-amerikanische Begebenheit, zeigt uns das damalige Leben und Denken und unterhält einmal mehr spannend und routiniert.

Couch-Wertung:

9
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Carsten Kuhr
Krönender Abschluss zwischen Mammuts und Robotern

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Aug 2013

Wohin hat es Carl Friedrich von Humboldt, den unehelichen Sohn des berühmten Forschers und seine Gefährten nicht schon verschlagen. In Südamerika lernten sie einen Stamm kennen, der auf fliegenden Booten durch die Luft gleitet, in den Tiefen des Mittelmeeres stießen sie auf die Überreste von Atlantis, in Afrika trafen sie auf einen uralten Fluch und in Indonesien reisten sie ins Innere der Erde.

In ihrem letzten Abenteuer aber geht es noch phantastischer zu. Doch beginnen wir am Anfang; - Kaiser Wilhelm II und seine Gattin werden auf offener Straße von einem Attentäter erschossen, die Tat den Sozialisten in die Schuhe geschoben. Während die Verschwörer versuchen eine Militärjunta an die Macht zu hieven forschen Humboldt und sein Partner Professor Pfefferkorn an einer Maschine, mit der man durch die Zeit reisen kann. Als sie erfolgreich sind, werden sie zu einer Gefahr für die Verschwörer. Die Bedrohung, dass Humboldt das Attentat nachträglich ungeschehen machen und die Täter entlarven könnten führt dazu, dass er und die seinen zur Zielscheibe werden. Eine Kugel reißt einen aus ihrer Mitte, die Zeitmaschine soll ihm entwendet und zur Machtsteigerung eines übermächtigen Deutschlands missbraucht werden. Ein Ausflug in die Zukunft weist den Weg – Ruinen, Krieg und Leid sind die Folgen dieser Entwicklung bei der in ferner Zukunft die Menschen durch eine Roboterzivilisation abgelöst werden. Während die Verschwörer Humboldt und seine Freunde immer mehr in Bedrängnis bringen ahnt Humboldt, dass er an einem Wendepunkt der Geschichte angelangt ist …

Nachdem Thomas Thiemeyer in den bisherigen Romanen um die Chronik der Weltensucher eher exotische Weltgegenden besucht hat, bleibt er vorliegend der Hauptstadt des Deutschen Reiches treu. Die Kuppel des Reichstags, der Dom und die Spreeufer sind zwar nicht so faszinierend, wie wild-malerische Naturgegenden in weit entfernten Regionen, dafür entschädigt aber ein Plot, der es in sich hat.

Auf den Spuren eines H. G. Wells entführt uns der Autor ins Wilhelminischen Berlin sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft. Mammuts und Roboter sind eine seltsame Mischung, und doch passt sich alles in ein sinnvolles Ganzes ein. Neben der spannenden Handlung die vorliegend eher einem Thriller – Verschwörung inklusive – entspricht als einem Abenteuer-Roman lässt der Autor dann auch wieder unterschwellig so einige wichtige Überlegungen einfließen. So warnt er vor Extremismus in jegweder Form, vor übersteigerten Nationalstolz und vor der Beschneidung der Freiheitsrechte, möge der Anlass auch noch so nachvollziehbar sein.

Nach den Entwicklungen im vorhergehenden Band wird die emotionale Beziehung zwischen Oskar und Charlotte dieses Mal nicht mehr groß thematisiert, die Charakterentwicklung der Beiden scheint weitgehend abgeschlossen zu sein. Sie haben sich gefunden, statt dessen ist erstmalig der Verlust eines Symathieträgers zu schultern. Auch wenn für echte Trauerarbeit keine Zeit bleibt, merkt man den Gestalten und ihren Handlungen an, dass der Schock tief sitzt. Nur die Bedrohung von außen zwingt unsere Protagonisten dazu, sich auf den Alltag zu besinnen und den an sie herangetragenen Kampf anzunehmen.

Mir persönlich fehlte ein wenig die Exotik der bisherigen Romane, die unerforschten Gegenden, in denen Thiemeyer uns geführt hat, dafür erhielten wir ein auch in Details glaubwürdiges Bild des wilhelminischen Berlins. Natürlich ist es schade, dass der Autor sich entschlossen hat, die Reihe um Humboldt und seine Gefährten mit diesem Band abzuschließen und sich anderen Projekten zuzuwenden. Gerade weil es ihm gelungen ist der etwas angestaubten Subgattung des Abenteuerromans neue Aspekte abzugewinnen, neues Leben einzuhauchen und dabei nicht nur packende Romane für Jungs vorzulegen, sondern auch junge weibliche Leser anzusprechen fällt der Abschied schwer. Derartige Romane sind inzwischen kaum mehr aufzufinden, und gerade deswegen unter all den Vampir-Beauties, den romantisch angehauchten Dystopien und Fantasy-Epen wie ein frischer Wind im Bücherwald.

Fazit:

Aller Abschied fällt schwer, mehr noch, wenn eine Reihe von Romanen abtritt, die nicht nur spannend und packend, sondern auch tiefgründig zu unterhalten wusste.

Das Gesetz des Chronos - Chroniken der Weltensucher (5)

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