Ein dunkler Wille

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Beltz & Gelberg, 2012, Titel: 'Such Wicket Intent', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7
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Carsten Kuhr
Das Erbe der Frankensteins

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Aug 2013

In der freien Republik zu Basel nehmen die Frankensteins seit jeher eine gewichtige Rolle ein. Sie waren es, die dazu beitrugen das zarte Pflänzchen der Demokratie zu hegen und zu pflegen, sind entschieden dafür eingetreten, dass Basel als eine der ersten Städte einen demokratischen Rat gebildet hat.

Die zwei ältesten Kinder, die Zwillinge Victor und Konrad wachsen zusammen mit einer Nichte, Elisabeth genannt, auf. Als Konrad eine rätselhafte Seuche heimsucht, der alle Ärzte ratlos gegenüber stehen, wendet sich Victor der Alchemie zu – nicht ahnend, dass er damit nun in die Fußstapfen eines seiner Ahnherren tritt. Doch auch das Elixier des Lebens vermag den Bruder nicht zu retten, Konrad stirbt. Während Victor um seinen Zwilling trauert, dabei gleichzeitig seine unerwiderte Zuneigung zu Elisabeth hegt, findet er in den Resten der verbrannten Bibliothek seines Vorfahren ein Buch aus Metall. Darin eine Tinktur und eine merkwürdige Uhr.

Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm ins Reich der Toten einzudringen und dort seinen Bruder zu finden. Ein waghalsiger Plan reift heran. Zusammen mit Elisabeth und einem engen Freund will er aus dem Haar seines Bruders, Lehm und einem von der anderen Seite mitgebrachten Wesens einen künstlichen Leib für die Seele seines Bruders heranzüchten. Zunächst scheint der Plan zu gelingen, mehr noch, die Wesen aus den jenseitigen Welt versorgen Victor mit neuer Energie, verstärken seine geistigen Fähigkeiten und seine wissenschaftlichen Visionen – doch für alles muss ein Preis bezahlt werden, und dann regt sich nicht nur eine alte, längst gebannt geglaubte Gottheit, auch Konrad wird verraten …

Die wahre Geschichte des Victor Frankensteins beschäftigt sich, auf spannend zu lesende Weise, mit der fiktiven Jugend des Mannes, der sich später einmal, laut Mary Shelley zumindest, als Gott versuchen, und einen künstlichen Menschen erschaffen sollte.

Erneut thematisiert der Autor, wie bereits im ersten Band, die Dreiecksgeschichte um Elisabeth, Konrad und Victor. Hier erwarten den Leser große Gefühle, viel Drama ohne dass das Körperliche schon eine Rolle spielen würde. Im Hintergrund stellt Oppel sich, wie seinen Lesern die Frage, ob Victor wirklich in Liebe zu seiner Base entbrannt ist, oder diese, wie sie selbst annimmt, nur besitzen möchte, wie er alles was er sieht beherrschen will.

Nach wie vor sieht Victor sich selbst als derjenige der Zwillinge, der vom Schicksal benachteiligt wurde. Seinem Bruder fliegt alles zu, selbst die Zuneigung der Mutter, jetzt die Liebe der angebeteten Base, er selbst muss sich allen Respekt erarbeiten.

Eingebunden hat Oppel diese Frage erneut in das überzeugend ausgestaltete Bild der heranwachsenden Protagonisten. Das sind keine Erwachsenen im Körper von Jugendlichen, das sind Menschen, die im emotionalen Überschwang ohne groß nachzudenken handeln, die spontan und übermütig wirken, die aber auch immer wieder ins Zögern kommen, zweifeln und wankelmütig sind. Gerade dieser innere Widerspruch, der das Alter mit seinen hormonell begründeten Stimmungsschwankungen glaubwürdig widerspiegelt, trägt zur großen Faszination des Romans bei. Dazu gesellen sich mit dem leider recht diffus bleibenden Reich der Toten und dem erwachenden Gott der Urzeit weitere interessante Anknüpfungspunkte. Zwar fehlt der Fortsetzung ein wenig eine solch skurrile Figur wie Polidori aus dem ersten Teil, doch der phantastische Handlungsort und die Geheimnisse tief unter dem Familiensitz entschädigen hier.

Fazit:

Eine emotionale Dreiecksgeschichte um Liebe, Hoffnung und Opferbereitschaft verbindet sich mit alchemistischen Geheimnissen, der Suche nach dem körperlichen Leben nach dem Tod und der Schaffung neuen Lebens zu einem packenden Schmöker der auch stilistisch zu überzeugen weiß.

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