Das Gesetz des Chronos

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

Ria und die Studentengruppe werden von einem Teil des Clans Schwarzdorn akzeptiert, die Mehrheit jedoch sieht in ihnen eine Bedrohung. Deshalb leben sie versteckt in den Ruinen unter der Stadt des Clans. Ria hat noch immer Probleme mit ihrem Vertrauen in die Sphären, kann kaum glauben, dass sie über die Außenwelt belogen wurden. Sie kümmert sich auf Wunsch Quirins um die Bibliothek. Aureljo will zurück in die Sphären, glaubt, ein Gespräch mit dem Präsidenten könne das Missverständnis klären, das zu ihrer geplanten Exekution geführt hat. Unter falschen Namen begeben sie sich in die Sphäre Vienna 2.

Vertiefung der Erzählung

Ursula Poznanski setzt ihre Trilogie als Thriller fort, erzählt eine Abenteuergeschichte über eine Gruppe von Menschen, die es aus ihrem vertrauten Lebensumfeld in eine andere Welt verschlagen hat. Sie müssen lernen, sich dort zurechtzufinden, sich mit einer anderen Kultur auseinander zu setzen und, da sie die Eindringlinge in die Clanwelt sind, Vertrauen herzustellen, nicht zuletzt, weil ihr Überleben davon abhängt.

Die Autorin entspricht der Begeisterung einer breiten an Fantasy interessierten Leserschaft für das Mittelalter, wenngleich nicht zwingend das historische, sondern Lebensbedingungen, die Leser damit verbinden. "Die Verschworenen" gibt dem viel Raum, thematisiert den Alltag betreffende Fragen, wodurch die Leser ein Gefühl bekommen für den Rhythmus des täglichen Lebens.

Die Kultur der Außenwelt ist eine traditionelle der Jäger und Sammler mit Ansätzen zur Landwirtschaft. Das Leben ist gefährlicher und zugleich freier als in den Sphären, in denen die Menschen eingeengt sind, überwacht werden und statt Freiheit Sicherheit haben – zumindest, solange sie sich nicht im Widerspruch üben.

Die Tage vergehen, es gibt kleine Scharmützel des Clans Schwarzdorn mit anderen Clans, immer wieder Tote und Verletzte, einen hinterhältigen Attentatsversuch aus den Sphären. In der Bibliothek findet Ria ein paar Seiten aus Jordans Chronik, denen sie Informationen entnimmt, mit denen sie aber noch nichts anfangen und über die sie noch mit niemandem sprechen kann. Mehr über den Ausbruch, die Lange Nacht, wird bekannt, auch über die Verschwörung, der die Studenten angehören sollen. Manche Menschen wissen darüber mehr, behalten dies aber noch für sich.

In den letzten Jahren hat der Klimakollaps als Motor für ein Endzeitszenario weitgehend ausgedient. Poznanski deutet in "Die Verschworenen" einen Vulkanausbruch als Ursache für die Katastrophe an. Denkt man an Phänomene wie Krakatau, ist es gar nicht so unrealistisch, zumal Wissenschaftler heute wieder verstärkt die Möglichkeit global wirkender Vulkanausbrüche und einer kleinen Eiszeit in Aussicht stellen.

Von der Außenwelt in die Sphären und wieder zurück

Konnte man im ersten Teil noch den Eindruck haben, die Trilogie verzichte auf die handelsübliche Romanze, deutet der zweite Teil die klassische Geschichte der Frau zwischen zwei Männern an, der eine ist ein Alphamännchen aus den Sphären, der andere eins aus der Außenwelt.

 

"Ich lasse es zu. Erwidere seinen Kuss, der, abgesehen von der Sonne, das Beste ist, was mir in der Außenwelt begegnet ist. Meine Hände streichen über ***s Taille, weiter nach hinten, ertasten die harten Stränge seiner Rückenmuskeln. Nicht denken. Nicht jetzt." (Im Buch steht statt *** natürlich der Name.)

 

Allerdings wird dieser Pfad zumindest unterbrochen, als die Flüchtigen unter falschen Namen vorübergehend in den Sphärenbereich zurückkehren. Dies bietet Gelegenheit, den Lesern mehr Informationen über die Sphären zu liefern. Ria nutzt den Aufenthalt in Vienna 2, Informationen zu sammeln und liest auch über den angeblichen Tod der sechs Studenten. Im Rahmen einer Gefangenenbefreiung kehrt sie in die Außenwelt zurück.

Die naive Vorstellung, der Staat sei eine Institution, der am Wohl der Menschen gelegen sei, wird in dystopischen Jugendromanen regelmäßig hinterfragt. Vom Aufbegehren gegen ein Herrschaftssystem, in dem Menschen nur Manövriermasse sind und ausgenutzt werden, ist im ersten Band nichts zu spüren, im zweiten wird der Weg bereitet. Heldin Ria hält sich als Rebellin noch sehr bedeckt, bislang durchaus plausibel. Sie erfährt nach ihrer Rückkehr zum Clan böse Dinge über Kinderraub, lebende Zeitbomben und den Sinn des Rituals, in dessen Verlauf Kinder mit sechs Jahren durch die Dornenhecke geschickt werden.

Fazit

Ursula Poznanski bleibt in Die Verschworenen im Sujet des Thrillers, baut ihre in Die Verratenen nur im Anriss beschriebene dystopische Welt weiter aus und hält das Interesse am Fortgang der Erzählung aufrecht.

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Das größte Abenteuer der Weltensucher ist eine Reise durch die Zeit. Doch den Lauf der Geschichte darf niemand verändern. Denn jeder Eingriff in unsere Vergangenheit findet sein Echo in der Gegenwart. So lautet das Gesetz des Chronos. Carl Friedrich von Humboldt baut an einer Zeitmaschine. Kann er das Attentat auf unseren geliebten Kaiser ungeschehen machen? So lautet im Juni 1895, einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf Kaiser Wilhelm II. und seine Gattin Viktoria, die Schlagzeile der Berliner Morgenpost. Aber Humboldt lehnt ab. Seine Forschungen zu den Gesetzen der Zeit seien rein wissenschaftlich. Unter keinen Umständen dürfe der Lauf der Geschichte verändert werden. Doch dann treten Ereignisse ein, die Humboldt umdenken lassen, und die Weltensucher müssen ihre bisher wohl gefährlichste Reise antreten.

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