Der Feuerthron - Die Kane Chroniken (2)

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

Da hatte Riley Blackthorne ja eigentlich wahrlich schon genügend Last auf ihren schmalen Schultern: Als einzige weiblicher Lehrling der Dämonenfänger-Gilde von Atlanta, Georgia, war sie Anfeindungen und Vorurteilen ausgesetzt. Ihr Vater, der allseits geachtete Dämonenfänger, war von einem Dämon der 5. Klasse ermordet worden und trotz aufopfernder Wacht seiner Tochter aus seinen Grab reanimiert und als Zombie entführt worden. Dazu sind ihr die Geldverleiher, bei denen sich ihr Vater zur Begleichung der Krankenhausrechnungen der an Krebs verstorbenen Mutter das Geld geliehen hatte, auf den Fersen. Sie hat sich nicht nur einmal, sondern gleich zweimal in den falschen Typen verliebt, ihre Unschuld einem gefallenen Engel hingegeben, sich mit den Inquisitoren der römischen Kirche angelegt und einen Betrug mit Weihwasser aufgedeckt – und dann der Gipfel.

Ausgerechnet sie, das junge Mädchen an der Grenze zur Frau, soll den Weltuntergang aufhalten – so zumindest die Sendboten von Himmel und Hölle, die ihr jeweils ihr Mal auf den Handrücken aufgerückt haben, beiden natürlich, ohne sie auch nur im geringsten nach ihrer Meinung zu fragen.

Während rund um sie herum die Welt zusammenbricht – mal ganz ehrlich, so schlimm ist das bei all dem Dreck, den Verbrechen, Dämonen und Magiern um sie herum nun auch nicht – soll sie neben ihren Gefühlen für den charismatischen Fänger Denver Beck und der Suche nach dem entführten Zombie-Vater nun also auch noch kurzerhand Armageddon aufhalten – wie uncool ist das? Schon macht sich neues Unheil bemerkbar: Zombie-Dämonen, denen Weihwasser oder geweihter Boden nichts anhaben kann – jetzt kann es wirklich nicht mehr schlimmer kommen: alles, was zwischen den Herausforderern Luzifers, den sphärischen arroganten Engeln und dem Weltuntergang steht, sind Riley und ihre wenigen Freunde …

Mal wirklich, was will die Autorin im für Oktober 2013 in Vorbereitung befindlichen Abschlussband ihrer Tetralogie da noch draufpacken? Geht da überhaupt noch mehr?

Auftritt Erzengel Michael – ja der Anführer von Gottes Engeln -, Auftritt des Morgensterns Luzifer und seines Herausforderers, dazu Magier, Zombiebeschwörer, jede Menge Dämonen, dann die Inquisition und die Fänger, vereint im aussichtslosen Kampf gegen Zombie-Dämonen, und eine oberfiese Reporterin, die um der Story willen über Leichen geht – das ist schon beeindruckend und kaum mehr zu überbieten. Angereichert wird die action-betonte Handlung mit einer Prise Romantik – da verrate ich jetzt lieber nichts weiter dazu, ich sage nur, für Riley bleibt es schwierig. Das bedeutet jede Menge Selbstzweifel, Verzweiflung und Dramatik pur und liest sich wie eine Fahrt in der Achterbahn inklusive 4-fach Looping. Immer wenn man als Leser denkt, jetzt ist alles aus, oder jetzt geht es endlich – Pustekuchen, schon hat sich Mrs Oliver wieder eine fiese Wendung einfallen lassen.

Natürlich punktet sie auch vorliegend mit ihrer markanten Heldin, der nichts, aber wirklich auch gar nichts geschenkt wird, mit einer Endzeitkulisse, in der sich die Menschen zum Überleben an Vieles angepasst haben, in der die Bösen nach wie vor versuchen, sich auf Kosten ihrer Mitmenschen zu bereichern und in der Habgier, Selbstsucht und Ungerechtigkeit herrscht. Ab und an findet man aber auch das zarte Pflänzchen des Mitleids, der Hilfe und Aufmunterung. Das wirkt realitätsbezogen, wenngleich alles natürlich vor der Kulisse Atlantas der Zukunft abläuft.

Wie schon in den ersten beiden Teilen hat es Jana Oliver verstanden, ihre Protagonistin griffig und altersgerecht zu zeichnen. Der Leser kann ihre Motivation nur zu gut nachvollziehen, weiß ganz genau, wie sie sich fühlt. Natürlich geht es um das erste Mal, um das Gefühl betrogen, ausgenutzt und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu gebracht worden zu sein, die Jungfräulichkeit hergegeben zu haben. Viele, zu viele der Leserinnen treffen hier ähnlich falsche Entscheidungen, lassen sich aus einer oftmals alkoholbedingten Laune zu etwas verleiten, das sie nüchtern betrachtet, vielleicht lieber noch hinausgezögert hätten, bis sie auf den Richtigen getroffen wären. Das stellt die Verbindung zum wirklichen Leben her, zeigt uns eine junge Frau, die ihrer selbst noch unsicher ist. Sie ist hin- und hergerissen ist zwischen unterschiedlichsten Männern, die sich um ihre Gunst bemühen, doch nebenbei muss sie aber ihr "normales" Leben weiterhin auf die Reihe bekommen.

FAZIT

Jana Oliver verbindet mit ihrem dritten Band Höllenflüstern – Riley Blackthorne – Die Dämonenfängerin (Forgiven) geschickt Alltagsprobleme der Zielgruppe mit einer wahrlich mitreißenden Action, unterhält spannend und packend und macht neugierig, wie die Autorin sich selbst da noch toppen will.

Couch-Wertung:

8
Praktikabilität

Leser-Wertung

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Carsten Kuhr
Rasante, action-lastige Lesekost

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Apr 2013

Willkommen zurück in ein Hier und Jetzt, in dem die ägyptischen Götter eine ganz besondere, geheime und dramatische Rolle spielen. Im ersten Teil lernten wir Carter und seine Schwester Sadie kennen. Früher einmal konnten sie sich nicht ausstehen. Während Carter seinen Vater, einen berühmten Ägyptologen rund um die Welt begleiten durfte, fristete Sadie bei ihren Großeltern ein eher langweiliges Dasein.

Doch dann änderte sich alles – ihr Vater opferte sich und nahm Osiris, den Ägyptischen Gott in sich auf, und regiert nun das vierte Haus in der Unterwelt. Unsere Beiden durften sich derweil mit Göttern, Dämonen und den Agenten des Lebenshauses herumschlagen. Damit nicht genug, nahmen sie zeitweilig Götter in sich auf und nutzten deren magische Kräfte. Um sich selbst nicht zu verlieren, oder der Versuchung der Macht anheimzufallen, durften sich Horus und Isis wieder den göttlichen Gefilden zuwenden. Unsere Beiden müssen mit dem auskommen, was sie selbst bewerkstelligen können. Nachdem es ihnen, allen Widrigkeiten zum Trotz, gelungen war, Seth zu besiegen und zu überleben, sollte eigentlich ein wenig Ruhe in ihr Leben einkehren.

Sollte, man beachte den Konjunktiv, doch da wird wohl nichts daraus. Vor Jahrtausenden wurde die Schlange Apophis eingekerkert, zur nächsten Tag-und-Nachtgleiche wird er sein Gefängnis sprengen und sich die Welt, wie wir sie kennen, einverleiben. Und nun ratet mal, wer einmal wieder als einzige das drohende Unheil verhindern soll?

Richtig, unsere beiden Helden. Sie haben ganze fünf Tage Zeit, sich etwas einfallen zu lassen. Dass Sadie eigentlich ihren 13. Geburtstag mit ihren Freundinnen in London feiern wollte, zählt da wenig. Es gilt, den seit tausenden von Jahren schlafenden Himmelsgott Re aufzuwecken. Doch wie nur soll man den senilen alten Knacker überhaupt aus seinem tiefen Schlummer reißen? Die Sonnenlitanei, eine in drei Teile zerrissene und an geheimen Orten versteckte Anrufung könnte den obersten Gott wecken – doch dazu müssen sie in den verbleibenden Tagen nicht nur die Teile der Rolle finden, sondern auch Re selbst ... ein Wettlauf beginnt, wie er abgedrehter, packender und überraschender kaum denkbar wäre…

In den Romanen um den Göttersohn Percy Jackson hat Rick Riordan der griechischen und römischen Götterwelt seine Referenz erwiesen, mit den Kane Chroniken erweitert er seinen pädagogischen Auftrag, die Bildung der Jugendlichen in der ganzen Welt ein wenig auf Vordermann zu bringen. Auf höchst vergnüglich zu lesende Art und Weise bringt er seinen Lesern die ägyptische Götterwelt näher. Verpackt hat er seine vorzüglich recherchierten Informationen in eine packende Handlung, die uns jeweils abwechselnd und in Form einer fiktiven Tonbandaufzeichnung von den beiden Geschwistern erzählt wird. Hier nutzt der Autor nicht nur die Möglichkeit, seine beiden Hauptpersonen sehr eigen und unterschiedlich zu zeichnen, was sich auch in einer ganz verschiedenen Sprache und stilistischen Unterschieden widerspiegelt, sondern auch immer wieder Kommentare des jeweils nicht erzählenden mit einzubringen. Dem einen Leser mögen die Kabbeleien zu viel des Guten sein, ich fand sie sehr erheiternd und den Text auflockernd.

In vorliegendem Roman konzentriert sich das Geschehen ein wenig auf Sadie. Hier flechtet der Autor noch erste romantische Probleme ein – wen soll Sadie erwählen, den Menschen Walt oder den Todesgott Anubis? – und lässt unsere Heldin wider Willen sich verhalten, wie es Teenager eben tun. Der Geburtstag ist wichtiger als die Rettung der Welt – gut für letztere, dass die Götter und das Schicksal das ein wenig anders sehen.

Anders, als in der Percy Jackson Reihe hat der Autor seine ernsten Themen hier weit besser versteckt. Im Zentrum des Buches stehen die Abenteuer der Helden. Wir erfahren zudem von und aus der ägyptischen Götterwelt und werden durch die pointierten, oftmals sarkastisch angehauchten Kommentare und Erzählungen bestens unterhalten. Die Beschäftigung mit dem Tod, dem Verlust sowie der Ich-Werdung - wo komme ich her, wo gehe ich hin, wer bin ich überhaupt und was will ich mit meinem Leben anfangen – schwingt stets unterschwellig mit, ohne wirklich in den Vordergrund zu rücken.

FAZIT

Die Kane-Chroniken bieten rasantere, action-lastige Lesekost, die Jugendliche zum Medium Buch greifen lassen soll – und erledigen diese Aufgabe mit Bravour.

Der Feuerthron - Die Kane Chroniken (2)

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