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Rita Dell'Agnese
Was ist die Freiheit wert?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2013

Lenka ist 17 und ihr Leben scheint bereits in eine Sackgasse geraten. Der Sex mit ihrem Freund ist mäßig, die Schule ödet sie an und ihrem Traum, Schauspielerin zu werden, scheint sie weiter entfernt als je. Da öffnet sich eine Perspektive: Sie und ihre Mutter bekommen ein Visum zur Ausreise nach Deutschland. Für die junge Tschechin rückt die Freiheit in greifbare Nähe. Denn sie denkt nicht daran, nach Ablauf der Visumsfrist in die Heimat zurück zu kehren. Obwohl ihre Mutter zögert, verfolgt Lenka ihr Ziel mit viel Energie.

Doch die große Freiheit ist ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat. Zusammen mit ihrer Mutter wird Lenka in einem Asylbewerberheim untergebracht. Dort gelten andere Gesetze, als es sich die junge Tschechin vorgestellt hat. Nach und nach passt sie sich den Gepflogenheiten an, verliert das Bewusstsein um Recht und Unrecht und überlässt sich der allseits grassierenden Hoffnungslosigkeit. Nur mit Mühe rappelt Lenka sich schließlich auf und bemüht sich, ihr Leben in der neuen, selbst gewählten Heimat neu aufzubauen – und zwar, indem sie wieder die Schulbank drückt…

Ist es die Freiheit wert, alles, was einem bisher etwas bedeutet hat, zurückzulassen? Diese Frage schwingt während des ganzen Romans von Rena Dumont mit. Die Autorin weiß, wovon sie spricht. Sie selber ist als 17-Jährige mit ihrer Mutter aus Tschechien nach Deutschland geflohen. Die Erlebnisse, die sie als Jugendliche gemacht hat, scheinen sich ihr tief ins Gedächtnis geprägt zu haben. Zwar gibt es nirgends einen schlüssigen Hinweis drauf, ob es sich bei "Paradiessucher" um einen mindestens teilweise autobiografischen Roman handelt, doch spricht die Nähe, die die Autorin zur Protagonistin schaffen kann, durchaus dafür.

Lenka wird als ein für ihr Alter eher naives Mädchen beschrieben. Sie hat zwar einige rebellische Züge, grundsätzlich lässt sie sich aber vom Leben mehr oder weniger mitschwemmen, bis sich die große Chance eröffnet, ihren heimlichen Träumen näher zu kommen. In dieser Phase geschieht etwas mit Lenka: Sie wird vom Kind zur jungen Erwachsenen. Die Erkenntnis, dass sie sich eine völlig falsche Vorstellung davon gemacht hat, was sie in Deutschland erwartet, verlangt von Lenka, reifer zu werden. Die jungen Leser können diesen Reifeprozess mühelos mitverfolgen, schafft es doch die Autorin, die aus der Sicht der 17-Jährigen erzählte Geschichte so zu präsentieren, dass man die leicht rotzige Note dieses Alters noch heraus hört.

Es ist jedoch wohl genau diese nicht definierte eigene Betroffenheit der Autorin, die die Schwäche des Romans ausmacht. Rena Dumont entschuldigt das Verhalten und mangelndes Unrechtbewusstsein von Lenka und ihrer Mutter auf eine Weise, die bei den jugendlichen Leserinnen und Lesern Vorurteile gegenüber Asylbewerbern zementiert. Die Autorin versucht nicht, das Verhalten der Beiden vor dem Hintergrund ihrer Herkunft zu erklären, sondern scheint sich zur Verteidigerin der Tschechinnen zu machen. Da die Geschichte jedoch zu einer Zeit spielt, die den wenigsten Jugendlichen vertraut sein dürfte, brauchte es hier eine überzeugendere Darstellung der damaligen Verhältnisse. Das von Lenka zunächst geschilderte Leben in der Tschechoslowakei wird höchstens bei erwachsenen Leserinnen und Lesern ein vertrautes Bild hervorrufen.

Schön ist hingegen die Konfrontation Lenkas mit der Wirklichkeit des goldenen Westens. Sie muss erkennen, dass vieles ganz anders ist, als angenommen. Hier schafft es Rena Dumont, mit sehr wenig Wertung auszukommen und das Mädchen auf eine glaubwürdige Art staunen zu lassen. Weder die Bilder, die den Menschen im Osten von ihrem Staatsapparat vermittelt wurden, noch die Vorstellungen, die sie sich aufgrund begrenzter West-Kontakte selber von der anderen Welt machten, treffen auf das zu, was Lenka und ihre Mutter tatsächlich antreffen. Der innere Kampf, sich von den so lange zurechtgelegten Vorstellungen verabschieden und die Wirklichkeit annehmen zu können, ist gut und ausgereift dargestellt. Dank des lockeren Tonfalls, in dem Lenka ihre Geschichte erzählt ist, der Roman für ein Publikum ab 14 Jahren geeignet – selbst angesichts einiger recht deutlicher Schilderungen der sexuellen Erlebnisse Lenkas.

FAZIT:

Rena Dumont spricht mit ihrem Roman ein Kapitel der jüngeren Geschichte an, das in diesem Ausmaß wohl nur wenigen Jugendlichen bewusst ist. Durch die Wahl Lenkas als Ich-Erzählerin kann sie das in einer altersgerechten Sprache tun. Im Zusammenhang mit der heutigen Asylpolitik wirft die Geschichte jedoch ein paar Fragen auf.

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