Der Himmel über Jerusalem

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Nachdem sich die unheilvollen Bücher von Dancing Jax bereits in ganz England verteilt haben, schwappt die Welle nun auch nach Europa und den Rest der Welt über. Nur Amerika wurde noch nicht infiltriert – bisher. Um auch die letzten Abtrünnigen zur Vernunft zu bringen, hat sich der Heilige Ismus etwas ganz Besonderes einfallen lassen: eine Art Ferienlager. Hier werden 31 Jugendliche eingesperrt und zur Bekehrung gezwungen, allerdings mit mäßigem Erfolg. Das Event wird ganz groß aufgezogen und auch eine Reporterin aus Amerika ist anwesend. Anstatt, wie die anderen, positiv darüber zu berichten, möchte sie die Missstände aufdecken. Wird sie selber gegen das Buch immun sein? Was wird der Ismus mit den Abtrünnigen tun, wenn sie sich nicht bekehren lassen? Der Kampf ums Überleben wird eingeläutet, als der zarte Geduldsfaden des Campleiters reißt.

Da ich von Band eins der Geschichte total begeistert war, musste ich natürlich auch den Folgeband lesen. Der Titel Zwischenspiel ist hier allerdings Programm, denn so richtig einfallsreich war diese Episode im Vergleich zur vorherigen nicht. Im Gegenteil: Man hatte das Gefühl, dass der Autor die Seiten füllen wollte, um Band eins und drei miteinander zu verbinden. Im zweiten Teil wird auf die schönen Zitate zu Beginn der Kapitel verzichtet, Zeichnungen finden sich aber auch hier zwischendurch. Die Handlungsebenen sind ebenfalls gleich geblieben, wir befinden uns zum Teil in Mooncaster und Umgebung und dann wieder in der realen Welt bzw. dem Traum, wie es der Ismus so schön zu sagen pflegt.

Die Handlung setzt nicht unmittelbar nach dem ersten Teil ein, sondern ein paar Monate später. Der Leser kann nur erahnen, was sich in dieser Zeit ereignet hat: Chaos, Verfolgung und Manipulation. Generell stehen die Charaktere des ersten Bandes hier weniger im Vordergrund. Martin Baxter hält sich versteckt und kommt so gut wie gar nicht vor und auch die Damen, Buben und der Ismus selber, haben eher nur Gastauftritte. Das Geschehen ist ausschließlich auf das Ferienlager beschränkt und dreht sich um die Jugendlichen, die hier eingesperrt werden. Schade ist, dass die Zwischensequenzen in Mooncaster dieses Mal eher dünn gesät sind. Die Ausflüge in dieses Fantasyland machen einem doch recht viel Spaß und die Vorfreude war bisher immer groß, was die Charaktere dieses Mal erleben würden.

Da wir es hier mit 31 Jugendlichen zu tun haben, sind auch in diesem Band die Charaktere vielzählig. Allerdings beschränkt sich der Autor hier auf einige Hauptcharaktere und lässt die restlichen eher links liegen (außer, dass sie mit Namen erwähnt werden, gehen sie in der Masse unter). So haben wir hier ein paar Stereotypen wie Charm, das Modepüppchen, was noch einige Überraschungen parat hält, Lee, der eher beobachtet und sich aus allem raushält, Christina, das verschüchterte Mädchen, was schutzbedürftig ist und Halt bei ihrer Bezugsperson Jodie sucht. Darüber hinaus gibt es auch noch ein paar Charaktere, die anders und individuell sind. Sie überraschen den Leser und stehen für ihre Mitmenschen ein. Die Charakterzeichnungen des Autors fallen mir besonders positiv auf, weil sie schon nach wenigen Seiten vor meinem inneren Auge lebendig werden und man sie sich besonders gut vorstellen kann.

Mein Kritikpunkt geht an die Spannungskurve. Meiner Meinung nach hätten es 100-150 Seiten weniger auch getan bzw. dem Buch gut getan. Die Geschichte hat sich kaugummiartig in die Länge gezogen. Der Autor war so damit beschäftigt, auf jedes Detail einzugehen, dass die Spannung darunter leidet. Dieses Mal gab es auch weniger aufregende Wendungen, sodass man von einem Dahinplätschern der Story sprechen kann. Für ein spannendes Buch habe ich es definitiv zu oft aus der Hand legen können. Es wäre wünschenswert wenn der nächste Band wieder spannender werden würde, damit man von einem würdigen Abschluss reden kann.

Das Zwischenspiel würde ich Lesern im Bereich 16 Jahre plus empfehlen, weil der Horror-/Gruselfaktor noch zugenommen und quasi das große Sterben eingesetzt hat. Die Gewaltbereitschaft ist hier in einem hohen Maß vertreten, ebenso scheinen die Peiniger förmlich in einem Blutrausch zu sein. Wer damit umgehen kann, kann das Buch natürlich auch lesen, wenn die 16 Jahre noch nicht erreicht sind.

Fazit

Schwächer als der erste Band, weil die Spannung nicht so recht aufkommen will. Aber auch hier sind wieder einige tolle Charaktere anzutreffen, die sich dem Ismus und dem Prinz der Dunkelheit in den Weg stellen, um Widerstand zu leisten. Ich persönlich hoffe, dass der Abschlussband wieder spannender wird und diese außergewöhnliche Geschichte noch einige Wendungen parat hält – und die Welt natürlich nicht im Chaos versinkt.

Couch-Wertung:

8

Leser-Wertung

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Felix Oepping
Ein bewegender Roman!

Buch-Rezension von Felix Oepping Apr 2013

Myriam hat ihren amerikanischen Freund bei einem Terroranschlag verloren. Trost findet Myriam in der Einsamkeit, in die Schule geht sie kaum noch. Dima dagegen ist Klassenbeste, obwohl sie Palästinenserin ist. Jedoch fühlt Dima sich unterdrückt; um ihrer ständig schwelenden Wut endlich Ausdruck zu verleihen, schmiedet sie einen folgenschweren Plan. Am Ende des Tages ist das Leben vieler, auch das des Wachmanns Abraham sowie seiner Familie, auf den Kopf gestellt und trotzdem geht das Leben für die Mehrheit der Menschen so weiter wie zuvor.

Gabriella Ambrosios Roman Der Himmel über Jerusalem erzählt die Geschichte von Dima und Myriam, zwei ganz unterschiedliche Mädchen im gleichen Alter (18). Zu empfehlen ist er für alle Leser ab 16, jedoch auch für Erwachsene.

Die Ereignisse eines Tages werden blitzlichthaft dargestellt, wobei der Roman von häufigen Perspektivwechseln geprägt ist. Nicht nur Dima und Myriam, auch Myriams Mutter, Dimas Familie sowie viele weitere Menschen werden auf ihrem Gang durch den Tag begleitet. Die Geschichte basiert auf einer wahren Geschichte, allerdings versteht sich das Buch nicht als Dokumentarerzählung, sondern als fiktionaler Roman, der jedoch die wahren Konflikte und die Unsicherheit der Region Palästina darstellt und somit auch aufklärerisch verstanden werden kann.

Myriam, die ihren amerikanischen Freund bei einem Terroranschlag verloren hat, muss auch all ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben in den USA ebenfalls begraben, das von ihrer Mutter Shoshi ohnehin nicht akzeptiert worden wäre. Myriam zieht sich vollkommen vor der Außenwelt zurück, selbst die Schule interessiert sie nicht mehr. Sehr wohl in die Schule geht Dima, sie ist Klassenbeste obwohl sie Palästinenserin ist, jedoch fühlt sie sich vom Staat unterdrückt und sie wird ihrer unterdrückten Wut an dem Tag das erste Mal Ausdruck verleihen, da der Sprengstoffexperkte Ghassan und der Fahrer Adum ihr dabei helfen werden. Am Ende des Tages wird das Leben vieler, auch das des Wachmanns Abraham sowie seiner Familie, auf den Kopf gestellt worden sein und trotzdem geht das Leben für die Mehrheit der Menschen so weiter wie zuvor.

In dieser Perspektive, die der Roman dem Leser eröffnet, liegt in meinen Augen eine der Stärken des Romans: Die Menschen, deren Einzelschicksale sehr eindrucksvoll (auch mithilfe wechselnder Sprachstile unterstützt) dargestellt wird, sind doch nur wenige von vielen. Das macht zwar ihre Situation nicht weniger bedrückend oder weniger wichtig, jedoch setzt es auch das eigene Leben in einen größeren Kontext. Davon abgesehen erleben die Personen Dinge, die jeder von uns kennt und die jeder so bereits erlebt hat. Das sorgt für einen enormen Sog, man wird schnell in die Geschichte hineingezogen und kann sich erst wieder lösen, wenn man die 115 Seiten alle gelesen hat. Vor allem die schnell wechselnden Perspektiven stellen die Herausforderung beim Lesen dieses nicht ganz einfachen Romans dar, wie ein Puzzle fügen sich die Teile langsam aber sicher zusammen. Zufällig und wie Blätter, die im Wind zusammentreffen, jedoch sehr viel folgenschwerer. Diese Wirkung wird mithilfe der Collage-Technik und kurzen, prägnanten Sätzen sowie einem einfachen Sprachstil erreicht.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Der Himmel über Jerusalem mich aufgerüttelt hat und ich auf einen mit unbekannten Konflikt aufmerksam geworden bin und dabei noch ein hervorragendes und aufwühlendes Buch gelesen habe, das mir meine Endlichkeit und die Zufälligkeit der modernen Welt vor Augen geführt hat.

Fazit:

Ein bewegender Roman, der vor allem durch seine sprachliche Brillanz und seine einfühlsame Erzählweise sowohl Jugendliche als auch Erwachsene berühren kann und dessen gesellschaftliche Relevanz nicht unterschätzt werden sollte!

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