Dancing Jax - Auftakt

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Der Roman zu dem Kinofilm Vielleicht lieber morgen mit Emma Watson Logan Lerman und Ezra Miller, der im November 2012 in die Kinos kam, erzählt von Briefen eines sensiblen 15-jährigen an einen unbekannten Freund.

Wem erzählt man, was einen bewegt, wenn man eigentlich keinen hat, mit dem man richtig gut reden kann? Charlie findet einen Weg aus dem Dilemma. Er vertraut seine intimsten Gedanken und Gefühle einem unbekannten Freund an, dem er in den Briefen sein ganzes Leben erzählt. Es entsteht dabei ein sehr offener, einem Tagebuch nicht unähnlicher Monolog, der an manchen Stellen schmunzeln lässt, an anderen Stellen betroffen macht. Charlie ist dem Leser stets sehr nahe: Im Prinzip sind die Briefe, die er an den unbekannten Freund richtet die direkte Ansprache an die Leser.

Charlie erzählt aus seinem Leben und lässt dabei den Leser einen tiefen Blick in die Seele eines Jugendlichen tun, der nicht nur erste Erfahrungen mit der Liebe sammelt, sondern auch mit Drogen in Berührung kommt und mit gesellschaftlichen Auswüchsen zu kämpfen hat.

An sich geht der Autor Stephen Chbosky einen guten Weg, in dem er Charlie in seiner Jugendsprache erzählen lässt. Nur zeichnet sich hier einer der Schwachpunkte ab. Charlies Schilderungen sind sehr naiv und kindlich gehalten – so kindlich, wie es auf einen 15-Jährigen an sich nicht mehr richtig zutreffen mag. Zwar stimmen die Themen mit der Welt eines Jungen in diesem Alter überein, hinter der unbeschwert saloppen Sprache aber vermutet man eher einen 12-Jährigen. Dieser Eindruck verstärkt sich noch durch die Diskrepanz im gesellschaftlichen Umfeld: Charlie ist ein amerikanischer Junge, der eine Highschool besucht, und auch die gesellschaftliche Realität des amerikanischen Systems spiegelt. Damit unterscheidet er sich von einem Gymnasiasten in Deutschland ein ganzes Stück. Gerade für deutsche Jugendliche dürfte es dadurch aber schwer werden, Charlie als Persönlichkeit wahrzunehmen, die sich auf derselben Altersstufe bewegt.

Im Gegensatz zu der Verfilmung des Romans mit dem deutschen Titel Vielleicht lieber Morgen mit Emma Watson, Logan Lerman und Ezra Miller in den Hauptrollen, stellt Charlie– oder sein geistiger Vater Stephen Chbosky – im vorliegenden Roman die Geduld der Leser/innen mit seinen belanglosen, plappernden Briefpassagen häufig auf die Probe.

Ein recht beachtlicher Teil der Geschichte könnte weggelassen werden, ohne den Verlauf der Geschichte ernsthaft zu beeinträchtigen. Es braucht zwar wohl die eine oder andere Passage, die mit Sätzen wie "Ich bin gerade von der Schule heim gekommen…" um die zeitweise Ereignislosigkeit in Charlies Leben darzustellen, doch wird dieses Stilmittel von Stephen Chbosky etwas arg strapaziert. Ein wenig mehr Pfiff und Bewegung hätte der Geschichte gut getan. Durch eine leicht weinerliche Haltung macht es der Protagonist Charlie dem Leser zudem nicht ganz einfach, ihn ins Herz zu schließen. Immer wieder scheint der Junge in Selbstmitleid einzutauchen und es sich dort recht bequem einzurichten. Obwohl die innere Zerrissenheit zur Pubertät gehört, scheint diese Tendenz bei Charlie doch recht aufgesetzt.

Fragwürdig erscheint das Herangehen des Autors, was die ersten Drogenerfahrungen betrifft. Hier wird belustigt verharmlost. Chbosky versucht wohl darzustellen, wie unbeschwert die Jungen mit dem Thema umgehen und wie leicht sie die Erfahrungen nehmen. Doch fällt es gerade Leuten, denen die nötige Reife fehlt, um zwischen den Zeilen zu lesen, schwer, zu erkennen, dass es sich hier nicht etwa um ein schulterzuckendes "was soll's" handelt, sondern um den Versuch, die Drogenerfahrungen aus Sicht des jugendlichen Charlie darzustellen.

FAZIT

Selten zeigt ein Jugendbuch so sehr die Unterschiede in Lebensweise und persönlicher Reife zwischen amerikanischen und deutschen Jugendlichen auf, wie dies bei "So also ist mein Leben" der Fall ist. Versucht man, diese Unreife etwas auszublenden, wird man eine nette Lektüre ohne zu viele Höhen und Tiefen antreffen. Der ganz große Wurf, wie es von US-Medien hochgelobt wurde, ist dieses Buch für den deutschen Markt aber keineswegs. 

Couch-Wertung:

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Melanie Reichert
Die Macht der Wörter – magisch und fesselnd

Buch-Rezension von Melanie Reichert Apr 2013

Martin Baxter ist Mathematiklehrer an der örtlichen Schule. Sein Leben läuft nach Plan: Mit seiner neuen Partnerin und ihrem Sohn führt er ein normales Leben. Nachdem immer mehr Schüler mit dem gleichen Buch gesehen und in seinen Bann gezogen werden, kommt die Frage auf, was es damit auf sich hat. Als sein Sohn ebenfalls mit einem Buch nach Hause kommt und sich anschließend komisch verhält, fängt Martin an Nachforschungen anzustellen. Was steht in diesem Buch? Warum zieht es seine Schüler dermaßen in ihren Bann? Und was ist das Königreich von Mooncaster wohin die Menschen der Stadt verschwinden?

Dieses Buch ist einfach anders. Ich habe bisher nichts vergleichbares gelesen und muss zugeben, dass ich eine Weile gebraucht habe, bis ich den Einstieg gefunden habe. Die Handlungsebenen der Geschichte teilen sich auf zwei Leveln auf: Zum einen befinden wir uns im Hier und Jetzt und zum anderen machen wir immer wieder Ausflüge in das Buch "Dancing Jacks". Schon jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat daraus und so fügen sich die vielen kleinen, verwirrenden Puzzleteile zu einem Ganzen zusammen. Generell ist dem Autor sehr gelungen, die Grenzen zwischen der Realität und Fiktion verschwimmen zu lassen und den Leser damit in die Irre zu führen.

Die Charaktere sind so vielzählig wie verschieden. Da eine ganze Stadt in das Geschehen involviert ist, muss man sich als Leser auf eine Menge Namen einstellen. Dazu kommen die Namen aus dem Buch bzw. aus dem Königreich Mooncaster. Mir persönlich fällt es normalerweise schwer mit vielen Charakteren in Kontakt zu kommen, aber schon nach kurzer Zeit waren sie selbstverständlich und man konnte sich keinen mehr wegdenken. Die Hauptcharaktere sind entsprechend detailliert beschrieben, während die Nebencharaktere eher im Dunkeln bleiben. Trotz allem bekommt quasi jeder seinen Einzelauftritt, um sich dem Leser vorzustellen.

Wir haben es hier sowohl mit einem klassischen Märchen zu tun, als auch mit einer Horrorgeschichte. Während wir im einen Moment noch auf einer mittelalterlichen Burg ein Bankett erleben, wird in der nächsten Szene schon eine gruselige Verfolgungsjagd durch den Wald inszeniert. Die Wandelbarkeit der Story hat mich positiv beeindruckt.

Die Spannungskurve steigt nach dem Einstieg rapide an. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen, obwohl mich die Seitenzahl anfangs etwas abgeschreckt hat – aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt! "Der Auftakt" ist auch als solcher anzusehen, denn auf den letzten Seiten wird klar: Nun geht es erst richtig los.

Eine Altersempfehlung würde ich zwischen 14 und 16 Jahren anbringen, weil es zwischendurch schon ein paar gewalttätige, gruselige oder blutige Szenen gibt. Darüberhinaus ist der Sprachstil etwas gehobener und die Story sehr komplex.

Fazit:

Wer selber noch an Märchen glaubt und einen Vater bei der Suche nach der Wahrheit begleiten möchte, liegt mit diesem Buch genau richtig. Eine spannende und vor allem außergwöhnliche Story trifft auf starke Charaktere, die den Leser mehr als einmal im Verlauf der Geschichte überraschen. Ich persönlich bin froh, dass der zweite Band schon neben mir liegt.

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