Zimtküsse

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Als die Stelle der obersten Gottheit auf der Erde besetzt werden muss, reißen sich die Bewerber nicht gerade darum. Der Planet ist ungünstig gelegen, ziemlich weit ab vom Schuss. Aber irgendwer muss es ja machen, also besetzt man die Stelle mit dem nichtsnutzigen Jungen Bob, der sich außer für Mädchen für nicht so viel interessiert. Damit er nicht gleich alles kaputt macht, bekommt er den gewissenhaften und pflichtbewussten Mr. B zur Seite, einen langweiligen Typ mittleren Alters mit Beamtenmentalität.

In seinem unendlichen Größenwahn handelt Gott alias Bob in nur sechs Tagen die gesamte Schöpfung ab. Dass das nicht gut gehen kann ist klar und so räumt Mr. B nun seit tausenden von Jahren hinter dem Jungen her. Nicht einfach, wenn der sich ständig in irgendeine menschliche Schönheit verliebt und damit jedes Mal beinahe den kompletten Planeten ruiniert. So schlägt Mr. B. entnervt die Hände über dem Kopf zusammen, als Bob sich in die schöne Lucy verliebt, die als Tierpflegerin im Zoo arbeitet. Lucy ist, zugegeben, ein zauberhaftes Geschöpf, aber eben sterblich und sowieso viel zu schade für Bob. Der sieht das ganz anders. Er muss sie unbedingt haben, koste es was es wolle. Als Bobs ebenso schöne wie nutzlose Mutter Mona auch noch sein Haustier Eck beim Poker an den Gott Emoto Hed verspielt, der nicht gerade für seine Kompromissbereitschaft bekannt ist, geht alles den Bach runter und das Unheil nimmt seinen Lauf. Hed will Eck verspeisen. Und Bob hat dafür doch gerade eigentlich gar keinen Kopf. Zeit, sich ins Bett zu legen und die Decke über den Kopf zu ziehen…

Eine herrlich freche Idee: was, wenn Gott eigentlich gar nicht so viel Lust auf seinen Job hätte und sich mehr für die weltlichen Genüsse interessieren würde. Das würde sicher eine ganze Menge erklären und auf dieser Idee baut Meg Rosoff ihren Roman "Oh.Mein.Gott." auch auf.

Neben dem sexbesessenem Bob, der ziemlich an Selbstüberschätzung leidet, lernen wir seine genauso egoistische, spielsüchtige Mutter kennen, die beim Poker alles einsetzt, was nicht niet und nagelfest ist. Da müssen auch schon mal die eigenen Kinder dran glauben.

Emoto Hed, der zwar Gott ist aber auch ein ziemlicher Chauvinist und Choleriker, seine Tochter Estelle, die zwar genauso skrupellos ist wie er aber einen messerscharfen Verstand besitzt und nicht zuletzt Mr. B. der seine Aktenstapel mit Gebeten resigniert von einer Seite des Schreibtischs auf die andere schiebt: Ein ganz illustrer Haufen, der da über das Universum herrscht und doch selbst so gar keinen Plan hat. Schließlich zeigt einem niemand, wie man ein guter Gott ist.

Sprachlich gewandt, mit viel Wortwitz, frechen Dialogen und rasanten Wendungen zieht Meg Rosoff ihre Leser in den Bann und man wartet gespannt, wie - um Himmels Willen - sie das Chaos wieder auflösen will, das Bob da geschaffen hat.

Oh.Mein.Gott. macht Spaß, gerade weil Meg Rosoff alles auf den Kopf stellt. An manchen Stellen wirkt ihre Schreibe etwas zu gewollt, die Handlung etwas zu schrill, ein paar Fragen bleiben am Ende des Buchs unbeantwortet. Doch das verzeiht man alles, weil die Handlung so witzig und die Idee so originell ist. Der Stoff hätte weit mehr als nur gut 200 Seiten hergegeben, deshalb ist es schade, dass man Bobs Welt und ihre Charaktere, inklusive dem liebenswerten Eck, schon so schnell wieder verlassen muss. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Das Universum ist ja schließlich groß.

Fazit

Oh.Mein.Gott. ist eine bemerkenswert einfallsreiche und witzige Geschichte, die sich traut, Gott mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Schließlich ist niemand perfekt und Gott zu sein ein Fulltimejob. Da kann schon mal was schief gehen. Diese Idee weiter zu spinnen ist Meg Rosoff gut gelungen. Zum Lachen und Spaß haben ein super Buch.

Couch-Wertung:

7

Leser-Wertung

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Anna Fleckenstein
Ein Mädchen, zwei Welten und viele Gefühle

Buch-Rezension von Anna Fleckenstein Feb 2013

Als Sahra in den Flieger nach Istanbul steigt schwirren ihre Gedanken noch immer von dem Chaos der letzten Tage. Ihre Mutter hat ihr gesagt, es tut ihr Leid. Sahra hasst Sie dafür, dass ihre Mutter nicht mit ihr und ihrem Vater glücklich sein kann sondern ihr diese Frau jetzt wichtiger ist. Mit ihrem Vater ist Sahra auch nicht besonders zufrieden, weil der seine Mutter einfach ziehen lässt ohne um sie zu kämpfen. Wo ist der eifersüchtige Türke, der die Familie mit eiserner Hand regiert? Zumindest denken ihre deutschen Freunde so über Sahras Papa. Aber Sahras Vater ist der liebste Mensch der Welt, der sie in all ihren Entscheidungen unterstützt und über die Vorstellung, dass seine Frau oder Tochter ein Kopftuch tragen müssten nur lachen kann. Über Katta dagegen denkt Sahra keine Minute nach. Sie ist für Sahra gestorben. Nachdem Katta ihr gebeichtet hat, dass sie jetzt mit Karl geht und die Geschichte mit ihrer Mutter für einen Witz hielt, hat Sahra sie wutschnaubend rausgeworfen.

Als Sahra am Flughafen in Istanbul herzlich von ihrer Familie begrüßt wird, kann sie für eine gewisse Zeit ihre Probleme vergessen. Sie fühlt sich in dem Haus ihrer Großmutter, in dem sie als Kind mit ihren Eltern lebte, sofort wieder heimisch. Mit ihren beiden Cousinen albert sie herum und saugt alle vertrauten Gerüche, Geräusche und Orte in sich auf. Doch auch hier kann sie ihren Problemen nicht auf Dauer entfliehen. Ma und Baba rufen an, Katta schreibt unzählige SMS, die Sahra sofort löscht, und irgendwann muss sie ja auch wieder zurück und sich ihrem Alltag stellen. Die Frage ist nur wie.

Die Autorin Deniz Selek verbindet mit Zimtküsse eine typische Herz-Schmerz Geschichte mit dem orientalischen Flair von 1001 Nacht. Sie versteht es die aufgewühlte Gefühlswelt eines Teenagers zwischen erster Liebe, Pickeln, Schulstress und Familiendramen nicht banal wirken zu lassen. Durch die Ich-Perspektive, aus der Sahra ihre Erlebnisse schildert, wirkt die Erzählung sehr greifbar.

Sahra lebt in zwei Welten, in Deutschland ist sie die Türkin, in der Türkei die Deutsche. Selbst fühlt sie sich zu beiden Nationen hingezogen und vermisst jedes Mal das, was sie gerade nicht haben kann. Diese innere Zerrissenheit von Sahra beschreibt die Autorin sehr bewegend, sodass der Leser ihr Leid nachempfinden kann. Dabei lässt Deniz Selek scheinbar auch autobiographische Aspekte einfließen, denn sie selbst wurde in Hannover geboren und verbrachte ihre Kindheit in Istanbul. Sie weiß wovon sie schreibt und das merkt man ihrem Text an.

Als deutscher Leser kann man sich mit Zimtküsse wunderbar in eine andere Welt träumen, da ein Großteil der Geschichte im Orient spielt und exotische Märkte, Liebeszauber und Moscheen dort zu Sahras Alltag gehören. Durch viele türkische Worte, die im angehängten Glossar erklärt werden, wirkt der Text sehr authentisch. Türkische Leser können sich dagegen ganz zuhause fühlen und Sahras Probleme umso besser verstehen.

Schade ist nur, dass nicht allzu viel passiert, weil die Handlung eher vor sich hin plätschert. Es fehlen, für meinen Geschmack, ein bisschen die Höhen und Tiefen. Aber auf Grund der charmanten und exotischen Schilderungen kommt das Leseerlebnis nicht zu kurz.

Fazit

Deniz Seleks Zimtküsse ist eine klassische Geschichte über Liebe und die täglichen Dramen des jugendlichen Alltags, gewürzt mit einer ordentlichen Portion osmanischen Zaubers. Die Geschichte lädt den Leser dazu ein, die türkische Kultur besser kennenzulernen, sodass dieser am liebsten gleich selbst den Flieger nach Istanbul besteigen würde.

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