Legend 01-Fallender Himmel

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Für Deutsche Geschichte sollte man sich unbedingt interessieren, will man die Geschichte von David und Anna in ihrem vollen Ausmaß genießen können. Klaus Kordon macht es den Lesern nicht allzu leicht, er verlangt einiges an Durchhaltevermögen und Bereitschaft, auch etwas trockenere Materie durchzuarbeiten. Doch zunächst zur Handlung: Für den Gymnasiasten David ist der Besuch im Gefängnis ein traumatisches Erlebnis. Sein Großvater verbüßt dort eine Strafe, weil er sich politisch engagierte. Er ist nicht der Einzige der Familie, der für mehr Mitbestimmung und Freiheit kämpft. In der Zeit von 1890 ein gefährliches Unterfangen. Auch David selber spürt den Wunsch nach mehr Demokratie. Er träumt von einer gerechteren Welt. Erst recht, als er in der Praxis seines äußerst sozial denkenden Onkels August die junge Anna kennen lernt, die trotz bitterer Armut aus Sorge um ihren kleinen Bruder zum Arzt gekommen ist. Durch Anna lernt David eine ihm bis anhin unbekannte Welt kennen. Und er muss erkennen, dass er – bisher aufgrund seiner familiären Herkunft selber ein Außenseiter der Gesellschaft – keine Ahnung hatte, unter welchen Umständen Menschen in Berlin leben.

Klaus Kordon lädt seine Leser in eine von starken Bildern geprägte Welt ein. Mit leisen, aber eindringlichen Tönen schildert er die gesellschaftliche Situation und die politische Entwicklung jener Zeit. Dazu bedient er sich eines Geflechts von geschickt gewählten Persönlichkeiten. Jede Szene lebt von einer bis ins Detail gestalteten Atmosphäre, die einen tiefen Einblick in die Verhältnisse im ausgehenden 19. Jahrhundert zulässt. Diese solide Aufbauarbeit geht allerdings zulasten des Erzähltempos. Gerade für einen Jugendroman entwickelt sich die Geschichte eine Spur zu langsam. Nur wer sich ernsthaft für die Demokratie-Bestrebungen interessiert, wird hier aus dem Vollen schöpfen können. Die vorsichtigen und umsichtigen Skizzierungen einer politisch höchst brisanten Zeit verlangen vom Leser eine echte Auseinandersetzung mit der Thematik. Wer dazu nicht bereit ist, wird sich am Spinnennetz die Zähne ausbeißen. Denn Kordon legt spürbar mehr Gewicht auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung als auf die Liebesgeschichte von David und Anna.

Mit David hat Klaus Kordon einen gut formbaren Charakter gewählt. Der heranwachsende Gymnasiast gibt dem Autor die Möglichkeit, seinen Protagonisten zunächst mit einer gewissen Naivität an die Sache herangehen zu lassen, um ihn mehr und mehr zu einem politisch mündigen Menschen heranwachsen zu sehen. Diese Entwicklung macht auch der Leser in gewisser Weise mit. Er kann sich – ähnlich wie David – nach und nach einen Überblick über die Situation verschaffen und wird die Zusammenhänge immer deutlicher erkennen können. Die zweite starke Figur, Anna, steuert durch ihre Lebensumstände im Armenviertel und mit ihrer unverblümten Berliner Schnauze wiederum eine ganz andere Sichtweise bei und rundet damit das Bild optimal ab. Wer noch mehr wissen will, wird mit dem umfangreichen Nachwort und einem recht üppig ausgefallenen Glossar gut bedient.

Obwohl Teil 3 einer Trilogie steht Im Spinnennetz auch als eigenständiger Roman gut da. Wer die ersten beiden Teile nicht kennt, findet sich schnell zurecht und hat – anders als bei vielen anderen Romanen – nicht ständig den Eindruck, etwas verpasst zu haben. Die Geschichte von David und Anna spricht ausschließlich für sich und ist keine klar zuzuordnende Fortsetzung, die darauf baut, dass die Leser die vorangehenden Teile gelesen haben. Dennoch zeigt sich der Verlag vorbildlich und macht auf der hinteren Klappe darauf aufmerksam, dass man hier den dritten Band einer Trilogie in Händen hält. Das ist eine löbliche Ausnahme auf dem Gebiet der Trilogien.

FAZIT

Klaus Kordon schließt seine Jacobi-Trilogie mit einem fundierten und wunderbar konzipierten Roman ab. Allerdings verlangt dieser von den Lesern politisches Interesse und persönliche Reife. Sonst könnten die detaillierten Ausführungen über das Politsystem schnell mal zu einem Stimmungskiller werden.

Couch-Wertung:

8

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Sanja Döttling
Packender Jugendthriller

Buch-Rezension von Sanja Döttling Dez 2012

Irgendwann in der nahen Zukunft. Der Staat ist Days Feind. Er lebt im Untergrund, ist Rebell, Dieb und Aufständischer. Sein schwächster Punkt ist seine Familie, die er mit allen Mitteln schützen will. Als sein kleiner Bruder an einer fast unheilbaren Seuche erkrankt, muss Day seine geheime Identität aufs Spiel setzen, um ihn zu retten. Und deckt dabei eine viel größere Intrige auf, als die nette Propaganda-Fassade des Staates vermuten lässt.

June ist in den Händen des Staates groß geworden. Sie ist Wunderkind und Hoffnungsträger in den Militärrängen der soggenannten "Republik". Ihre Auftrag: Day finden und unschädlich machen. Day, der Mörder ihres Bruders. Doch dieser Auftrag fordert von der jungen June viel mehr als gedacht, und sie muss sich fragen: Wie weit kann ich dem Staat trauen, der mich großgezogen hat? Und wie weit diesem mysteriösen Jungen Day?

Fallender Himmel ist ein spannender Zukunftsroman, der sich in eine lange Tradition dystopischer Werke einreiht. Schon seit hunderten von Jahren erforschen Autoren geistig, wie in Zukunft ein Staat aufgebaut sein könnte. Die "Republik", in der die beiden jugendlichen Figuren aufwachsen, wirkt zwar perfekt – doch Day hat früh erfahren, mit welch furchtbaren Methoden diese Fassade aufrecht erhalten wird. Der Staat überwacht seine Bürger und verfährt mit ihnen wie mit billiger Ware. Der Konflikt zwischen dem Staatsapparat und der Freiheit der Menschen beginnt in diesem ersten Band und wird hoffentlich in den Folgenden fortgesetzt.

Day und June sind beide liebenswerte Charaktere, deren Handlungen leicht nachzuvollziehen sind. Sie vertreten beide ein Extrem – während June in den Händen des Staates aufgewachsen ist, gründet sich Days Leben auf dessen Bekämpfung. Die Konfrontation dieser beiden Meinungen ist ebenso interessant und schmerzhaft wie die zarte Liebe, die sich zu entwickeln beginnt.

Die Handlung ist packend und spannend erzählt. Leider greift die Autorin ein oder zweimal auf gängige Klischees zurück, so dass man glaubt, das schon einmal gelesen zu haben. Dennoch ist der Kampf der Jugendlichen eine dramatisch erzählte Geschichte um Freiheit, Widerstand und ihren Weg zum eigenständigen Menschen.

Fazit

Legend - Fallender Himmel ist ein ergreifender Jugendroman, den man den dystpoischen Science-Fiction-Werken zuordnen kann. Er vereint den Kampf gegen einen übermächtigen Überwachungstaat mit dem Aufkeimen der ersten Liebe und stellt im Zukunftsgewand wichtige Fragen nach Gehorsam und Auflehnung. Themen, die auch in der heutigen Zeit mehr als brisant sind. Dabei behält das Buch aber seinen Charme als packender Jugendthriller.

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