Halva, meine Süße

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Coppenrath, 2012, Originalausgabe

Couch-Wertung:

6

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Yvonne Schulze
Drückende Liebesgeschichte mit offenem Ende

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Nov 2012

Eine junge Frau zwischen Tradition und Moderne

Halva war acht Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder Mudi ihr Heimatland Iran verlassen musste. Geholfen hat der Familie hierbei ein guter Freund von Halvas Vater, da er über die notwendigen Beziehungen verfügte. Und nun, zehn Jahre später, hat sich Halvas Familie in Augsburg eine neue Existenz aufgebaut und führt ein Café in der Innenstadt. Halva ist mittlerweile eine erwachsene junge Frau, die kurz vor ihrem Abitur steht. Die Familie hat ihre iranischen Wurzeln zwar nie vergessen, führt in Deutschland aber ein sehr westliches Leben und Halva und Mudi durften frei und ungezwungen aufwachsen. Als Halva dann Kai, einen Freund und Kommilitonen ihres Bruders Mudi kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch die Liebe der beiden steht unter keinem guten Stern. Das Verhalten von Halvas Familie ändert sich schlagartig, Eltern und Bruder setzen alles daran, die beiden auseinanderzubringen und greifen dabei zu teilweise drastischen Mitteln. Halva kann sich das veränderte Verhalten ihrer Familie lange nicht erklären, bis sie erfährt, dass sie der Preis für die Flucht aus dem Iran war.

Ein Leben zwischen zwei Welten

Halva, meine Süße ist in erster Linie eine bittersüße Liebesgeschichte für romantische Mädchenherzen und damit genau das richtige für Leserinnen, die emotionsgeladene Herz-Schmerz-Geschichten mögen. Durch die flüssige Sprache lässt sich die Geschichte auch flott lesen und die Seiten fliegen nur so dahin.

Doch es geht in diesem Buch nicht nur um die Liebesgeschichte zwischen Kai und Halva. Es geht hier auch noch um ein anderes, höchst brisantes Thema: Integration, multikulturelles Leben und das friedliche Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Die Geschichte nimmt in der ersten Hälfte des Buches eine sehr positive Entwicklung. Die Autorin beschreibt anhand von Halvas Familie, dass westliche Lebensart und Islam durchaus kompatibel sind, dass man ein modernes Leben führen und trotzdem seiner angestammten Kultur und Religion treu bleiben kann. Und so glaubt auch Halva lange Zeit, dass für sie ein Leben in beiden Kulturen möglich ist, zumal auch Kai sehr aufgeschlossen und interessiert ist.

Doch anstatt die positive Entwicklung der Geschichte konstant fortzuführen, lenkt die Autorin die Handlung ab der Mitte des Buches in eine Richtung, die in ihrer klischeehaften Eindimensionalität sämtliche westlichen Vorurteile gegenüber dem Islam und Menschen mit muslimischem Hintergrund bedient, wobei die Autorin wirklich kein Klischee auslässt und es auch mit der Dramatik übertreibt. Nachdem Halvas Eltern und ihr Bruder Mudi in der ersten Hälfte des Buches als moderne, aufgeschlossene Menschen beschrieben werden, ist ihr plötzlicher Sinneswandel wenig glaubhaft und der drastische Umschwung in der Handlung kaum nachzuvollziehen. Die Richtung, die die Geschichte ab der zweiten Hälfte einschlägt, ist nur noch ärgerlich.

Halva ist ohne Zweifel die stärkste Figur und sie ist eine sehr sympathische Protagonistin. Welches Schicksal ihr bestimmt ist, wird dem Leser schon nach wenigen Seiten klar, doch Halva erfährt erst nach ca. der Hälfte des Buches, dass sie der Preis für die Flucht der Familie war, dass sie zurück in den Iran muss, um den ältesten Sohn des Freundes ihres Vaters zu heiraten, der der Familie damals bei der Flucht geholfen hat. Als Halva bewusst wird, dass sie quasi zwangsverheiratet werden soll, setzt sie sich selbstbewusst zur Wehr, stellt sie mit klugen Argumenten längst überholte und nicht mehr zeitgemäße Traditionen und den "Ehrbegriff" des Vaters in Frage, der für das Glück des Sohnes seine eigene Tochter opfert. Doch Halva weiß auch, dass sie sich für eine Seite entscheiden muss.

Doch die Entscheidung, die sie dann letztendlich trifft, ist schlichtweg unglaubwürdig und steht komplett im Widerspruch zur vorher noch so selbstbewusst auftretenden jungen Frau. Das Ende der Geschichte kommt abrupt und ist unbefriedigend, es bleiben viele Fragen offen und der Cliffhanger lässt vermuten, dass es hier wohl eine Fortsetzung geben soll.

Und noch etwas sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Jeder Leser, der Augsburg kennt, wird sehr schnell die kaum vorhandene Ortskenntnis der Autorin bemerken. Sie verwechselt Kirchen und bringt Straßen durcheinander, lässt ihre Protagonisten Wege gehen, die so nicht möglich sind. Da ist so vieles schlichtweg falsch und für ortskundige Leser sind diese - im Zeitalter von Internet und google.maps vermeidbaren - Fehler ein zusätzliches Ärgernis. 

Fazit

Es hätte eine schöne und tiefsinnige Geschichte werden können, wenn die Autorin den Mut gehabt hätte, das Konzept der ersten Hälfte konsequent bis zum Ende durchzuziehen, anstatt in der zweiten Hälfte umzuschwenken und wieder nur einschlägige Klischees und Vorurteile zu bedienen. Gerade ihren jungen Lesern hätte sie zeigen können, dass mit Toleranz und Aufgeschlossenheit ein friedliches Nebeneinander der Kulturen möglich ist, dass sich muslimische Traditionen und westliches Leben nicht ausschließen, sondern miteinander verbunden werden können. So bleibt dieser Roman nichts weiter als eine überdramatisierte und kräftig auf die Tränendrüse drückende Liebesgeschichte mit offenem Ende.

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