Dark Canopy

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • script5, 2012, Originalausgabe

Couch-Wertung:

7
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Almut Oetjen
Der verdunkelte Himmel

Buch-Rezension von Almut Oetjen Okt 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Der verdunkelte Himmel"

Nach dem Dritten Weltkrieg hat die Triade die Herrschaft übernommen. Ihr unterstehen die Percents, genetisch veränderte Soldaten, die Augen wie Reptilien haben. Die Menschen haben sich entweder den Percents unterworfen und leben mit ihnen in den Städten, oder sie hausen als Rebellen außerhalb der Städte in Verstecken, werden von den Percents gejagt und treiben mit Menschen in den Städten heimlich Handel. Die neunzehnjährige Rebellin Joy gehört zum Clan von Mars. Dessen Sohn Matthial liebt Joy. Als Joy und Amber zum Tauschen in der Stadt sind, geraten sie in einen Hinterhalt, Amber wird von den Percents gefangen genommen. Bei dem späteren Versuch Amber zu befreien, gerät auch Joy in Gefangenschaft. Sie wird dem Varlet Neél zugewiesen, der sie für den anstehenden Initiationsritus, den Chivvy, in dem die neuen Percents mitsamt ihrem Rang bestimmt werden, zur Soldatin ausbilden soll.

Joy erlebt die Percents während ihrer Gefangenschaft anders, als sie ihr bei den Rebellen dargestellt wurden.

Das Jahr 40 nach der Übernahme

"Dark Canopy" erzählt eine Geschichte, die durch oftmals gewalttätige Action und Dialoge vorangebracht wird. Sie spielt vierzig Jahre nach der Übernahme der Macht durch die Triade, einer Organisation, die von den Präsidenten geführt wird und denen die Percents dienen. Die Organisation des Herrschaftssystems bleibt zumindest im ersten Teil der Trilogie unklar, ebenso, wer die Präsidenten sind. Zwar steht einer der Percents vor dem Übergang zum Präsidenten, aber das erklärt nichts. Varlets sind Mutanten, die sich in der zweijährigen Phase vor dem Übertritt in den Kriegerstatus befinden, den sie beim Chivvy vollziehen können. Mädchen sind Allgemeingut, solange kein Percent öffentlich einen Anspruch auf sie erhebt. Es scheint, als würden sich Percents mit Menschenfrauen paaren:

Zitat:
"Ich würde im Optimierungsprogramm landen und dann auf dem Müll, sobald sie feststellten, dass ich zur Fortpflanzung nichts taugte."

Die Haut der Percents reagiert überempfindlich auf UV-Strahlung, weshalb die als Dark Canopy bezeichneten Maschinen entwickelt wurden. Zwei Stunden nach Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird der Himmel unter Einsatz von Dark Canopy verdunkelt. Die Energieversorgung erfolgt offenbar durch Gezeitenkraftwerke.
Die Rebellen sind in Clans organisiert. Dem Clan unter Führung von Mars gehören dessen drei Kinder Matthial, Josh und Janett an, weiter Amber, Joy und ihre Schwester Penny. Gelegentlich stoßen neue Menschen hinzu. Mars’ Kinder besitzen eine alte Playstation. Joy trägt einen Parka. Zu den weiteren Relikten aus der Vergangenheit gehören Coca-Cola-Werbung, ausgeschlachtete Autokarosserien, ein Motorrad, Schutzbleche, Malvenaufgüsse.
Der Handlungsort ist irgendwo in Europa. Einmal wird über die Flucht nach Norden, in das frühere Skandinavien gesprochen. Die Namen sind überwiegend englisch.

Die Handlung wird aus zwei Perspektiven erzählt. Joy ist in "ihren" Kapiteln die Ich-Erzählerin. Die Geschehnisse im Clan hingegen werden neutral in der dritten Person erzählt.
Benkau betreibt in ihrer Dystopie keinen Weltenbau. Sie skizziert ihr Zukunftsszenario äußerst knapp und lückenhaft, weshalb manche Konstruktionsmerkmale nur bedingt einsichtig sind. Viel mehr Wert legt sie auf die Handlung und die Hauptfiguren, die erfrischend wenig Stereotypen folgen und im Handlungsverlauf erst richtig Fleisch an die Knochen bekommen. Die für Jugenddystopien übliche Liebesgeschichte wird eher beiläufig und nachvollziehbar entwickelt, ist zwar emotional, aber weitab von Kitsch und Klischee.

"Dark Canopy" ist ein weiterer Eintrag in den langsam unübersichtlich werdenden Markt der Dystopien für Jugendliche. Der US-Markt bestimmt das dystopische Segment, aus deutschen Landen gibt es vergleichsweise wenig zum Thema. Dystopien muten zunehmend wie Klone an. Benkaus Roman hingegen orientiert sich weniger an den handelsüblichen Mustern - eine der Ausnahmen ist Suzanne Collins’ "Die Tribute von Panem" -sondern eher an Filmen wie der "Terminator"-Reihe und der TV-Serie "Falling Skies".

FAZIT

Jennifer Benkaus "Dark Canopy" ist ein spannender Auftakt zu einer Trilogie, in dessen Verlauf man sich mehr Informationen über die Welt der Zukunft wünschen würde.

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