Wer hat Angst vor Jasper Jones?

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2010, Titel: 'Jasper Jones', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7

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Yvonne Schulze
anspruchsvolle Unterhaltung

Buch-Rezension von Yvonne Schulze Okt 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "anspruchsvolle Unterhaltung"

Wir schreiben das Jahr 1965. In dem fiktiven australischen Provinzstädtchen Corrigan verschwindet eines Tages Laura, die Tochter des Bezirkspräsidenten. Der Sündenbock steht für die Bewohner sehr schnell fest, denn kein anderer als Jasper Jones kommt für diese Tat in Frage. Jasper ist der Außenseiter der Gemeinde, aus schwierigen Familienverhältnissen stammend, Sohn einer Aborigine und mit einem Trinker als Vater, ist er als Mischling schon seit frühester Kindheit auf sich allein gestellt und hält sich mit kleinen Diebereien über Wasser. Er ist es auch, der die tote Laura findet, erhängt an einem Baum auf einer schwer zugänglichen Lichtung im Wald, die Jaspers geheimer Rückzugsort ist und von deren Existenz eigentlich niemand etwas weiß. Aus Angst, für den Tod Lauras verantwortlich gemacht zu werden, bittet er den 13jährigen Charles Buktin, ihm bei der Beseitigung von Lauras Leiche zu helfen. Der introvertierte Charles, von Jaspers charismatischer Art beeindruckt, hilft ihm dabei, Lauras Leiche verschwinden zu lassen und Jasper nimmt Charlie das Versprechen ab, über die Vorkommnisse zu schweigen und ihm bei der Suche nach dem wahren Mörder zu helfen. Für beide steht fest, dass für den Mord an Laura nur der verrückte Jack Lionel in Frage kommt, der ebenfalls ein Ausgestoßener ist und im Verdacht steht, schon einmal eine Frau umgebracht zu haben.

Das Wissen um das traurige Schicksal Lauras und das Versprechen, darüber Stillschweigen zu bewahren, liegen Charlie ab sofort wie ein Stein auf seiner Seele. Besonders groß werden seine Gewissensbisse, als er sich in Eliza, Lauras jüngere Schwester verliebt.

Ein anspruchsvoller Roman, für den es erfahrene Leser braucht

Craig Silveys Roman wurde bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet. Wer jetzt aber glaubt, hier einen spannenden Jugendthriller in der Hand zu haben, wird sehr schnell bemerken, dass dem nicht so ist. Silveys Roman ist ein unglaublich vielschichtiger, gesellschaftskritischer Roman, für den es versierte Leser braucht, um die ganze Komplexität der Handlung zu erfassen. Es ist definitiv kein Buch, das man mal entspannt so einfach weg liest. Auf diesen Roman muss man sich einlassen können und man muss bereit sein, aufmerksam und konzentriert zu lesen.

Irreführend ist neben dem Klappentext auch der Titel. Jasper Jones ist in diesem Roman nur eine Nebenfigur und bleibt als solche auch ziemlich blass. Er taucht nur ganz am Anfang der Geschichte auf, um dann für längere Zeit wieder in der Versenkung zu verschwinden und nur hier und da mal in der Handlung aufzutauchen. Seinen großen Auftritt hat Jasper eigentlich  erst auf den letzten 100 Seiten. Der Hauptprotagonist der Geschichte ist definitiv Charlie und es ist seine Geschichte, die er uns in Ich-Form erzählt. Charlie ist ein sehr introvertierter, ja man kann schon fast sagen ziemlich feiger Junge und er hat furchtbare Angst vor Insekten, wobei aber nie klar wird, woher diese Phobie kommt. Jasper verbringt seine Zeit am liebsten lesend, er liebt die Bücher von Mark Twain und "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee ist sein Lieblingsbuch, mit dessen Helden, dem aufrechten und geradlinigen Atticus Finch er sich gern vergleicht, ohne in Wahrheit auch nur annähernd so zu sein wie dieser.

Charlies bester Freund ist Jeffrey, ein Sohn vietnamesischer Einwanderer, der in der Schule gemobbt wird, es aber mit Fassung und viel Humor trägt. Jeffrey ist ein leidenschaftlicher Kricket -Spieler und sein größter Traum ist es, in die örtliche Kricket-Mannschaft aufgenommen zu werden. Die Dialoge zwischen Charlie und Jeffrey sind teilweise sehr komisch und sie sind damit der Gegenpol zur ansonsten sehr ernsten Handlung. Auch die zarte Liebesgeschichte zwischen Charlie und Eliza bringt Leichtigkeit und positive Aspekte in die Geschichte.

Craig Silveys Roman ist in erster Linie eine Geschichte über das Erwachsenwerden eines Jungen. Es ist auf der anderen Seite aber auch die Kritik an einem verlogenen System, wo unter dem Deckmantel der Rechtschaffenheit angesehene Bürger nicht vor Brutalität, Gewalt, Kindesmissbrauch und Folter zurückschrecken, wo Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung herrschen und Menschen wie Jasper Jones und Mad Jack Lionel aus der Gesellschaft ausgestoßen und zum Sündenbock für alles gemacht werden, nur weil sie durch widrige Lebensumstände nicht in das System passen und durch das gesellschaftliche Raster fallen. Und auch wenn die Geschichte in den 60er Jahren in Australien spielt, lassen sich durchaus Parallelen zur heutigen Zeit und zu jedem anderen Land ziehen.

Der Schreibstil des Autors ist sehr nüchtern, manchmal etwas ruppig und passt somit zur Geschichte. Nervenaufreibende Spannung darf man hier allerdings nicht erwarten, denn die gibt es nicht, ganz im Gegenteil. Seitenlange Beschreibungen wie etwa eines Kricketspiels könnten bei Lesern, die von dieser Sportart kaum Ahnung haben, schnell zu Langeweile führen, mal ganz davon abgesehen, dass man ständig das im Anhang befindliche Kricket-Glossar zu Hilfe nehmen muss, um die ganzen Fachbegriffe zu verstehen.

FAZIT

Es ist ein Roman, der sich eher an Leser richtet, die anspruchsvolle Bücher dem Mainstream vorziehen und die bereits über ein gewisses Maß an Leseerfahrung verfügen. Deshalb ist das Buch auch eher für junge Erwachsene geeignet.

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