Ich lebe, lebe, lebe

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2006, Titel: 'All rivers flow to the sea', Originalausgabe

Couch-Wertung:

7

Leser-Wertung

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Rita Dell'Agnese
Wann ist die Hoffnung zu Ende

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Okt 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Wann ist die Hoffnung zu Ende"

Immer wieder sieht Rose den Moment vor sich, in dem ein Lieferwagen auf das Auto zuraste, in dem sie und ihre Zwillingsschwester Ivy saßen. Rose hat den Unfall unbeschadet überstanden. Ivy hingegen liegt im Koma. Die Mutter der Beiden hat den Ärzten verweigert, die Maschinen abzustellen, die Ivy am Leben erhalten – dies, obwohl Ivys Prognosen schlecht sind. Auch Rose kann nicht fassen, dass ihre Schwester nie wieder aufwachsen soll. Sie zieht sich in ihre eigene Welt zurück und versucht, sich auf den Moment vorzubereiten, in dem Ivy die Augen aufschlägt und wieder da ist. Um nicht mit der Realität konfrontiert zu werden, errichtet sie einen dicken Panzer um sich herum. Nur dem alten Freund der Familie, William T. gelingt es, Roses Panzer zu durchdringen. Er tut alles, um Rose zurück ins Leben zu bringen – in ein Leben ohne Ivy.

Alison McGhee greift ein heikles Thema auf: Wann kommt der Moment, in dem Hoffnung zum Selbstbetrug wird? Wann muss man loslassen? Die Autorin macht diese Frage an zwei Personen fest, die ganz unterschiedlich mit der Realität umgehen. Da ist zunächst Rose, die beim Unfall dabei war und nicht fassen kann, dass ihre Schwester nicht mehr bei ihnen sein soll. Sie besucht Ivy täglich, um ja keinen Fortschritt zu verpassen. Dabei verpasst es Rose, sich wieder ins Leben zu integrieren. Es bereitet ihr Mühe, dass die anderen Menschen ihr Leben weiterleben, als wäre nichts geschehen. Dann ist da aber auch die Mutter der beiden Mädchen, die sich auf eine andere Weise der Realität entzieht. Sie verweigert die Zustimmung, die Maschinen abzustellen, die Ivy am Leben erhalten – besucht aber ihre Tochter nie. In ihrer Trauer um Ivy weichen sich Rose und ihre Mutter aus, denn sie kommen nicht damit klar, wie die jeweils andere mit der Situation umgeht.

Mit stetigen Rückblenden auf den tragischen Unfall versucht die Autorin, das Geschehen in Roses Gedankenwelt darzustellen. Die junge Frau kann sich selber kaum noch fühlen, nur durch Schmerz weiß sie, dass sie lebendig ist. Und selbst diese trügerische Lebendigkeit verbietet sie sich, solange Ivy nicht daran teilhaben kann. Dadurch wird Rose mit Unfallfolgen konfrontiert, von denen sonst kaum je die Rede ist: mit der Verweigerung der Betroffenen – hier Rose - , sich selber das Recht auf ein eigenes Leben zuzugestehen. Die langsame Ablösung von Ivy kommt im Roman "Ich lebe, lebe, lebe" aber leider nicht ganz so gut zum Ausdruck. Das drückt auf das Tempo der Geschichte, die manchmal nahezu zum Stillstand zu kommen scheint. Dies ist schade, denn es verleitet dazu, das Buch wegzulegen.

Grundsätzlich sind die Charaktere einfühlsam und gut gezeichnet, wenn sie auch da und dort noch etwas genauere Konturen vertragen würden. Gerade Rose, die als Hauptfigur im Zentrum des Romans steht, bleibt auf Distanz. Obwohl Alison McGhee versucht, die Handlungsweise des Mädchens schlüssig darzulegen, gelingt es ihr nur schlecht, Verbundenheit mit der orientierungslosen jungen Frau zu empfinden.  Durch diese distanzierte Haltung verwehrt sie den Lesern den Blick hinter die Fassade von Rose. Dadurch entsteht die Gefahr, dass die Leser genau das tun, was die meisten Menschen in dieser Situation tun würden: Rose als Sonderling einzuordnen und ihr möglichst fern zu bleiben. Ein wenig Nähe zum leidenden Mädchen und eine vertiefte Auseinandersetzung  mit ihrer psychischen Verfassung hätten dem Roman gut getan.

FAZIT

Das Thema ist brisant, die Umsetzung gut gemeint, aber nicht ohne Einschränkungen geglückt. Alison McGhee lässt die Leser zwar auf Tuchfühlung mit dem Problem kommen, nicht aber mit der Protagonistin. Das ist schade. Denn ansonsten stimmen sowohl das Konzept als auch die Gestaltung des Themas.

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