Nur Einsfünfzig

  • Baumhaus
  • Erschienen: Januar 2012
  • Baumhaus, 2012, Originalausgabe
Nur Einsfünfzig
Nur Einsfünfzig
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Rita Dell'Agnese
5

Jugendbuch-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2012

Zu vieles bleibt ungelöst

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Zu vieles bleibt ungelöst"

Martin Gülich stattet in seinem Roman "Nur Einsfünfzig" den Helden Jakob mit allem aus, was ein Junge zu Beginn des Teenageralters haben muss – außer mit der richtigen Größe. Denn Jakob ist mit seinen Einsfünzig der kleinste Junge in der Klasse. Sogar die Mädchen werden nach und nach grösser als er. Dabei wäre Jakob als Sonntagskind doch nach Meinung seiner Familie ein Glückskind. Leider kann er die fehlende Größe aber auch nicht durch besonderen Sportsgeist oder andere hervorragende Attribute wettmachen. So fühlt sich Jakob mehr und mehr wie ein Loser. Dass es daheim gerade nicht optimal läuft zwischen den Eltern und auch die ältere Schwester Anka sich plötzlich seltsam verhält, macht die Sache nicht besser. Jakob kämpft darum, vom Verlierer-Image weg zu kommen und einer der Helden der Klasse zu werden. Doch so einfach ist das nicht.

Der Autor startet mit viel Sprachwitz in Jakobs Geschichte. Die erste Bekanntschaft mit dem jungen Helden ist erfrischend zu lesen. Unverdrossen weiht der Romanheld die Leser in seine intimsten Geheimnisse ein. Ob es nun darum geht, dass er mittels einer geheimnisvollen Salbe seinen Pimmel verlängern will oder sich als Spion versucht, um seinen Vater der Untreue zu überführen: Was auch immer Jakob unternimmt, die Leser erfahren davon. Obwohl Martin Gülich den leichten Ton bis zum Ende beibehält, verliert die Schilderung des Alltags von Jakob jedoch nach und nach an Tempo und bleibt schließlich fast stehen. Der witzige Erzählton wird ermüdend und wirkt stellenweise bemüht. Erst recht, da Jakobs Probleme sich zwar nach und nach leicht verlagern und in einigen Bereichen vergrößern, es jedoch keine wirklich überraschenden Entwicklungen gibt.

Leider bleibt Martin Gülich seinen Lesern letztlich sehr viel schuldig. Er verliert sich in Andeutungen, was die Schwester Anka betrifft – für ältere Jugendliche oder erwachsene Leser ist zwar bald mal klar, mit welchem Problem sich das Mädchen herum schlägt, für die eigentliche Zielgruppe des Buches dürften die Andeutungen allerdings zu unklar bleiben. Ebenso die Situation der Eltern: Wohl wird da und dort das Schreckgespenst "Scheidung" ins Feld geführt, wie es mit den Beiden aber tatsächlich weitergeht, bleibt offen. Damit bleiben die Leser nach der Lektüre des Buches mit ihren Fragen ebenso alleine, wie es Jakob mit seinen Alltagsproblemen ist. Hier hätte eine deutlichere Entwicklung gut getan.

Ob es ein Aufflammen von Nostalgie ist – oder eine gedankliche Unaufmerksamkeit: Dass der Autor seine Protagonisten mit D-Mark rechnen lässt, wirkt auf alle Fälle befremdend. Die Leser-Zielgruppe dürfte diese Währung höchstens aus Erzählungen ihrer Eltern – wenn überhaupt – kennen. Für den Verlauf des Romans und die Geschichte hat das Kokettieren mit den alten Währungsverhältnissen keine Bedeutung, könnte also problemlos weggelassen werden. Im Gegenteil: Auf den Leser könnte der Part mit den D-Mark einen leicht verstaubten Eindruck machen, obwohl es sich hier nicht um die Neuauflage eines älteren Romans handelt.

FAZIT

Martin Gülich zeigt mit seinem Start in den Roman gute Ansätze und lässt zunächst den Eindruck aufkommen, hier eine witzig-leichte Lektüre in Händen zu halten. Er flicht jedoch im Verlauf der Geschichte einige happige Problemfelder ein, die zu einem nicht unerheblichen Teil ungelöst bleiben. "Nur Einsfünfzig" hätte auf jeden Fall an Substanz gewonnen, wenn sich der Autor auf weniger Brennpunkte beschränkt, diese aber mit mehr Tiefe behandelt hätte.

Nur Einsfünfzig

Martin Gülich, Baumhaus

Nur Einsfünfzig

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