Über uns Stille

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Wenn die Gondeln einen toten Schwarzmagier tragen"

Willkommen in der Stadt der Kanäle, der Palazzi und der Gondeln. Venedig, die vielleicht romantischste, sicherlich aber eine der geschichtsträchtigsten Städte der Welt, erwartet uns.

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Nun, uns Leser, aber auch Kristina, ihren kleinen Bruder Jan sowie ihre Tante Sara. Gemeinsam wollen, nein, eher müssen sie die Weihnachtsfeiertage im alten, ein wenig baufälligen Palazzo der Familie im nass-kalten Venedig verbringen. Ihre Ur-Oma Nonna zeigt mehr als deutlich, dass ihr der Besuch aus Deutschland nicht recht ist. Nicht nur, dass sie von ihren Abkömmlingen nichts wissen will, sie ist auch noch merkwürdig. Überall im Haus sind Silberschnüre um die Fenstergriffe gewickelt, und arbeiten sollen die Gäste in dem renovierungsbedürftigen Hotel auch noch.
Dabei geht hier so einiges vor, das sich nicht erklären lässt. Ratten und Möwen suchen das Gemäuer heim. Immer wieder werden Jan Sachen geklaut. Scheinbar unsichtbare Kinder lachen und klettern die steilsten Wände hinauf. Und in einem zugemauerten Zimmer, bezeichnenderweise die Nummer 13 des Hotels, scheint mitten im Winter ein tropischer Garten zu sein. Spricht man Nonna darauf an, wiegelt sie schnell ab.
Ein Fluch scheint auf dem Anwesen, ja, der ganzen Familie zu lasten. Ein Fluch, der mit einer Vorfahrin Saras, einer Alchemistin, ihrem geliebten Fischer und dem damals hingerichteten schwarzen Dogen zusammenhängt.
Nachdem Sara und ihre Mündel nach Venedig gekommen sind, regt sich etwas Dunkles, etwas Böses in der Lagune. Ein Wesen, das die Macht über die Stadt an sich reißen will und die Rechnung mit den Dandolos begleichen will. Doch diese wissen sich mit Witz und Verstand sowie ihren ganz eigenen Kräften zu wehren.

Mutige Erzähler im Kampf gegen das Schicksal

Nina Blazon ist eine Autorin aus der jungen Garde deutscher Phantastik-Autoren, die auf ganz eigenen Pfaden zu erzählen weiß.

Stilistisch ansprechend, mit jeder Menge Phantasie und einem scharfen Auge, nicht nur für die vielschichtigen Personen, sondern auch für ein interessantes Setting, entführt sie uns dieses Mal in die Lagunenstadt.
Dabei fährt sie auf, was man von einem Venedig-Roman erwarten kann: Karneval, Gondeln, Dogen und Paläste, dazu Flüche und Überlieferungen. Da bleibt kein Wunsch unerfüllt.
Damit aber nicht genug, bannt sie uns mit ihren Schicksalen an die Seiten. Nicht nur die mutterlos aufwachsenden Geschwister, auch ihre Tante Sara, die Uroma oder die verfeindete Familie Pezzi offenbaren hier ihre Geheimnisse. Wir erfahren dabei viel von Not und Leid, das es zu ertragen gab und nach wie vor gibt, aber immer auch – wie bei Nina Blazon üblich – viel vom Mut, sich nicht unterkriegen zu lassen und das Leben in die Hand zu nehmen. So stellen sich alle Gestalten der Geschichte mutig ihren Prüfungen, trotz Angst und Furcht, und versuchen, Dinge zum Besseren zu verändern. Dass uns die Figuren dabei ans Herz wachsen, ist nachvollziehbar. Man schlüpft bei all dem Schlimmen, das ihnen widerfährt, trotzdem gern in die Haut der sympathisch gezeichneten Menschen.

Wie immer bei einem Buch von Nina Blazon kommt dabei die Phantasie nicht zu kurz. Tief dringt die Autorin in die Geschichte der Stadt ein, streift dabei nur kurz, dafür aber intensiv, die Vergangenheit, bevor sie wieder die Brücke zu den aktuellen Vorgängen schlägt.

FAZIT

"Laqua - Der Fluch der schwarzen Gondel" liest sich sehr intensiv, verwöhnt uns mit Gestalten, die zutiefst sympathisch gezeichnet werden und die sich ihren Prüfungen mutig stellen, die aber auch Zweifeln und Angst haben, traurig ja verzweifelt sind und sich aber trotzdem nicht davon abbringen lassen, das Richtige zu tun.
Tief verborgen unter all der Spannung und Atmosphäre ist dies ebenfalls ein Buch, das uns zeigt, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen, nicht aufzugeben oder zu verzweifeln. Es ist ein Buch, das die Werte der Freundschaft und Hoffnung hoch hält und uns letztlich anleitet, nicht zu verzagen.

Couch-Wertung:

9
Praktikabilität

Leser-Wertung

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Julia Behrens
Was, wenn der dritte Weltkrieg stattgefunden hätte?

Buch-Rezension von Julia Behrens Sep 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Was, wenn der dritte Weltkrieg stattgefunden hätte?"

Wir schreiben das Jahr 1962. Die Kubakrise hat ihren Höhepunkt erreicht, ebenso das Wettrüsten der Atommächte USA und Russland. Überall herrscht erhöhte Alarmbereitschaft, doch so wirklich rechnet niemand mit einem Atomkrieg. Außer Scotts Vater, der einen Atombunker unter sein Haus baut. Zunächst wird er von den Nachbarn dafür noch verhöhnt. Scott ist noch zu klein, um wirklich zu verstehen, was da passiert, obwohl sie in der Schule in letzter Zeit viel über die Kubakrise sprechen und darüber, warum die kleine Insel Kuba auf einmal so wichtig geworden ist.

Als mitten in der Nacht schließlich doch die Sirenen losgehen, beginnt ein Wettkampf mit der Zeit. So rasend schnell geht alles, so unglaublich ist, was tatsächlich geschehen ist: die Atombombe wurde abgeworfen. Nur wenige Minuten bleiben, bis die Welt, wie wir sie kennen, zerstört sein wird. Scott, sein Bruder Sparky, sein Vater, seine Mutter und ihre Haushälterin Janet fliehen in den Atomschutzbunker. Doch die Nachbarn wissen, dass es einen Bunker gibt, und was zunächst völlig absurd erschien, wird zur letzten Zuflucht. Doch der Bunker ist nur für vier Menschen ausgelegt, nicht für acht oder mehr. Sofort wird klar, was dieser Krieg bedeutet: Scotts Mutter ist beim Einstieg schwer verletzt worden. Kein Arzt ist bei ihnen. Die Wasserversorgung funktioniert nicht richtig. Das Essen reicht nur für wenige Tage, doch um die Strahlung zu überleben, müssen alle mindestens zwei Wochen im Bunker bleiben. Waschen ist nicht möglich - das Wasser würde nicht reichen. Und nach der Explosion ist oben auf einmal alles so unerträglich still. Was ist übrig geblieben von der Zivilisation? Hat irgendjemand überlebt? Oder sind die paar Menschen in dem Bunker etwa die Einzigen? Die Spannungen zwischen den Insassen werden schnell unerträglich und werfen erdrückende Fragen auf: Warum eine Invalidin durchfüttern, wenn das Essen ohnehin schon knapp ist? Warum überhaupt in dem Bunker bleiben, wenn nichts mehr übrig ist. Und wer hat Scotts Vater eigentlich das Kommando erteilt? Wer hat das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden?

Morton Rhue hat ein Szenario erschaffen, das in den 1960er Jahren leicht hätte Realität werden können. Er verbindet die Schrecken des Kalten Kriegs mit einer realen Geschichte. Immer wieder wechseln die Szenen im Bunker mit Rückblenden, in denen die Entstehung der damaligen Situation erklärt wird, etwa im Geschichtsunterricht in Scotts Schule. Dann erleben wir wieder, wie es Scott in dem Bunker ergeht, wie er bangt und hofft und nicht weiß, wie er das Geschehene verarbeiten soll. Einen Großteil der Geschehnisse nehmen die Spannungen zwischen den Erwachsenen ein, die immer wieder zu einer Eskalation der Situation zu führen drohen. Eindrucksvoll zeichnet Rhue nach, wie die kleine Gruppe von Menschen auf die totale Krise reagiert, wie sie immer wieder zwischen Vernunft, Angst, Wut, Panik und Hilflosigkeit schwankt und sich dabei von einer moralischen Zwangslage in die Nächste begeben muss. Dabei versteht der Autor von "Die Welle" es gut, die Endzeitstimmung, die seinem Roman zu Grunde liegt, immer wieder aufleben zu lassen. Immer wieder stellt er seine Figuren vor neue Probleme und lässt uns Leser das alles durch die fassungslosen Augen des jungen Scott erleben. Dadurch gibt es auch keinen Moment, in dem man das Buch weglegen möchte, so spannend und fesselnd ist es geschrieben. Die Tatsache, dass es sich um eine reale Bedrohung handelt, die Rhue auffasst und die heute auf andere Weise nicht weniger aktuell ist als in den 1960er Jahren, macht das Lesen noch spannender. 

FAZIT

Ein wirklich gut geschriebener und fundiert recherchierter Roman, der sich an ein schwieriges Thema und eine historisch ausgesprochen komplexe Epoche wagt. Ein weiterer Roman vom Autor von "Die Welle", der ebenso brillant geschrieben ist und menschliche Abgründe unter die Lupe nimmt.

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