Ellen, Schutzengel

  • Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2011, Originalausgabe
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Rita Dell'Agnese
8101

Jugendbuch-Couch Rezension vonSep 2012

Plötzlich etwas Besonderes sein

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Plötzlich etwas Besonderes sein"

Ellen schwebt in rosaroten Wolken, als ihr Schwarm Bo sie um ein Date bittet. Doch Bo taucht nicht auf. Gedemütigt und enttäuscht will Ellen nichts mehr mit Bo zu tun haben. Das ist aber nicht so einfach, wie sie sich das vorgestellt hat. Bo scheint zu spüren, dass sie noch immer etwas für ihn empfindet. Und er macht sich einen Spaß daraus, Ellen vor allen anderen in der Schule zu blamieren. Und sie hilft mit ihrer Tollpatschigkeit tatkräftig mit. Doch dann taucht in ihrem Leben die geheimnisvolle Helena auf. An ihrem 16. Geburtstag erfährt Ellen von Helena, dass sie ein Schutzengel ist. Das würde Ellen ja auch ganz gut gefallen. Doch sie ist ausgerechnet der Schutzengel von Bo, der sich durch seine waghalsigen Aktionen immer wieder in Lebensgefahr begibt.

Es ist nicht schwer, sich die Situation vorzustellen, in der Ellen sich befindet. Auch wenn Anna Palm zu einigen Übertreibungen neigt, skizziert sie die Welt des Teenagers Ellen, ihrer Familie und ihrer Freunde doch sehr überzeugend. Die Autorin lässt ihre Heldin in manches Fettnäpfchen treten, die einigen Leserinnen nur zu bekannt sein dürften. Ausgerechnet, wenn die weiße Hose von einem hässlichen Kaffeefleck verunstaltet ist, muss der Schwarm vor einem stehen. Und dass Ellen gerade dann in Gedanken versunken in eine Straßenlaterne knallt, wenn Bo und seine Freunde daneben stehen, ist auch ein schon fast klassisches Bild. Auf diese Weise zaubert die Autorin da und dort ein wissendes Lächeln auf die Gesichter der Leserinnen – und erzeugt brennendes Mitgefühl mit der Heldin des Romans.

Welches Mädchen hat noch nie davon geträumt, einmal etwas ganz Besonderes zu sein. Auch Ellen wünscht sich, mehr wie ihre schlagfertige Freundin Neele zu sein. Auf jeden Fall nicht der Tollpatsch, der sich vor den anderen immer wieder zum Affen macht. Ihr Wunsch wird ihr auf eine ungewöhnliche Weise erfüllt: Sie darf ein Schutzengel sein und wird in den Kreis der anderen Schutzengel aufgenommen. Dass dies für die Freundschaft mit Neele zu einer harten Prüfung wird, erkennt Ellen erst spät – und auch da weigert sie sich, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Die Autorin Anna Palm setzt die Situation sehr gut um. Die außenstehenden Leserinnen sehen sehr wohl, was die bis dahin dicke Freundschaft zum Bröckeln bringt, und erleben mit, wie sich Neele einer neuen Clique anschließt, die neue, aber keineswegs gute Seiten von ihr wachruft. Zu sehr mit sich selber beschäftigt, misst Ellen dieser Veränderung zunächst kaum Bedeutung zu. Als sie erkennt, was Sache ist, hat die Clique Neele längst von ihrem bisherigen Umfeld abgeschirmt.

So ist Anna Palms Roman Zweierlei: Einerseits ein amüsantes Lesevergnügen, bei dem alle notwendigen Komponenten vorhanden und gut aufeinander abgestimmt sind. Andererseits eine leise Mahnung, Freundschaften nicht einfach aufs Spiel zu setzen und auch mit vermeintlichen Wahrheiten etwas sorgfältiger umzugehen. Denn an Missverständnissen und voreiligen Schlussfolgerungen mangelt es in diesem Roman nicht. Anna Palm versöhnt ihre Leserinnen mit den eigenen, weniger vorteilhaften Seiten und macht ihnen Mut, zu sich selber zu stehen, auch wenn sie vielleicht ein wenig anders sind.

FAZIT

"Ellen, Schutzengel" ist mehr als nur ein Teenager-Roman, der zum Schmunzeln anregt. Er ist ein - zwar überzeichnetes, aber durchaus bedenkenswertes - Bild von jungen Menschen, die dabei sind, erwachsen zu werden und sich zu verändern. Die Geschichte ist ein gut getarntes Plädoyer für ein menschlicheres Miteinander und dafür, offen anzusprechen, wenn etwas nicht so läuft, wie es sollte. Denn nur durch Offenheit und den Mut, auf den anderen zuzugehen, kommt die Heldin des Buches letztlich zum Ziel.

Ellen, Schutzengel

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