Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Fischer, 2012, Originalausgabe

Couch-Wertung:

9

Leser-Wertung

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Julia Behrens
Nach einer wahren Begebenheit

Buch-Rezension von Julia Behrens Jun 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Nach einer wahren Begebenheit"

Paula ist sehr stolz, als Adolf Hitler ihr sein Buch signiert, als Lob für ihre guten Leistungen im Bund Deutscher Mädel. Schaftführerin soll sie nun werden. Was für eine Ehre! Auch Paulas Familie ist sehr stolz auf sie, ganz besonders ihr Vater, der bei der Gestapo ist. "In Deutschland sind neue Zeiten angebrochen", sagt er. Gute Zeiten für Paula und ihre Familie, doch nicht so gute Zeiten für Paulas Freundin Mathilda. Mathilda ist Halbjüdin und sie fürchtet sich, vor der neuen Zeit und Nazideutschland. Als sie Paula davon erzählt, kann die das gar nicht glauben. Angst? Wovor? Jetzt wird doch alles besser! Doch Mathilda sieht das anders. Überhaupt ist Mathilda anders. Ihre Eltern sind reich, sie bekommt Privatunterricht und darf reiten gehen. Paula muss sich davon stehlen, um mit Mathilda in den Stall zu fahren. Ihre Eltern wollen nicht, dass Paula mit der Jüdin spielt. Die beiden Mädchen greifen zu einem Trick und richten sich einen geheimen Briefkasten ein. Schon bald wird der zur einzigen Möglichkeit, ihre Freundschaft während des Kriegs aufrecht zu erhalten. Während für Paulas Familie alles bestens läuft, erzählt Mathilda von ihrer wachsenden Angst. Und obwohl Paula findet, dass Mathilda übertreibt, beginnt sie doch Fragen zu stellen. Wem hat das schöne Haus gehört, in das ihre Familie nun einzieht? Und warum haben die Besitzer ihre Möbel nicht mitgenommen? Warum darf Mathildas Familie die Pferde nicht behalten und wo sind sie hingezogen? Immer häufiger sieht Paula Dinge, die sie nicht versteht und die sie nicht gutheißen kann. Doch eine Frage quält sie ganz besonders? Was hat ihr Vater damit zu tun? Und als Paula das herausfindet, kann sie nicht länger still halten.

"Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel" entführt seine Leser in die Nazizeit und nimmt dabei eine ungewöhnliche Perspektive ein. Aus der Sicht des Mädchens Paula, deren Vater sich seinen Stand in der Partei und der Gestapo erarbeitet hat, wird beschrieben, wie sie diese Zeit erlebt. Eine Zeit, die sie zunächst als positiv wahrnimmt, bis sie die Augen nicht mehr davor verschließen kann, welche Grausamkeiten während des Dritten Reichs geschehen. Für den Leser ist es ungewöhnlich, über den Blickwinkel der überzeugten Nazis in die Geschichte einzutauchen. Dennoch identifiziert man sich schnell mit Paula, die in erster Linie ein junges Mädchen mit Träumen ist. Ihre unbedingte Freundschaft zu Mathilda macht sie zudem sympathisch, und im Verlauf der Geschichte ringt man mit Paula, die sich zwischen der Loyalität zur eigenen Familie und dem, was sie als richtig und falsch erachtet, entscheiden muss – kein leichter Weg.

Die Figur der Paula steht stellvertretend für die Menschen im Dritten Reich, die Angehörige überzeugter Funktionäre und Parteimitglieder waren, selbst aber nichts vom Regime hielten. Paula als junges Mädchen, das auf den Schutz ihrer Familie angewiesen ist, begibt sich mit ihrem ungebrochenen Wunsch nach der Wahrheit und ihrem Gerechtigkeitssinn in eine schwierige und folgenschwere Lage. Mit ihrem mutigen Vorgehen fungiert sie aber auch in der heutigen Zeit als Vorbild, nicht hinzunehmen, wenn Grausamkeiten stillschweigend geduldet werden.

Paulas Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Das macht das Lesen noch spannender, als es ohnehin schon ist. Das Schicksal von Paula berührt, und Elisabeth Zöller schafft es mit ihrem einfühlsamen Schreibstil, dass man sich sehr gut in das Mädchen hineinversetzen kann.
Noch eine ganze Weile, nachdem man das Buch ausgelesen hat, denkt man über die Geschichte nach und über die unfassbaren Grausamkeiten des Dritten Reichs, die so viele Menschen heute noch nachhaltig beeinflussen.

FAZIT

Die berührende und bewegende Geschichte eines mutigen Mädchens im Nazideutschland, die kaum besser vor Augen führen könnte, dass es im Krieg keine Sieger gibt, nur Verlierer. Unbedingt lesen!

Vaters Befehl oder Ein deutsches Mädel

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