Au revoir, bis nach dem Krieg

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Gerstenberg, 2012, Originalausgabe

Couch-Wertung:

9
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Julia Behrens
Eine junge Liebe, die im Dritten Reich nicht sein darf

Buch-Rezension von Julia Behrens Jun 2012

Das meint Jugendbuch-Couch.de: "Eine junge Liebe, die im Dritten Reich nicht sein darf"

Sein Name war Philippe, einer der französischen Kriegsgefangenen. Der Schmächtigste vermutlich. Einer der kaum für harte Arbeit taugt. Ein Student aus Paris. So kommt es, dass Philippe in der Familie Hensel landet. Die Hensel-Männer sind alle im Krieg, bis auf Alfred, der ist noch zu jung und darf nur die Fähnchen auf der Landkarte verrücken, um die Front zu markieren. Die Hensel-Frauen sehen das Naziregime eher kritisch. Der junge Franzose tut ihnen Leid. Aber fraternisieren mit den Kriegsgefangnen ist streng verboten. Der jungen Hanni fällt das ganz besonders schwer. Philippe ist nur ein paar Jahre älter als sie und er hat so wunderschöne  Augen mit langen Wimpern und er ist so freundlich, fleißig und spielt so wunderschön Klavier. Philippes Anwesenheit zaubert ein bisschen Glück in die Familie Hensel zurück. Dabei ist diese Welt so merkwürdig. In Frankreich wartet Philippes Mutter sehnsüchtig auf ihren Sohn, und die Hensel-Frauen wünschten, ihre Männer wären aus Frankreich zurück. Wie seltsam so ein Krieg ist.

Als die Familie Philippe ins Herz schließt, begibt sie sich damit auf dünnes Eis. Immer wieder kommen Kontrolleure zu Überraschungsbesuchen. Doch ganz besonders für Hanni und Philippe wird es gefährlich, als sie sich verlieben. Denn eine Liebe zwischen einem Franzosen und einer Deutschen darf im Dritten Reich nicht sein. Philippe muss gehen. Aber werden sie sich wieder sehen, nach dem Krieg?

Wie eine sichere kleine Insel wirkt der Besitz der Hensels in "Au revoir, bis nach dem Krieg". Eine Insel mitten im Chaos des Krieges, auf der ein wenig Menschlichkeit und Herzlichkeit regieren. In dieser idyllischen Ruhe, die meilenweit von den Kämpfen entfernt zu sein scheint, entfaltet sich die Liebe zwischen Hanni und Philippe. Eine Liebe, die schöner nicht hätte sein können, wenn sie sich zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort kennen gelernt hätten.

Mit zarten, fast verträumten Worten und Bildern beschreibt Gudrun Pausewang die Geschichte der Familie Hensel. Einzelne Bilder fügt sie behutsam zu einer Geschichte zusammen. Doch das täuscht nicht über die grausame Wirklichkeit hinweg, die sich bedrohlich immer enger um die Familie schließt, bis sie sie eingeholt hat.

"Au revoir, bis nach dem Krieg" ist ein wunderschönes Plädoyer für Toleranz, Offenheit und Völkerverständigung, das wir in Form der Familie Hensel kennen lernen.

Die Geschichte zeigt aber ebenso gnadenlos die Grausamkeit des Krieges, die das Leben vieler Menschen einfach weggefegt hat. Beinahe still erleben wir das kurze Glück von Hanni und Philippe. Und ebenso still müssen wir sehen, wie ihr Glück zerstört wird. Und mit ihnen das so vieler Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

FAZIT

Ein Buch, das leise daherkommt, mit eben dieser Stille beeindruckt und überzeugt und auf eine Reise durch Momentaufnahmen voller Gefühl mitnimmt, die im Dritten Reich nicht hätten sein dürfen und doch so lebendig waren. In dieser Geschichte werden sie wieder zum Leben erweckt.
Lesen und mit Hanni und Philippe in bittersüßen Träumen schwelgen.

Au revoir, bis nach dem Krieg

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