Heldenspiel von Paro Anand

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel No Guns at my Son´s Funeral, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Fischer , 222 Seiten. ISBN nicht vorhanden.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »Kann ein Terrorist unschuldig sein? Brisante Frage!«

Bereits der Titel kommt recht traurig daher, denn ein Terrorist ist kein Held und Terrorismus kein Spiel. Die indische Autorin Paro Anand widmet sich in ihrem Buch nicht nur dem Kaschmir-Konflikt, sondern ebenso der Frage, ob ein Terrorist unschuldig sein kann.

Sie erzählt die Geschichte des muslimischen Jungen Aftab, der in Kaschmir lebt und den Konflikt zwischen der muslimischen Bevölkerung und der indischen Besatzung miterlebt. Die Vorgänge in Kaschmir dürften hierzulande weitestgehend unbekannt sein, daher empfehle ich dringend, das Nachwort zuerst zu lesen, in dem die Hintergründe kurz erklärt werden. Auch erwähnt die Autorin mehrere Male den Film »Mission Kaschmir« mit dem Bollywood-Star Hrithik Roshan, der sich ebenfalls mit dem Kaschmir-Konflikt und Terrorismus befasst. Doch egal wie man sich über dieses Thema informiert: man sollte möglichst nicht ohne Vorwissen mit dem Lesen beginnen.

Aftab schließt sich einer Gruppe Rebellen an, deren charismatischer Anführer Akram ihm die Aufmerksamkeit schenkt, die er Zuhause vermisst. Während sein Vater ihn herumkommandiert und auch schlägt, fühlt er sich von Akram anerkannt und geschätzt. Sein Hunger, Großes zu vollbringen, wächst immer mehr, doch je mehr er sich in Akrams Netzt verfängt, desto gefährlicher wird auch für ihn die Lage – bis es schließlich zu spät ist. Das indische Militär wird auf ihn aufmerksam, seine Schwester scheint etwas zu ahnen, Mitglieder der Gruppe werden geschnappt oder müssen fliehen, Akram taucht unter … und Aftab träumt noch immer davon, ein Held zu sein.  

Natürlich schmerzt es schon, dass Aftab Akram so blauäugig und viel zu leicht ins Netz geht, doch die völlige Betroffenheit bleibt leider aus. Aftab bleibt, wie alle anderen Personen, viel zu oberflächlich, man kann sich nicht mit ihm identifizieren. Natürlich will man schon wissen, wie es mit ihm weitergeht und ob er Akrams Spiel durchschaut oder nicht …

Die Lösung, die die Autorin für Aftab findet, ist zwar konsequent und logisch, der gesamte Verlauf des Buches erscheint mir am Ende aber viel zu konstruiert. Vor allem die Rolle von Aftabs Schwester sowie das ein oder andere Klischee haben den bis dahin authentischen Eindruck des Buches und auch den Schrecken zerstört.  

Doch trotz aller Kritik an den Personen und am Handlungsverlauf darf man nicht vergessen, dass der Kaschmir-Konflikt ein aktuelles und wichtiges Thema. Paro Anand lebt in Indien und engagiert sich in zahlreichen Projekten für Kinder und Jugendliche, die mit terroristischer Gewalt in Kaschmir konfrontiert worden sind. »Heldenspiel« fand in der Presse großen Anklang und stand 2006 als bestes Jugendbuch Indiens auf der IBBY Honour List.

FAZIT

»Heldenspiel« zeigt vor dem Hintergrund des Kaschmir-Konflikts eine Möglichkeit auf, wie ein Jugendlicher zu einem Terroristen werden kann. Trotzdem die völlige Betroffenheit ausbleibt, die Tiefe fehlt und die Geschichte ein wenig in Klischees abdriftet, ist dieses Buch ohne Zweifel voll von wertvollen Informationen zu diesem aktuellen Zeitgeschehen.

Eure Meinung zu »Paro Anand: Heldenspiel«

Sonnensegelfisch zu »Paro Anand: Heldenspiel« 02.01.2015

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