Shelby Mahurin

03.2020 Julian Hübecker im Gespräch mit Shelby Mahurin - Autorin von "Game of Gold".

In Büchern, welche von Magie handeln, steckt ein Stück Unendlichkeit – solche Welten machen einfach alles möglich.

Jugendbuch-Couch: In Ihrem Buch Game of Gold fällt gleich das französische Flair auf, das sich vor allem in den Namen der Protagonisten und Orte widerspiegelt. Haben Sie einen besonderen Bezug zu Frankreich oder warum haben Sie dieses Setting gewählt?

Shelby Mahurin: Ursprünglich kam die Inspiration zum Buch von den Dames Blanches, die Jamie und Claire in der 2. Staffel von Outlander in Frankreich begegnen. Die Idee dieser berüchtigten weißen Frauen aus der französischen Folklore hat mich fasziniert, und in ähnlichem Stil habe ich die Welt von Belterra geschaffen. Davon abgesehen war ich selbst auch schon in Frankreich und mochte einfach die wunderschöne, romantische Atmosphäre dort!

Jugendbuch-Couch: Obwohl eine zeitliche Einordnung nicht gegeben ist, gibt es doch Ähnlichkeiten zu den Hexenverbrennungen im 16. Jahrhundert. Warum haben Sie sich für dieses Thema entschieden?

Shelby Mahurin: Um ehrlich zu sein war es keine bewusste Entscheidung, dass die Hexenjagd im Buch den historischen so nahekommt. Die politische Landschaft Belterras ergab sich nur aus meinem Bedürfnis, eine Feind-zu-Freund-Romanze zu entwickeln. Mir war von Anfang an klar, dass Lou eine Hexe sein sollte – da schien es nur natürlich, dass ihr größter Widersacher ein Hexenjäger wäre. Die drakonische Kirche folgte praktisch daraus: Reid brauchte eine Art höhere Berufung als Rechtfertigung für seine unerschütterliche Überzeugung, dass Hexen böse sind. Sofern die Verbrennungen jenen im 16. Jahrhundert ähneln, war das wohl nur mein Unterbewusstsein, das sich eingeschlichen hat.

Jugendbuch-Couch: Der Unterschied ist nun, dass die im Buch verfolgten Frauen tatsächlich Hexen mit magischen Fähigkeiten sind. Was fasziniert Sie an Magie?

Shelby Mahurin: Meine Muttermilch waren Harry Potter, Ella – verflixt und zauberhaft und die Bücher von Lloyd Alexander, also hatte ich mit Magie schon als Kind oft zu schaffen. Eine Zeit lang habe ich sogar nur Fantasy gelesen, bevor ich meinen Horizont gelegentlich mit zeitgenössischer und historischer Literatur erweitert habe. In Büchern, welche von Magie handeln, steckt ein Stück Unendlichkeit – solche Welten machen einfach alles möglich. In diesem Genre zu schreiben hat für mich etwas sehr Befreiendes. Mir selbst geht es beim Lesen um den Eskapismus, und wie könnte man der Alltäglichkeit seines Lebens besser entfliehen, als wenn man sich in eine Welt voller Drachen, Hexen und Zauberwälder stürzt?

Jugendbuch-Couch: Vor allem Lou und ihre Freundin Coco sind starke Persönlichkeiten. War es Ihnen wichtig, starke und mutige Frauen in den Vordergrund zu holen? Sehen Sie in ihren Geschichten Parallelen zur heutigen Zeit?

Shelby Mahurin: Ich finde, die meisten Frauen sind stark und mutig! Aber es stimmt, ich wollte, dass sich diese Stärke in all meinen Figuren widerspiegelt, so unterschiedlich sie auch sind. Mit dem Klischee „Sie ist etwas Besonderes“ kann ich selten etwas anfangen, also habe ich versucht, aus Lou das genaue Gegenstück zu machen: sie ist wie alle anderen Mädchen auch. Sie ist gefühlvoll, sarkastisch, vorlaut, selbstbewusst, verschlossen, unsicher und flucht mehr als sie wahrscheinlich sollte. Wenn sie aber eines nicht ist, dann zurückhaltend. Sie mag nicht perfekt sein, aber sie entschuldigt sich nie dafür, und das gilt auch für Coco, Célie und Madame Labelle. Um die zweite Frage zu beantworten: Leider ist unsere Welt manchmal ein Ort voller Hass und Hetze, genau wie Belterra. Solche Konflikte scheinen zeitlos zu sein. Wir können nur auf unsere eigene Art und Weise dagegen ankämpfen, selbst wenn unser Beitrag noch so unbedeutend scheint. So halten es auch Lou und Reid.

Jugendbuch-Couch: Die böse Widersacherin Morgane erinnert sehr an Morgan le Fay, Zauberin aus der Artussage. War dies beabsichtigt? Was hat Sie noch inspiriert?

Shelby Mahurin: Ha! Genau, Morganes Name basiert auf Morgan le Fay. Ideen habe ich mir aus allen möglichen Quellen geholt – Songs, Serien, Bücher, manchmal von Pinterest, aus der französischen Sagenwelt usw. Angelicas Ring entstammt der Legende von Charlemagne. Dort macht er den Träger immun gegen Verwünschungen und Unsichtbarkeit. Kommt das wem bekannt vor?

Jugendbuch-Couch: Im September 2020 erscheint nun auch endlich die Fortsetzung. Können Sie uns schonmal einen kleinen Vorgeschmack geben? Welche Abenteuer erwarten Lou und ihre Freunde?

Shelby Mahurin: Die Handlung von Blood & Honey (Anmerk. d. Redaktion: Originaltitel) beginnt fast genau dort, wo der Vorgänger geendet hat: Lou, Reid und der Rest der Truppe sind auf der Flucht nicht nur vor Morgane und ihren Dames Blanches, sondern auch vor König Auguste und den Häschern. Sie durchqueren Belterra auf der Suche nach mächtigen Verbündeten, während das gefährliche Katz-und-Maus-Spiel mit Morgane läuft. Es wird eine ganz andere Art von Buch, aber das Schreiben hat sehr viel Spaß gemacht!

Das Interview führte Juian Hübecker im März 2020.
Übersetzt aus dem Englischen von Yannic Niehr.
Foto © Shelby Mahurin

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