Aufstand in New York

  • Fischer
  • Erschienen: Januar 2016
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Alexander von Macedonien, besser bekannt unter seinem späteren Namen Alexander der Große, steht im Zentrum der Handlung. Erzählt wird die fiktive, um magische Aspekte aufgepeppte Jugend des späteren Eroberers. Stop! Stimmt das überhaupt?

Richtig, Alexander ist eine der Hauptpersonen des Auftaktbandes einer Jugendbuch-Fantasy-Trilogie einer Autorin, die bislang vornehmlich im historischen Roman veröffentlicht hat. Dieses geschichtliche Wissen und die Fähigkeit, historische Lebensumstände und Verbindungen plastisch und überzeugend zu schildern, nutzt Herman auch vorliegend. Aber zurück zur Frage; geht es - nur - um Alexander? Nein, nicht weniger als 7 - ausgeschrieben sieben ! - Sichtweisen und damit Erzähler erwarten den Leser.

Also, zunächst einmal haben wir Prinz Alexander, Alex wie er im Text heißt, ein junger Mann, mit einem körperlichen Handicap (große, schmerzenden Oberschenkelnarbe), das ihn in den Augen vieler seiner künftigen Untertanen für die Herrscherrolle disqualifiziert. Zeigt die Behinderung doch, dass sich die Götter von ihm abgewandt haben. Dazu gesellt sich mit dem Kämpfer Hephaestion, Alexanders bester Freund, ein Recke, der im Staub der Arena ebenso glänzt wie auf dem Feld der Ehre.

Prinzessin Cynane, die Halbschwester Alexanders nimmt seit frühster Jugend an der Ausbildung der Kämpfer teil. Daneben ist sie ein intrigantes Biest, das ihre Machtgelüste ausleben und sich rücksichtslos selbst an die Hebel der Macht bringen will - koste es, was es wolle! Katerina, genannt Kat, ist eine Waise aus einem kleinen Dorf in der Provinz mit einer magischen Gabe und einer Queste, die sie zwingt, die Hauptstadt, den Ort, an dem ihre Mutter ermordet wurde, zu besuchen. Jacob, Kats Pflegebruder, wurde auserwählt, für das Dorf an den Kampfspielen teilzunehmen - eine gefährliche Ehre, kamen doch die letzten Abgesandten des Dorfes, angesichts der gefahrvollen Spiele insbesondere für den Leib, in Leichensäcken zurück in ihre Heimat. Königin Olympias, Alexanders Mutter, verfolgt intrigant ihre eigenen Pläne.

Und schlussendlich Prinzessin Zofia aus Persien, die die Ehre hat, Alexander als Braut gegeben zu werden - obwohl sie doch einen ganz anderen Mann, einen Krieger aus ihrer Heimat liebt. Hoppala, da werden Erinnerungen - nicht nur was das Personenkarussell, auch was das politische Intrigenspiel anbelangt - an "Reign" oder "Game of Thrones" wach. Ja, man kann die Handlung als Mischung dieser beiden Erfolgsserien bezeichnen, und liegt dabei gar nicht weit daneben. Magische Kräfte regen sich wieder, nachdem sie für Generationen geschlafen haben, es geht um Intrigen, um Macht und um Sex, letztes aber wohldosiert und der Zielgruppe angemessen sehr gemäßigt.

Die Autorin nutzt den ersten Band ihrer Reihe weidlich, um uns die Welt vorzustellen, die Handelnden einzuführen und erste Konflikte, Geheimnisse und Handlungsbögen zu installieren.

Wie bereits angedeutet, liegt die Stärke der Autorin darin, dass sie uns die Welt der Antike plastisch beschreiben, erlebbar und nachvollziehbar macht. Das geht zunächst, insbesondere weil sie uns die vielen unterschiedlichen handlungsrelevanten Personen vorstellen muss, zu Lasten der Spannung. Es gilt die unterschiedlichen Handlungsperspektiven zu verinnerlichen, die Figuren einzuordnen, bevor die eigentliche Handlung, das Intrigenspiel, der Verrat und aufopfernde Kampf beginnt.

Allerdings nutzt die Autorin den Zufall als Helfer ihres Plots ein wenig zu gerne. Und auch sonst wartet wenig wirklich Überraschendes auf den Leser. Man erkennt unschwer die erfolgreichen und erprobten Versatzstücke von gängigen Bestsellern - die intrigante Schwester, die das Glück ihres Bruders unterminiert, die Mutter, die nur auf ihr eigenes Glück schielt, die Prinzessin die sich ihrer politischen Vermählung zu entziehen sucht - das ist alles nicht wirklich neu.

Fazit

Es bleibt ein etwas zwiespältiges Gefühl zurück. Zum einen wird der Leser mit mehr als einer Handvoll von Figuren fast erschlagen, bekommt dann aber ein recht realistisches Bild des antiken Griechenlands präsentiert, bevor das Intrigenspiel, das sich an großen Vorbildern orientiert, beginnt.

Aufstand in New York
Aufstand in New York
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Carsten Kuhr
6101

Jugendbuch-Couch Rezension vonMai 2017

Assassinen, Templer und Zeitreisen - eine brisante Mischung

Sie kämpfen seit Jahrhunderten darum, die Menschheit zu retten. Auf der einen Seite die Loge des Templerordens, auf der anderen Seite die Gilde der Assassinen. Bereits einmal stand die Loge kurz davor, ihren ewigen Widersacher endgültig auszuschalten - doch die Assassinen erholten sich, wenn auch mühsam, von dem verräterischen Anschlag. Nun sind beide Seiten fieberhaft auf der Suche nach einem der legendären Animus - einem Überbleibsel einer technischen Hochkultur aus der verschollenen Frühzeit unseres Planeten mit dessen Hilfe sich der Besitzer zum Herrscher der Welt aufschwingen könnte.

Beide Seiten ahnen, dass sich der Animus, vorliegend in Form eines Dolches, im Großraum New Yorks befinden muss, doch wo genau er seit Jahrhunderten verborgen ist, das ahnen sie nicht. Mit Hilfe einer Maschine können sie mittels DNA Proben Menschen geistig in die Leben ihrer Vorfahren zurückversetzen. Ein Rebell hat sich der Technologie bemächtigt und nach Kindern gesucht, deren Vorfahren einer der beiden Vereinigungen angehört haben. Mittels dieser will er sie in die Vergangenheit versetzen und nach dem Dolch suchen lassen.

Einer dieser Agenten ist Owen. Seit sein Vater wegen eines Raubüberfalls mit Todesfolge im Knast starb, ist Owen auf der Suche nach Beweisen für die Unschuld seines Dads. Als der Renegat ihm verspricht, dass er ihn in die Zeit des Banküberfalls zurückversetzt und er selbst miterleben kann, was sein Dad sich bei der Tat gedacht und gemacht hat, ist für Owen klar, dass er bei der Suche nach den Animus mitmacht.

Zusammen mit anderen Gleichaltrigen wird er ins New York des Jahres 1863 versetzt - eine Zeit, in der der amerikanische Bürgerkrieg tobte, und das Militär der Nordstaaten händeringend Rekruten suchte. Als eine Zwangsrekrutierung ausgesprochen wird, von der die Begüterten sich für 300 $ freikaufen können, ist die Empörung groß - es kommt zur Revolution der Arbeiter und Banden, die geschickt von den Agenten der Templer gesteuert wird. Mittendrin unsere Jugendlichen, die so manches Mal Mühe haben in der für sie so fremden Welt von Klassen- und Rassenhass zurechtzukommen ...

Gelungene Kombination aus PC-Game, Assassinen und Zeitreise

Assassins Creed, das gefeierte PC-Game, kam Ende letzten Jahres als aufwändige Realverfilmung in die Kinos. Ein geradezu perfekter Zeitpunkt also, um den ersten Band eine Jugendbuch-Trilogie um die Assassinen und die Templer in die Buchhandlungen zu bringen. Und wirklich liest sich das Buch packend auf einen Rutsch durch. Die Idee von PC-Game-ähnlichen Maschinen, die es den Jugendlichen ermöglichen, in ein früheres Leben einzutauchen, erweist sich dabei als bestechende Idee. Durch die Augen der Jugendlichen, die sich immer altersgemäß verhalten, denken und ausdrücken, besuchen wir eine Vergangenheit, die uns heute brutal, ja unmenschlich vorkommt.

Schwarze als rechtlose Diener, die Arbeiter geknechtet während die Bonzen in Saus und Braus lebten - die nebenbei einfließenden sozialen Unterschiede sind markant aber realistisch dargestellt.

Was auf den ersten Blick angesichts flackernder Gaslaternen, Pferdekutschen und Reifröcken anheimelnd aussieht, das erweist sich bei näherer Betrachtung als Pulverfass an dem die Lunte brennt. Zu markant sind die wirtschaftlichen Unterschiede, zu ungebremst prallen die Schichten aufeinander. Auf der einen Straßenseite verhungern Kinder in ihrer Not, auf der anderen geht die Bourgeoisie ungeniert der Völlerei nach, ohne jegliches schlechte Gewissen - da ist es bis zum Aufstand nicht weit. Das wirkt manches Mal ein wenig abgedroschen, nutzt Stereotype, weiß aber insgesamt zu überzeugen und die Protagonisten wie Leser mit und durch die beschriebenen Lebensumstände zu schocken.

In diese uns auf den ersten Blick so fremde Welt, hat der Autor seinen Kampf der Agenten beider Seiten um den Animus eingebaut. Hier kommen die besonderen Fähigkeiten der Assassinen, ebenso wie ihre Waffen zur Anwendung, treffen die Agenten beider Seiten in rasanten Fights aufeinander. Dabei wertet der Autor nicht in gut oder böse, sondern stattet beide Seiten mit einer nachvollziehbaren Motivation aus. Dass es hierbei auch zu zwischenmenschlichen Verwerfungen kommt, sei erwähnt, ist aber für den eigentlichen Plot nicht wirklich bedeutsam.

Die Gewaltdarstellungen sind der Zielgruppe der ab 12-jährigen angemessen, der Plot rasant aufgezogen, die Erzähler verhalten sich wie altersgerecht.

Fazit

Insgesamt gesehen ein durchaus packendes Movie-Tie-In das auf die Zielgruppe gut zugeschnitten wurde. Inhaltlich weist der Text zwar einige stereotypische Darstellungen auf, die jedoch im Text nicht weiter auffallen.

Aufstand in New York

Matthew J. Kirby, Fischer

Aufstand in New York

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