Das verbotene Eden - David und Juna von Thomas Thiemeyer

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2011 bei PAN , 464 Seiten. ISBN 3-426-28360-3.

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Jugendbuch-Rezension von Carsten Kuhr: »Männer gegen Frauen in einer dystopischen Welt«

[Jugendbuch des Monats – September 2011]
Wir schreiben das Jahr 2015. Einer der weltweit agierenden Pharmakonzerne hat zur Umsatzsteigerung einen Grippevirus freigesetzt, dessen Mutation dazu führt, dass die Zivilisation in kürzester Zeit zusammenbricht. Gegenmittel erweisen sich als wirkungslos, Männer und Frauen gehen grundlos, von einem inneren Hass beseelt, auf einander los. Plünderungen und marodierende Banden sorgen dafür, dass binnen kürzester Zeit 90% der Menschheit umkommt. Die Geschlechter trennen sich durch den Virus bedingt und gehen seitdem getrennte Wege.

65 Jahre später setzt die eigentliche Handlung ein. Mittlerweile hat sich ein brüchiger Waffenstillstand entwickelt. In Schandkreisen treffen die Geschlechter aufeinander, um die Fortdauer der Spezies Mensch zu sichern. Doch immer noch gibt es auf beiden Seiten Kriegstreiber, die das jeweils andere Geschlecht mit unnachgiebigem Hass verfolgen.

Angeführt von einem hassbesessenen Inquisitor sind die Männer der Heiligen Lanze dazu übergegangen, den Pakt bewusst zu brechen und sich weit mehr zu nehmen, als ihnen zusteht. Mehr noch, sie verfolgen das Ziel, einen neuen Krieg der Geschlechter zu initiieren, angeleitet durch Verachtung, blindwütigen Hass sowie einer perfiden Befriedigung, die Frauen leiden zu lassen.
Ihnen gegenüber stehen die aufrechten Brigantinnen, Amazonen, die ganz im Sinne ihrer Göttin versuchen, ihre Geschlechtsgenossinnen zu beschützen.

Es kommt wie es kommen muss: Zwischen den beiden Parteien entbrennt ein verlustreicher Konflikt. Mitten in dieser Auseinandersetzung lernen sich zwei junge Menschen kennen.
Der Eine ein Bücherwurm und Angehöriger eines Ordens. Die Andere eine Kämpferin der Brigantinnen.
Kann ihre zaghaft sprießende Liebe in diesem Umfeld gedeihen, zumal sie direkt in den Kampf verwickelt werden?

Post-Doomsday Dystopien sind in den letzten Jahren ein wenig in Mode gekommen. Das intelligente Spiel mit dem Gedanken, was wäre wenn der Mensch wie bislang weiter agiert, seine Umwelt zerstört und letztlich die Technik versagt, die Erde rebelliert und die Zivilisation, wie wir sie kennen, aufhört zu existieren, bildet auch hier eine faszinierende Kulisse.

Natürlich dürfen dabei die üblichen Versatzstücke nicht fehlen: testosterongeschwängerte Krieger, die sich auf ihren Motorrädern und 4-Wheel-Drives auf die Jagd nach Beute machen, despotische Fanatiker, die unter dem Deckmäntelchen der Religion ihren eigenen Vernichtungsfeldzug planen und dabei ihre jugendlichen Jünger indoktrinieren. Dies alles konnte man erwarten.

Überrascht hat dann mehr die Grundsituation, die sich der Autor einfallen lassen hat. Die menschliche Rasse hat sich entzweit. Männer und Frauen leben streng getrennt und einander misstrauisch, ja ablehnend, beäugend in ihren eigenen Domänen.

Auch das Leben der Geschlechter selbst unterscheidet sich markant. Ruhen sich die »Herren der Schöpfung« auf den Früchten der erpressten Arbeit der Damen aus, gehen ihren Machtspielen nach und protzen mit den Überbleibseln der Technik, so haben sich die Frauen weit besser auf die neue Situation eingestellt. Sie leben im Einklang mit der Natur, bauen Lebensmittel an, wirken in ihrer ganzen Gesellschaftsordnung viel gefestigter als die Männer. Man könnte dies auch kurz und prägnant zusammenfassen: Hier regiert die Ratio, dort das Wunschdenken.

In diese eigentlich bereits faszinierende Ausgangssituation hat der Autor dann seine »Romeo und Julia«-Love-Story integriert. Nicht umsonst beschreibt er im Kloster die Faszination, die Shakespeares Werk auf die wenigen des Lesens mächtigen Mönche ausübt.
Zunächst prägt Ablehnung vor dem unbekannten Gegenüber sowie Misstrauen und Furcht vor den eigenen Empfindungen das Miteinander. In der Folgezeit beschreibt Thomas Thiemeyer das zaghafte, behutsame Aufeinanderzugehen der beiden.
Eingebettet in die packende Rahmenhandlung erwartet den Leser und die Leserin dabei dann eine emotionale Geschichte, die weit von den Meyer´schen Biss-Schnulzen entfernt ist, die den Leser innerlich berührt und einfühlsam das zaghafte Pflänzchen der Liebe porträtiert.

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