Sommernachtstraum von Tanya Lieske

Buchvorstellung und Rezension

deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Fischer , 336 Seiten. ISBN 3737340188.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Shakespeares :Sommernachtstraum9 als Schultheaterprojekt! Voller Vorfreude stürzen sich Ben und seine Schüler in die Proben. Hermia liebt Lysander, Helena will Demetrius, Oberon straft Titania, und die Feenkönigin liebt plötzlich einen Esel: willkommen in Shakespeares Sommernachtstraum! Während die Theatertruppe versucht, der verschlungenen Verwechslungskomödie um verwirrte Liebespaare Herr zu werden, geraten die Liebesgeschicke aller Beteiligten ziemlich durcheinander: Struppi liebt Mireille, Mary Jane will Ben und Bens Freundin trifft sich heimlich mit Mireilles Vater. Bald weiß niemand mehr, wer eigentlich gerade in wen verliebt ist …

Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: »Eine erdrückende Fülle«

Eine Schule – ganz speziell die Klasse 9c – ein Theaterstück, ein paar Erwachsene und viele Probleme: Die Zutaten zum Roman Sommernachtstraum von Tanya Lieske haben viel Potenzial. Es ist an sich eine witzige Idee, das Shakespeare-Stück zum roten Faden in diesem Schulroman zu nehmen. Die Klasse 9c kommt nach den Weihnachtsferien wieder zurück in den Schulalltag – und wird mit der Idee des Lehrers Ben Zimmermann konfrontiert, ein Theaterstück aufzuführen. Dabei haben die Jugendlichen doch etwas ganz anderes im Kopf, als Shakespeare.

Da ist beispielsweise Struppi, der in Mireille verliebt ist. Doch das Mädchen seiner Begierde wird auch noch von anderen umschwärmt. Außerdem gehört Struppi nicht zu den angesagten Jungs der Klasse. Niemand ahnt, dass Mireille gravierende Probleme hat, Probleme mit dem Essen. Da ist aber auch Mireilles Freundin Johanna, die sich von ihrem Vater abserviert fühlt, seit ihre Eltern getrennt sind. Oder der Lehrer selber, der miterleben muss, wie seine Beziehung bröckelt. Und zu all dem, was hier an Jugend-Sorgen und Jugend-Gefühle auf den Tisch kommt, gibt es noch Kommentare von Figuren, die längst der Vergangenheit angehören.

Was auf den ersten Blick bestechend wirkt, ist auf den zweiten Blick – und vor allem im Laufe des Romans zunehmend – irritierend. Die Figuren, die jeweils ihren Kommentar zum Geschehen geben , wirken nicht so witzig, wie sie wohl gedacht waren und es drängt sich immer stärker der Verdacht auf, dass hiermit die Anlehnung an das Shakespeare-Drama gerechtfertigt werden soll. Eine Anlehnung, die ebenfalls lediglich ein verkaufsförderndes Feature ist, zum eigentlichen Roman jedoch nicht so viel beiträgt, wie man es aufgrund des Einstiegs vermuten könnte.

Die Autorin Tanya Lieske hat sich mit der Klasse 9c ein gutes Fundament gelegt, alle möglichen Themen anzusprechen, die Jugendliche betreffen können. Es geht um Sucht, Patchwork-Familien, Freundschaft, Essstörungen, Mobbing, Liebeskummer und einiges mehr. Gerade hier ist aber die Schwäche des Romans auszumachen. Tanya Lieske wollte zu viel. Die Summe der angerissenen Geschichten ist zu hoch, die Chance, sich ernsthaft mit einem Thema auseinander zu setzen, dadurch zu bescheiden. Alles bleibt an der Oberfläche, wird kurz angesprochen und auch gleich wieder im Raum stehen lassen. Das ist bedauerlich, denn jeder einzelne Problemkreis hätte eine ernsthafte Aufarbeitung verdient. Die Jugendlichen, an die sich das Buch richtet, dürften sich durch dieses Konzept kaum länger mit der Thematik beschäftigen.

Der eher kindgerechte Schreibstil will nicht ganz so zu einem Roman passen, der sich an Jugendliche ab 14 Jahren richtet. Hier hätte Tanya Lieske ihrem Publikum durchaus etwas mehr zutrauen können. Denn von der Geschichte her passt der Roman durchaus zum angegebenen Zielpublikum. Fordernd ist einzig die wechselnde Erzählperspektive, mit der sich die Leser konfrontiert sehen und die nicht immer gleich zuzuordnen ist.

FAZIT

Etwas weniger Anlehnung an den Shakespeare-Klassiker und eine vertieftere Auseinandersetzung mit einigen der Problembereiche, die hier angesprochen werden, hätten dem Roman gut getan. Oder aber die klare Anlehnung an Shakespeare und weniger breit gefächert die modernen Problembereiche. Aber hier ist die Fülle des Gebotenen geradezu erdrückend und bleibt doch zu stark an der Oberfläche, um nachhaltig wirken zu können.

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