Wie das Licht von einem erloschenen Stern von Nicole Boyle Rodtnes

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Hul i hovedet, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Beltz & Gelberg , 243 Seiten. ISBN 3407821042.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Vega wird aus ihrem Teenagerleben gerissen, als sie nach einem Unfall nicht mehr sprechen kann. Die 17-Jährige kämpft wütend und frustriert mit ihrem Schicksal, das sie immer mehr zu einer sprachlosen Außenseiterin macht. Ein ergreifender Roman, emotional und packend geschrieben.

Seit Vega bei einer Feier gestürzt ist, leidet sie an Aphasie. Sie kann nicht sprechen, kaum lesen und mit noch größerer Mühe schreiben. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Ida und ihrem Freund Johan gibt ihr keinen Halt, denn sie kommen mit ihrer Krankheit nicht zurecht. Vega fühlt sich innerlich wie tot und zieht sich immer mehr zurück. Bis sie Theo trifft, der ebenfalls an Aphasie leidet und beide merken, dass sich zusammen leichter ein Weg in ein neues Leben finden lässt.

Jugendbuch-Rezension von Rita Dell’Agnese: »Was passiert, wenn Du plötzlich nicht mehr sprechen kannst?«

Vega stirbt – oder wenigstens fast. Denn als sie in einen Pool fällt und mit dem Kopf auf dem Boden aufschlägt, kann sie reanimiert werden. Doch danach ist nichts mehr so, wie es war. In ihrem Hirn ist der Bereich abgestorben, der für die Sprache zuständig ist. Aphasie nennt man Vegas Behinderung. Die junge Frau leidet unter ihrer Einschränkung, spürt sie doch, dass sich nicht nur ihre beste Freundin Ida, sondern auch ihr Freund Johannes langsam von ihr abwendet. Für die jungen Leute ist es nicht einfach, mit der einst lebensfrohen Vega umzugehen, die kaum mehr einen vernünftigen Satz sagen kann. Auch die Bemühungen einer Sprachtherapeutin scheinen nur wenig zu fruchten. Schließlich zwingt Vegas Mutter die junge Frau, zu einem Treffen mit anderen Aphasie-Betroffenen zu gehen. Dort lernt Vega Theo kennen, der ihr Schicksal teilt. Theo ist der einzige, der Vega glaubt, als sie sich an den verhängnisvollen Tag zu erinnern beginnt. Denn in Bruchstücken kehren die Bilder zurück. Und Vega weiß plötzlich, dass sie gestoßen wurde. Doch niemand will davon etwas wissen. Zusammen mit Theo macht sich Vega auf die Suche nach der Wahrheit – und auf die Suche nach der Sprache.

Die Autorin hat ein ungewohntes und sehr schwieriges Gebiet gewählt, als sie sich dem Thema Aphasie zuwendete. Ein Thema, das den jungen Leserinnen und Lesern nicht einfach näher zu bringen ist. Denn Aphasie ist etwas, das hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Nicole Boyle Rodtnes schafft es aber, das Thema so zu verpacken, dass es begreifbar wird. Vega und Theo, zwei junge Menschen mit unterschiedlichem Schicksal aber gemeinsamer Einschränkung, wachsen den Lesern schnell ans Herz. Gerade die gewählte Ich-Form – Vega ist die Erzählerin – lässt die Leser sehr dicht an die handelnden Personen heran kommen. Es wird gut nachvollziehbar, was in Vegas Kopf vorgeht, wie ohnmächtig sie sich gegenüber ihrer Behinderung fühlt. Die Leser erleben den Frust ebenso mit, wie die vorsichtige Annäherung an Theo, der Vega nach langer Zeit endlich das Gefühl gibt, nicht alleine auf der Welt zu sein. Obwohl sich der Freundeskreis von Vega abwendet, hebt Nicole Boyle Rodtnes nicht den Mahnfinger. Sie schildert die Beweggründe, die Schwierigkeiten, welche die anderen jungen Menschen damit haben, dass Vega plötzlich nicht mehr dieselbe ist.

Dass sich die Autorin an ein junges Zielpublikum richtet – hier sind es 14- bis 17-Jährige – erkennt man schon an der jugendlichen Sprache. Dabei ist die Sprachmelodie weder anbiedernd noch kindlich, sondern salopp jugendlich, manchmal etwas trotzig und immer mal wieder mit dem Hauch Resignation, den das Thema nach sich ruft.

Der Aufbau und die Gedankenwelt Vegas entsprechen ganz ihrem Alter – und sind dem Alter des Zielpublikums auf diese Weise gut angepasst. Mit ihrem Roman stellt die Autorin die Frage: Was ist, wenn plötzlich nichts mehr so ist, wie es vorher war? Eine mögliche Antwort hält Vega bereit und sie macht indirekt jenen Jugendlichen Mut, die durch eine körperliche Beeinträchtigung ausgegrenzt sind. Nicole Boyle Rodtnes wählt den Weg über ein Geheimnis, das es aufzudecken gilt, um dem Buch zusätzlichen Lesereiz zu geben. Dass sich zwischen Vega und Theo eine ganz besondere Beziehung entwickelt, gehört ebenso dazu, wie das Verhalten der Familie und des Freundeskreises. So vermag die Autorin Hoffnung zu verbreiten, ohne die Welt in rosarote Zuckerwatte zu tauchen.

FAZIT

Wie das Licht von einem erloschenen Stern ist eine berührende und nachdenklich stimmende Geschichte über Behinderung, Ausgrenzung, Schuld und Vergeben. Es ist ein hervorragend aufgebauter Roman, der eine wunderbare Mischung aller Elemente bietet, die ein junges Publikum in einem Buch haben will.

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