Suspects:
Mörderischer Marathon

Spiel-Kritik von Kirsten Kohlbrei

Verbrecherjagd als olympische Disziplin

London im Sommer 1948. Englands Hauptstadt ist Austragungsort der 14. Olympischen Spiele, dem ersten internationalen Großereignis nach dem Krieg. Als am 7. August, um 15 Uhr, im Wembley Stadion der Startschuss für den olympischen Marathon fällt, sitzt die Detektivin Claire Harper auf der Zuschauertribüne. Sie verfolgt, wie die Athleten ihr Rennen unter dem Applaus des Publikums starten und vorbei am Olympischen Feuer das Stadion verlassen, um den Lauf auf den Straßen quer durch London fortzusetzen.

Kurz darauf stößt ihr Freund, der BBC-Journalist Wiliam Lloyd, zu ihr und bittet sie, ihn in den Pressebereich zu begleiten. Hier hatte er zuvor gestanden und das Läuferfeld beobachtet. Dabei glaubte er einen der Teilnehmer zu erkennen, dem es wohl ähnlich erging; denn als William ihn mit seiner neuen Polaroidkamera fotografieren wollte, verdeckte er schnell seine Startnummer.

Sein Gesicht ist auf dem Foto aber zumindest deutlich zu sehen. Zu Claires Verblüffung erklärt der Reporter, dass er den Mann klar als Gustave Maes identifiziert hat, obwohl das eigentlich gar nicht sein kann – denn eigentlich sollte er tot sein! William hatte ihn im Krieg kennengelernt, wo Maes von einer Granate tödlich getroffen worden war. Nun ist er sich sicher, dass irgendetwas beim Marathon der Spiele nicht stimmt. Mit Claires Motorrad brechen die beiden auf, um das Rennen aus der Nähe zu verfolgen und den rätselhaften Umständen auf den Grund zu gehen.

Spannendes Krimirätsel in Teamarbeit

„Suspects – Das Detektivspiel“ ist eine Spielreihe im Kosmos-Verlag, bei der die Spieler in die Rolle der Detektivin Claire Harper schlüpfen und ungewöhnliche Kriminalfälle lösen. Gemeinsam stellen sie Ermittlungen an, untersuchen Tatorte, befragen Verdächtige sowie Zeugen und sammeln dabei entscheidende Hinweise zur Klärung geheimnisvoller Vorkommnisse.

Das Spiel besteht aus 52 Karten, einem Einleitungsblatt mit Fragebogen, Dokument A: Streckenplan Marathon, Dokument B: Teilnehmerliste sowie einem Auflösungsblatt.Vor Spielbeginn sollte man sich in Ruhe die ausführliche Spielanleitung durchlesen und den Anweisungen zur Vorbereitung folgen. Konzipiert ist das Detektivspiel für 1-5 Spieler ab 12 Jahren.

Wobei, um das komplexe Detektivspiel ohne Unterstützung alleine zu bewältigen, das angegebene Alter von zwölf etwas niedrig angesetzt ist. Jüngere Mitspieler können aber durchaus wertvolle Hinweise zur gemeinschaftlichen Aufklärung beitragen.

Das Ziel des Spiels ist die Lösung des Kriminalfalls. Auf dem Einleitungsblatt findet sich dafür der Fragebogen, der beantwortet werden muss. Eine zeitliche Vorgabe gibt es nicht. Anhand der während des Spiels gezogenen Karten wird der Fortschritt der Ermittlung festgehalten.

Knifflige Ermittlung der Soko Spielerrunde

Los gehts, nachdem das Einleitungsblatt mit den zu lösenden Fragen gelesen worden ist. Die Dokumente, der Streckenplan und die Teilnehmerliste können dabei jederzeit zu Hilfe genommen werden. Zudem werden im Spielverlauf vorgegebene Karten gezogen. Durch unterschiedliche Symbole gekennzeichnet weisen sie zum Beispiel auf mögliche Aktionen hin, die wichtige Ermittlungsergebnisse liefern. Das kann die Aufforderung sein, eine Befragung durchzuführen, einen bestimmten Gegenstand zu untersuchen oder sich einen Streckenabschnitt genauer anzusehen. Die Reihenfolge dieser Handlungsschritte ist beliebig, so dass das Spielteam die Richtung der Ermittlung selbst bestimmt. Manche Karten erlauben das Freischalten bis dahin nicht verfügbarer Karten oder geben den Hinweis auf Vertiefung bisheriger Aussagen.

Zu drei Zeitpunkten im Spiel gibt es die Gelegenheit, den Fragebogen zu beantworten. Während dieser Diskussionsphasen kann zunächst über den Stand der Ermittlungen gesprochen werden, um dann die Ergebnisse auf dem Fragebogen zu notieren. Diese Ergebnisse können bis zur letzten Phase bei Spielschluss geändert werden. Das Spielende ist erreicht, wenn alle Karten gelesen worden sind und die dazugehörigen Aktionen ausgeführt wurden. Damit ist der Moment der Auflösung gekommen. Im Anschluss folgt die Bewertung nach einem bestimmten Punktesystem. Je früher eine richtige Antwort auf dem Fragebogen vermerkt werden konnte, das heißt je weniger Karten dazu benötigt wurden, um die Lösung zu erreichen, desto mehr Punkte werden vergeben. Zusammenaddiert entscheiden sie über das Abschneiden der Spieler-Detektive.

Plot und Materialgestaltung

Im spannenden Plot zu „Mörderischer Marathon“ verbindet sich vor der Kulisse des Megaevents Olympia sportlicher Wettkampf mit nachvollziehbaren geschichtlichen Zusammenhängen. Als sympathische, clevere Detektivin Claire mit dem Motorrad entlang der Laufstrecke unterwegs, sind die Spieler unmittelbar ins Geschehen involviert. Besonders das Setting und die Charaktere lassen dabei eine authentische Stimmung entstehen - very british! Dazu gehört etwa der amtierende King Georg im Personenkarussell unbedingt dazu.

Das Spielmaterial ist hochwertig gestaltet. Die Dokumente und Karten sind generell übersichtlich und verständlich sowie optisch ansprechend. Kleinere Erklärungslücken oder inhaltliche Unstimmigkeiten etwa bei der Täterüberführung fallen dabei nicht wirklich ausschlaggebend ins Gewicht. Das Spielset bleibt während einer Partie unbeschadet und kann ohne weiteres an andere Spielerrunden weitergegeben werden. Aufmerksam und spielerfreundlich, dass der Kosmos- Verlag selbst daran erinnert und in diesem Zusammenhang auch den Hinweis gibt, nicht den Original- Fragebogen zum Eintragen der Ermittlungsergebnisse zu verwenden, sondern eine Kopie zu erstellen.

Fazit

„Mörderischer Marathon“ verspricht ein abwechslungsreiches Spiel-Event mit hohem Fun-Faktor, das den Teilnehmenden, die sich auf die Rätselstrecke begeben, im Gegenzug mentale Beweglichkeit, taktisches Kalkül und Kombinationsausdauer abverlangt. Dazu Team-Spirit und dem Einzug in den Lösungs-Olymp steht für die Mannschaft der Detektive nichts mehr im Weg.

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Titelbild: © KOSMOS

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