Siren von Kiera Cass

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel The Siren, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Fischer , 368 Seiten. ISBN 3733502914.

ab 14 Jahren

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In Kürze:

Kahlens Familie kommt bei einem Schiffsunglück ums Leben. Sie selbst wird als Einzige gerettet – von drei betörenden jungen Frauen: Sirenen. Wunderschön und unsterblich. Von nun an ist Kahlen eine von ihnen. Scheinbar ein ganz normales Mädchen, doch ihr Leben gehört dem Meer. Jeder Mensch, der ihre Stimme hört, muss sterben. Und so schweigt sie. Bis sie Akinli begegnet, einem jungen Studenten, der Kahlen auch völlig ohne Worte versteht. Nach nur wenigen Stunden haben nicht nur ihre Herzen, sondern auch ihre Seelen zu einander gefunden. Und als Akinli schwer erkrankt, droht auch der eigentlich unsterblichen Kahlen der Tod.

Jugendbuch-Rezension von Melanie Reichert: »Leider nicht vergleichbar mit der Selection-Reihe«

Wir schreiben eine Zeit in den 50er Jahren. Kahlens Familie hat als eine der wenigen den Börsencrash ohne Verluste überstanden und befindet sich nun auf einer luxuriösen Überfahrt mitten auf dem Meer. Doch dann gerät das Schiff in einen Sturm. Alle Passagiere ertrinken und auch Kahlen sieht sich dem Tod geweiht, doch dann wird sie von drei wunderschönen Frauen gerettet. Die Bedingung für ihre Rettung ist scheinbar simpel: Von nun an muss auch sie sich den Sirenen verschreiben und der See dienen. Allerdings hat dieser Handel einen Haken, denn ihre Stimme ist fortan tödlich und so ist sie zum ewigen Schweigen verurteilt.

Jahrzehnte später lernt sie den überaus charismatischen Akinli kennen, der ihr Herz im Sturm erobert. Dieser junge Mann kann sie nämlich auch ohne Worte verstehen und so knüpfen die beiden eine zarte Bande, die vom Schicksal vorherbestimmt scheint. Doch dann wird nicht nur Kahlens Liebster vom Tod bedroht, sondern auch die Sirene selbst muss sich fragen, wie unsterblich sie tatsächlich ist …Wie viel ist Kahlen bereit, für die Liebe zu opfern?

Nachdem mir die Selection-Reihe überaus gut gefallen hat, musste ich natürlich auch dieses Werk der Autorin lesen und bin leider sehr enttäuscht worden. Die Bücher sind nicht zu vergleichen, auch der Schreibstil ist hier weniger fesselnd, ganz zu schweigen von den Charakteren, die nicht immer authentisch und oft schwer zu fassen sind.

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir die optische Aufmachung des Buches gut gefallen hat. Das Cover ist märchenhaft gestaltet und lässt auf eine Sage oder eine mystische Erzählung schließen, was der Inhalt dann allerdings nur teilweise wiedergibt. Auch die Verzierungen der nummerischen Kapitel greifen mit Muscheln das Unterwasserthema auf. Die Geschichte selbst bekommen wir dann aus der direkten Sicht von Kahlen erzählt, da sie ja die meiste Zeit zum Schweigen verurteilt ist und wir so immerhin an ihren Gedanken teilhaben können. Generell ist die sprachlose Kommunikation unter den Sirenen mit der eingefügten Kursivschrift gut gelöst.

Leider bin ich mit Kahlen als Protagonisten fast gar nicht warm geworden. Irgendwie gehört es zwar zu ihrem Charakter dazu, dass sie sehr verschlossen ist, aber da sie das auch dem Leser gegenüber ist, findet man keinen rechten Zugang. Sie kommt teilweise sehr kalt rüber, obwohl wir es eigentlich mit einer Herz erwärmenden Liebesgeschichte zu tun haben sollten. Auch ihre Entscheidungen ergeben nicht immer Sinn bzw. man kann oft nicht nachvollziehen, warum sie jetzt dies oder jenes tut. Bei Kahlen streiten sich oft Vernunft und Herz miteinander, was eigentlich eine gute Ausgangssituation für einen Konflikt wäre, wenn sie sich dann nicht jedes Mal wieder neu orientieren würde. Akinli war da ein richtiger Gegensatz. Er ist fröhlich und quirlig und ein liebevoller Chaot. Man hat das Gefühl, dass er sich niemals für sein Verhalten rechtfertigen würde, weil er hinter seinen Überzeugungen steht.

Die Nebencharaktere – also Kahlens Sirenen-Schwestern – haben mir da schon weitaus besser als die Protagonistin gefallen. Sie haben sehr prägnante Charaktere und sind deshalb wirklich individuell gestaltet. Miaka war mir zum Beispiel von Anfang an sympathisch und Elizabeth hat einen gewissen Schwung in die illustre Runde gebracht. Auch wenn sie vielleicht extrem erscheinen mögen, waren sie sich doch im Verlauf der Geschichte immer treu. Was mir in diesem Buch aufgefallen ist, ist, dass sich die Autorin dieses Mal mit den Beschreibungen sehr zurückgehalten hat. Beispielsweise bekommen wir die hübschen Kleider so gut wie überhaupt nicht beschrieben. Da wir öfter den Ort des Geschehens wechseln, wäre es teilweise hilfreich gewesen, zu erfahren, wie die neue Umgebung nun aussieht. Ich konnte mir viele Örtlichkeiten kaum vorstellen. Dazu stehen dann die Szenen mit der See, wo die Autorin sehr großen Wert darauf legt, dass der Leser sich genau vorstellen kann, wie die Beziehung zwischen Mutter See und ihren Sirenen-Töchtern ist.

Der größte Kritikpunkt geht allerdings an die Spannung. Durch die ersten 150 Seiten musste ich mich wirklich durchkämpfen, weil einfach nichts Fesselndes passiert ist. Die Liebesgeschichte nimmt überhaupt keine Fahrt auf, ich würde eigentlich noch nicht mal von einer solchen sprechen …Auch unter den Schwestern passiert kaum etwas, die Wendungen bleiben bis zum Ende aus und generell würde ich nicht von Spannung sprechen. Auch das Ende ist sehr voraussehbar und somit wenig aufregend. Mir haben hier auch schlichtweg die Emotionen gefehlt. Ich hatte keine Gänsehaut, keine Tränen in den Augen, mich hat das Schicksal von Kahlen und Akinli nicht mitgerissen.

Vom Verlag wird das Buch ab 14 Jahren empfohlen, was ich in diesem Fall auch so sehe. Ein Roman, der sich zwar durchaus mit dem Thema Tod, Verbrechen und Gewalt beschäftigt, aber dies in einer unblutigen Art und Weise tut.

Fazit

Eine Protagonistin, die für mich nicht stimmig war, trifft auf Nebencharaktere, die es umso mehr sind. Eine sagenumwobene Hintergrundgeschichte, aus der man definitiv hätte mehr herausholen können und eine Story, die leider keine Fahrt aufnimmt und den Leser somit auch nicht mit auf die Reise nimmt. In einem Wort: schade!

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