Die Spur der Bücher von Kai Meyer

Buchvorstellung und Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Die Spur der Bücher, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Fischer , 442 Seiten. ISBN 3841440053.

ab 14 Jahren

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Jugendbuch-Rezension von Carsten Kuhr: Kai Meyer kehrt zurück zur Welt der Bibliomanthen

Was verbindet Ihr mit London so um 1880? Queen Victoria hat ihr Reich mit starker Hand regiert, die erste Untergrundbahn der Welt wurde in der Metropole gebaut, die sozialen Verhältnisse der vielen Armen waren katastrophal.

Es gibt aber auch ein anders London. Ich meine nun nicht die Welt der Adeligen und Reichen, die in Saus und Braus lebten, sich um die Armut und das Elend breiter Bevölkerungsschichten nicht kümmerten, sondern in ihren Clubs und auf den Bällen prassten.

Ich meine die höchst geheime Welt, der Bibliomanthen – Menschen, deren Begabung es ihnen ermöglicht, besondere Kräfte aus Büchern freizusetzen. Doch auch hier gibt es die, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, und jene, die vom Schicksal nicht so belächelt wurden. Merke, wenn Du als armer Schlucker geboren wirst, dann hast Du bei den Mächtigen nichts zu suchen.

Mercy Amberdale wuchs, nachdem sie ein Antiquar aus dem Waisenhaus bei sich aufgenommen hat, inmitten und mit Büchern auf. Sie hat Freunde gefunden, die wie sie selbst auch, die Begabung der Bibliomanthen geerbt haben. Allerdings ziehen diese ihre Kräfte nicht aus in Leder gebundener Hochliteratur – sie können sich gerade einmal die billig gemachten Penny Dreadful – Hefte, die aus Bauchläden in den Elendsvierteln angeboten werden, leisten.

Mercy und ihre Freunde haben sich darauf spezialisiert, Sammlern seltene Bücher zu beschaffen. Nicht immer mit ganz legalen Mitteln besorgen sie seltene Erstausgaben – bis sie sich eines Tages mit Madame Xu, der grauen Eminenz von London anlegen. Nur dem Eingreifen einer geheimnisvoll maskierten Bibliomanthin hat es Marcy zu verdanken, dass sie gerettet wird – ihr Freund aber wird unter der sich herabsenkenden Falle zerquetscht.

Jahre später wird ein Antiquar inmitten seines Buchbestandes Opfer eines verheerenden Feuers, das seltsamerweise die Bücher selbst unberührt lässt. Mercy macht sich daran, das Mysterium aufzuklären, stößt dabei auf Agenten der Akademie, einen höchst angesehenen, adeligen Kritiker, der in einer seltsamen Beziehung zu einem Schundschreiber steht, eine mutige Verlegerin, den Commissioner der Polizei und jeder Menge sorgfältig gehüteter Geheimnisse, die irgendwie alle mit ihrer Herkunft zu tun haben …

Ein Prequel der besonderen Art

Kai Meyer hat letztes Jahr die Trilogie um »Die Seiten der Welt«, in der er auf ganz eigene, innovative Weise seine Liebe zum gedruckten Buch mit einer packenden, ganz eigenen Abenteuerhandlung kombinierte, beendet. Doch so ganz ließ ihn, der Fortsetzungen und Endlosserien ablehnt, das Thema nicht ruhen. Vorliegend wendet er sich, zeitlich allerdings wesentlich früher angesiedelt, der faszinierenden Welt der Bibliomanthen erneut zu.

Wie wir dies von ihm in seinen Jugendbuch-Trilogien gewohnt sind, setzt er einmal mehr eine junge Heldin in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Mutig ist Mercy, kantig, ein wenig starrköpfig und vielleicht gerade deswegen ein Charakter, in deren Haut der Leser gerne schlüpft. Dass sie auch ärmlichen Verhältnissen stammt, dass sie nie auf Rosen gebettet für ihr Überleben kämpfen muss, immer wieder entscheiden muss, ob sie sich mit den Mächtigen anlegt, oder lieber klein bei gibt, sorgt für jede Menge Dramatik. Hinzu kommen Agenten, Morde, phantastische Geschehnisse und Geheimnisse satt, so dass für non-stop Spannung gesorgt ist.

Wie bei Kai Meyer gewohnt, hinterfüttert er seine phantastische Abenteuergeschichte einmal mehr mit einer zweiten, ernsteren Ebene. Hier geht es um Chancengleichheit, um Vorurteile, darum, das Elend der Armen und deren Perspektivlosigkeit nüchtern aber eben darum erschreckend real darzustellen und natürlich eine Lanze dafür zu brechen, seinen Weg selbstbestimmt und mutig gegen alle Widerstände zu suchen.

Fazit:

Das Buch reißt die Geschichte unserer Heldin erst an, macht dann aber schnell neugierig darauf, wie es weitergehen wird. Für Leser, die sich darauf nur zu gerne einlassen, hält Kai Meyer wieder so manche Botschaft bereit, die nachdenklich macht.

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