Kurzbeschreibung:
Ein Jahr Kolumbien. Noch ahnt Jasmin nicht, was sie erwartet. Dass sie Verzweiflung kennenlernt. Sich sich von der Magie des Landes verzaubern lässt, Gewalt begegnet, den Duft der Freiheit schmeckt, an die Grenzen des Möglichen kommt. Vor allem aber trifft sie Damiàn. Damiàn, den gut aussehenden Indio, der ein dunkles Geheimnis hütet. Tief im kolumbianischen Urwald und den nebligen Bergen der Anden findet Jasmin Antworten. Und ist doch längst rettungslos in ihrer Liebe zu Damiàn verfangen.
Jugendbuch-Rezension von Corinna Abbassi-Götte: »Romeo und Julia in Kolumbien«
Der Indigo Damián und die Deutsche Jasmin – fast wie »Romeo und Julia«!
Die 16jährige Jasmin muss mit ihrer Familie für ein Jahr nach Kolumbien. Ihr Vater ist Arzt und möchte den Menschen dort helfen. Sozialromantik nennt Jasmin diesen Traum spöttisch und hat von Anfang an Probleme, sich in Bogotá einzuleben. Glücklicherweise lernt sie direkt in den ersten Tagen den höllisch attraktiven Damián Dagua kennen. Obwohl sie ihn für einen Dieb hält, verliebt sie sich in ihn.
Sie sehen sich wieder, nur leider gehört der 20jährige Indigo Damián nicht gerade zu den Personen, mit denen ihre Eltern etwas zu tun haben. Er ist ein Dieb, vielleicht auch ein Mörder, vielleicht gehört er sogar zu einer Terrororganisation. Jasmin ist das egal. Sie ist sich sicher, die große Liebe gefunden zu haben und schmiedet sofort Zukunftspläne.
Jasmins Eltern sind davon alles andere als begeistert. »Willst du mit ihm im Dschungel leben und fünf Kinder zur Welt bringen? Ist es das, was du willst? Du kannst ja nicht mal kochen!« meckert Jasmins Mutter. Ihr Vater ist ebenfalls gegen die Beziehung, findet aber diplomatischere Worte. Jasmin lässt sich nicht beirren, obwohl sie Damián kaum kennt. Er erwidert ihre Gefühle, das weiß sie, obwohl er immer wieder sagt, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben.
Als Jasmin ihren Vater auf einer Reise zu den Diamantmienen begleitet und beide in die politischen Streitigkeiten des Landes hineingezogen werden, ist es Damián, der sie rettet. Und endlich erhält Jasmin absolute Gewissheit: Damián liebt sie! Doch wie bei Romeo und Julia gibt es von allen Seiten extreme Einwände gegen ihre Liebe, und ein glückliches Ende scheint es auch bei ihnen nicht zu geben. Jasmin ist bereit, Damián überallhin zu folgen, doch Damiáns Rat lautet: »Hab Geduld, Jasmin.« Und außerdem gibt es da immer noch ein paar Dinge, die sie nicht über ihn weiß.
Die Geschichte ist spannend, doch es gibt auch ein paar Dinge, die mich mehr und mehr genervt haben. Dazu gehören vor allem Jasmins Stimmungsschwankungen, ihr Gefühlswirrwarr, die hin und wieder hervorblitzende Unsicherheit über ihre Beziehung zu Damián und das unreife Türenknallen als Abschluss eines jeden Streits.
Der Schreibstil von Christine Lehmann hat mich ebenfalls nicht durchweg überzeugt. Neben schönen und angemessenen Beschreibungen fließen häufig recht geschwollene Formulierungen ein, und darauf folgt dann wieder eine moderne, fast schon flapsige Ausdrucksweise. Vor allem die Benutzung des Wortes »behindert« im Sinne von »bescheuert« hat mich verärgert.
Sehr gut fand ich jedoch, dass die Autorin es geschafft hat, sämtliche Problematiken aus verschiedenen Sichtweisen zu beleuchten. Es bleibt stets dem Leser überlassen, sich ein eigenes Urteil über alle Vorgänge zu bilden. Hierzu erfährt er viel über die sozialen und politischen Probleme Kolumbiens. Vor allem die Kultur der Indigos samt ihrer Traditionen und ihre oftmals dramatische Geschichte ist eindrucksvoll dargestellt.
Doch trotz hohem Kitschfaktor und oft nerviger, unreifer Jasmin ist dieses Buch ein schöner Schmöker. Kolumbien mit seiner fremden Kultur ist sehr reizvoll, und man bekommt richtig Lust, mehr über dieses Land zu erfahren. Auch die nicht ganz einfache aber dennoch perfekte Lösung der Geschichte hat mir sehr gefallen und viele oberflächliche Verhaltensweisen der Personen wieder wettgemacht.
FAZIT
Wer eine Schwäche für »Romeo und Julia«-Geschichten (ohne tragisches Ende) hat und es ein wenig kitschig mag, sollte sich »Der Ruf des Kolibris« nicht entgehen lassen. Kolumbien und vor allem der attraktive Damián entschädigen für die ein oder andere Kritik.
Eure Meinung zu »Christine Lehmann: Der Ruf des Kolibris«
| Julia Meidinger zu »Christine Lehmann: Der Ruf des Kolibris« | 09.01.2010 |
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